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Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 265 - 266

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Die moderne Technik im Dienste des Pessach-Rituals
Date
1905-04-01
Page
Seite 265 - 266 (sequence 1)
Language
German
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265 266 DIE MODERNE TECHNIK IM DIENSTE DES PESSACH-RITUALS. Das hatten unsere Altvorderen sich wohl kaum je träumen lassen, dass dermaleinst die Maschine ihren Nachkommen die Mazzoth backen würde! Ehemals war dies sogar in den Grossstädten — und ist auch in der Provinz, hier und da auch in Deutschland heute noch — eine der Hauptfunktionen des Hausbetriebs, und keine wohlhabende Hausfrau, die etwas auf ihre Würde achtete, liess es sich nehmen, die ungesäuerten Osterbrote im Hause zu bereiten. Gewöhnlich vereinten sich mehrere Hausfrauen bei der, welche die bequemsten und geeignetsten Räumlichkeiten besass, und diese war glücklich, die ungeheuer strengen rituellen Vorschriften selber zu überwachen, die die Mazzoh beim ,.Einmeiren" — ein altdeutsches Wort, welches so viel wie Teig einmachen bedeutet —, beim Kneten, Walken und Backen vor der geringsten Gärung zu bewahren. Was war das für ein munteres, seliges und weihevolles Treiben! Während der ganzen Zeit herrschte völlige soziale Gleichheit. Hausfrau und Magd, Herr und Diener, arm und reich, die Gelehrten und die schlichten Männer aus dem Volke waren, unter gleich- Nachdruck verboten. Knetraum der Mazzoth-Bäckerei des Synagogen-Verbandes zu Hamburg. AVasserautomat Knetbeckenreinigeria Mehlwage Mischmaschinen Kneterin Spezialaufnahme für „Ost und West" von Zander & Labisch, Berlin. massiger Verteilung der Funktionen, dabei beteiligt, das „Brot der Armut, welches unsere Väter assen, als sie aus ägyptischer Knechtschaft zogen", zu bereiten. Armen Hausfrauen, die nicht abkommen konnten, wurde von den glücklicheren Genossinnen die Mühe abgenommen. Da konnte man am Abend zuvor die Rabbiner und Honoratioren der Gemeinde in langem Zug, unter Begleitung, die Kannen in den Händen, zum Brunnen schreiten sehen, um, bevor die Nacht herabsank, das Wasser zu holen, „welches übernachten sollte" (majim schellanu), um am folgenden Tage zum Einrühren des Teigs verwendet zu werden. War der Teig unter grosser Vorsicht und geschickter Arbeitsteilung glücklich geknetet, gewalkt und in kleine Stückchen geschnitten, so kam das „Rädeln", welches flinke Knaben- und Mädchenhände besorgten, indem sie hurtig mit gezahnten Rädchen über die Kuchen fuhren, um sie dadurch vor dem „Auflaufen" zu schützen und ihnen die feine, zarte Form zu bewahren. Doch die grösste Verantwortlichkeit ruhte auf den Schultern des „Schiebers", dem es oblag, das runde dünne Teigblatt aufzufangen, Maschinenraum der Mazzoth-Bäckerei des Synagogen-Verbandes zu Hamburg. Werkmeister Walzmaschine Haupimaschine Spezialaufnahme für „Ost und West" von Zander & Labisch, Berlin.

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