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Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 251 - 252

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Persönliches über Julius Fürst
Date
1905-04-01
Page
Seite 251 - 252 (sequence 3)
Language
German
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251 Livius Fürst: Persönliches über Julius Fürst. 252 aufrecht zu erhalten. Auch an meinen "Vater sowie an dessen Hausgenossen, den berühmten Mineralogen Prof. Naumann, war diese Order gelangt. Es wurde den Bürgern freigestellt, ob sie eine Flinte oder eine Pike führen wollten. Die beiden Genannten entschieden sich für die letztere, „da sie nicht von selbst losgehen kann". Und so sahen wir, die hoffnungsvolle Schuljugend, staunend zu, wie unsere Väter unter Leitung eines Instruktors exerzierten — ein Anblick, den ich nie vergessen werde. Glücklicherweise wurde das Vaterland gerettet, ohne dass die Herren es nötig hatten, von ihrer Pike Gebrauch zu machen. Wie die Volkserregung sich allmählich beruhigte, so wandelte sich auch das streit- oder kampflustige Temperament meines Vaters von nun an in abgeklärte, reservierte Ruhe um, so dass er oft seine Heftigkeit in früheren literarischen Fehden bereute und gern solchen, mit denen er sich einst durch wissenschaftliche Diskussionen entzweit hatte, die Hand zum Frieden bot. „Wenn sich der Most auch ganz absurd gebärdet, es gibt zuletzt doch noch 'nen Wein", pflegte er zu seiner Entschuldigung zu sagen. Allerdings war er auch oft ungerecht angegriffen und zum Kampfe gereizt. Mochte er hier und da in der Form zu weit gegangen sein, und konnte er es nicht wieder gutmachen, so tröstete er sich mit dem, was ein Dichter treffend ausdrückt: „Hast du das Deine recht getan, Was geh'n dich der Leute Reden an? Lass' sie nur spotten, lass' sie nur schelten! Was von Gold ist, das wird schon gelten." Die Welt meines Vaters war sein Arbeitszimmer, sein Schreibtisch, seine Bibliothek. Hier war auch meine erste und liebste Spielstätte. Jch bin tatsächlich unter jenen Büchern aufgewachsen. Mit vielen derselben, soweit sie erzählenden Inhaltes waren, wurde ich schon frühzeitig vertraut, nachdem mich die Mutter lesen gelehrt hatte. Orientalische Märchen und Sagen, zumal die Sippurim, bildeten meine Lektüre und fesselten meine Phantasie. Die Studierstube war in jener Zeit des Talglichts und der Rüböl-Lampe noch von patriarchalischer Einfachheit. Hier nun war es, wo mein Vater ununterbrochen, ja fast zu emsig tätig war. Von seiner Art, zu arbeiten, konnte man sagen: Nulla dies sine linea. Nur durch die Stetigkeit des Schaffens ward es ihm möglich, Tag für Tag ein Pensum seiner umfangreichen philosophischen, bibliographischen oder biblisch-historischen Werke zu erledigen. So entstanden — ohne sichtliches Abmühen, ohne Zuhilfenahme der Nächte — sein Grosses Handwörterbuch, seine Bibliotheca judaica, seine Geschichte der biblischen Literatur. Schon der frühe Morgen sah ihn, wie das „Carpe diem" verlangt, an der Arbeit, der er sich bis Mittag ungestört widmete. Und wiederum vom Spät-Nachmittag bis zum Abend war er fLeissig. Eingedenk der Worte aus dem „West-östlichen Divan": „Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann! Die Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann." Und doch wanderte er nach Tisch wohlgemut ins Cafe, um dort Zeitungen zu lesen oder m\i Freunden zu plaudern. Den Abend aber verbrachte er fast regelmässig in einem äusserst anregenden Kreise / v.V>0 «)>\"< o/ooVq/^ TW ovlß//" ~) fU^/%J^//p y£>\;j^//^ ^P&^jpo^ V,, ^o./i/Ai^^/jl^^y^W^ ^'Wy?^'/''' W. o/g* q,//!o~c ojyMo w//> ytMg o^Jj>j}>U*p\zy\rh<^ ^A'U^ n./// Jlf^iw,J'yr-J',''£<'3<n'*"''//t ^-tfftrfJip»' " W</' /»W V >u '/ / / 6;.,<, /-^ ^1«)jz/y//**^«'^^'^ .fa »**• y* +J~&£ -*» - Lf, rw,^-'r-';f :J' [ : J^^^m \ ä , j far*ftt'/vS % ' . ff / /^^..^V^ ,/ ji^vv^ w -vM-^oj^'^y-^y^r . ^^^•M'"v^ j/L^y^A^d, ,.vv/^'^ M ^^"^ jy• <;(<Zij m ji^ (it ><>ihQ ff,>p^ru >\ /0 ''t* fop v vf Salomo Jehuda Rapoport an Julius Fürst.

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