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Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 245 - 246

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Der Zauberkünstler
Date
1905-04-01
Page
Seite 245 - 246 (sequence 4)
Language
German
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245 J. L. Peiez: Der Zauberkünstler. 246 Und kaum hatte er noch das Wort gesprochen, senkt sich auf den Tisch von der Decke ein schneeweisses Linnen herab, und der gedeckte Tisch beginnt sich zu regen und geht bis in die Mitte des Zimmers, und die silbernen Leuchter, die in der Luft schwebten, liessen sich auf ihn nieder. „Nun," sagte derZauberkünstler, „fehlen uns noch die Polstersessel! Auch sie werden da sein!" In drei Ecken des Zimmers standen drei Bänkchen. Da beginnen sie sich zu rühren und stellen sich von selbst an drei Seiten des Tisches. Der Zauberkünstler befiehlt ihnen, dass sie breiter sein sollen. Und sie ziehen sich in die Breite und werden zu Sesseln. Da ruft der Gast: „Werdet weicher!" Und sie bedecken sich mit rotem Sammet, und just, wie er's geheissen, fallen von der Decke schneeweisse Kissen auf die Stühle herab, dass sie zu weichen Polstersesseln wurden, wie der Passähbrauch sie vorschreibt. Und dann senkt sich noch die Sederschüssel auf den Tisch herab und Becher roten Weines, Flaschen, Mazzohs und alles, was zu einem rechten und fröhlichen Seder gehört. Sogar Hagadahs mit zierlichem Goldschnitt! „Habt Ihr auch Wasser zum Waschen? Nicht?! — Ich kann auch Wasser schaffen!" — — .... Da erst fanden sie sich wieder. Und Riwke Beile fragte ihren Mann leise ins Ohr: „Darf man, wie?!" EUGEN SPIRO. BERLIX. Herrenbildnis. EUGEN SPIRO. Portrait Doch Chajim Jaunoh weiss keine Antwort. Da rät sie ihm: „Geh, Teurer, und frag' doch den Rabbi!" „Ich kann Dich doch," erwidert er, „mit dem Zauberkünstler nicht allein lassen. Geh Du doch!" — „Nein," meint sie; „ich bin ein einfältig Weib, und mir wird der Rabbi nicht glauben. Er wird denken, dass ich von Sinnen bin!" Und so gehen sie beide zum Rabbi und lassen den Zauberkünstler allein am Sedertisch . . . Der Rabbi aber sagte: „Alles, was durch Hexerei entsteht, ist unkörperlich. Denn Hexerei verblendet nur die Sinne!" — Und er schickt sie heim: Wenn sie die Mazzohs brechen, den Wein in die Becher giessen und die Betten berühren könnten, dann ist es eine Sendung von Gott, und sie sollten nur fröhlich den Seder begehen. So antwortete ihnen nach den Lehren unserer heiligen Bücher der Rabbi . . . Mit pochendem Herzen lieien sie heim. Und als sie ins Zimmer traten, fanden sie den Zauberkünstler nicht mehr. Den Sedertisch aber fanden sie wie zuvor: Die Kissen konnten sie anfassen . . . Der Wein Hess sich einschenken . . . Die Mazzohs Hessen sich brechen ... Da erst verstanden sie, dass ihr Gast — der Prophet Elija war. Und fröhlich begingen sie den BERLIN. Festtag. _ Dr. W. B. EUGEN SPIRO. Dame im Winde. BERLIN.

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