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Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 275 - 276

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Glasfenster in Synagogen
Date
1905-04-01
Page
Seite 275 - 276 (sequence 2)
Language
German
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275 Felix Feuchtvranger: Glasfenster in Synagogen. 276 ich mich im ersten Falle, in welchem eine berühmte hiesige Glasmalerei den Auftrag zur Anfertigung von Glasfenstern für eine amerikanische Synagoge bekommen hatte, eines Vorschlages enthalten. Die Folge war, dass die Kunstanstalt Darstellungen aus der Bibel — Ruth usw. — als Synagogenfenster ausführte, und als Beiwerk, ohne jede sachliche oder künstlerische Verbindung mit diesen Darstellungen, Mesusos, Tephillin usw. abbildete, um den Bildern auf diese Weise jüdisches Gepräge zu verleihen. Als ich deshalb bald darauf ersucht wurde, Vorschläge für 10 Glasfenster einer norddeutschen Synagoge zu machen, glaubte ich, auf meinem ablehnenden Standpunkte nicht beharren zu sollen. Gemacht würden die Fenster doch, ich musste also wenigstens dafür sorgen, dass die Darstellungen innerhalb der zulässigen Grenzen bleiben. Man hatte mich gefragt, was ich von einer S}rmbolik der Feste hielte. Von einer bildlichen Wiedergabe der Feste war nun entschieden abzuraten. Schefuos, Sukkos, Chanukoh sind leicht darzustellen. Schwieriger schon ist die Symbolik für Pessach, Rosch-Haschono und Purim. Denn es genügt nicht, etwa den Sedertisch, das Schofar oder die Megilloh abzubilden. Es handelt sich um Glasmalerei, die leuchtende Farben und vielfachen Farbenwechsel fordert, in welcher dunkelrote, grüne, blaue, violette Töne die wirksamen sind. Wir sollen hohe, schmale Fenster füllen, die ein arabeskenartiges Emporstreben des dargestellten oder die schmale, in die Höhe strebende menschliche Gestalt verlangen. Mit dem Schofar, mit der Megilloh kann ich doch kein Fenster füllen. Und wie soll ich den Sabbat oder Jörn Kippur darstellen? Ersterer kann doch nicht etwa durch eine Schabbeslampe und die Besomim- Büchse angedeutet werden. Diese sind doch nicht das Wesentliche des Schabos: der Ruhetag kann ohne Zuhilfenahme figürlicher Darstellungen nicht charakterisiert werden. Für Jörn Kippur bliebe höchstens ein Faden, zur Hälfte weiss, zur Hälfte rot, in Anlehnung an den Faden, der dem an diesem Tage in die Wüste gesandten Sündenbocke um die Hörner gewickelt wurde. Allein mit einem Faden kann man doch kein Fenster füllen. Und dann sollen zehn Glasfenster gestiftet werden. Soviel Feste haben wir glücklicherweise gar nicht. Was sollte ich sonst vorschlagen? Die Wappen der Stämme? Die Zahl wäre entsprechend. Der Löwe, Judas Wappentier, befindet sich schon am Thoravorhange, Schimon und Levi, die auch in ihres Vaters Segen vereint vorkommen, fänden in einem Fenster Platz, blieben also für die restlichen neun Stämme neun Fenster. Wie ich mir die Sache aber recht überlegte, Hess ich den Gedanken doch fallen. Die grosse Anzahl der Wappen stellen Tiere dar. Die malerische Wiedergabe von Tieren ist allerdings nicht verboten. Der Löwe Judas findet sich sogar überall in Synagogen. Allein die Darstellung einer Reihe von Tiergestalten schien mir doch dem reinen Geist des Judentums so entschieden zu widersprechen, dass ich glaubte, diese Art des Synagogenschmuckes ebenfalls ablehnen zu müssen. Darüber, dass die künstlerischen Anforderungen, welche an ein Glasfenster zu stellen sind, mit den besonderen Anforderungen des jüdischen Kultus und der Synagoge nie ganz in Uebereinstimmung zu bringen sind, war ich von Anfang an nicht im Zweifel. Aber es müssten zehn Glasfenstcr gestiftet werden. Wenn es nun gelänge, mit der Idee einen Lehrzweck zu verbinden, so erschiene sie mir annehmbarer, Israels grosse Männer im Bilde wiederzugeben, ist zwar nicht angängig, was hindert aber, sie in ihren Werken darzustellen? Der jüdische Geist sucht Symbolik, und unsere Grossen haben daher ihren Werken oft, ja meistens, symbolische Titel gegeben. Freilich, nicht alle diese Titel eignen sich zur bildlichen Wiedergabe, und mancher unserer Lehrer, gerade die grössten darunter, könnten auf diese W'eise dem Beschauer nicht in Erinnerung gebracht werden. Doch der Gedanke, unsere grossen Lehrer in ihren Werken bildlich zur Kenntnis der grossen Masse Israels zu bringen, die Möglichkeit, dadurch Interesse für den Inhalt der Werke und die Hoffnung, wenigstens den historischen Sinn unserer Jugend zu wecken, liess mich den Versuch wagen. Das Ergebnis meiner Ueberlegung waren folgende Werke, die sich zur Wiedergabe im Bilde eignen: Raschi: das Paradies — die Darstellung bedarf keiner Erläuterung. Maimonides: Mischneh Thora, die Verdoppelung der Thora — die Thora spiegelt sich in einer Quelle oder in den Wolken wieder. Serach ja ha-Levi: Moor, die Leuchte — eine Fackel oder ein Leuchter. Elieser ben Jizchok: Orchos hachajim, Pfade des Lebens — verschlungene Pfade in einem Walde, über Wiesen und Bäche.

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