Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Moritz A. Simon
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 205 - 206 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. W. Licbmann: Moritz A. Simon. 206 Ahlem. Baumschule; Lockerung des Bodens mit Pferdehacke. seiner Zöglinge zu überzeugen und die Existenzbedingungen der jüdischen Einwanderer zu studieren. Noch jüngst legte er „auf Grund langjähriger Erfahrungen", die er gemacht, „praktische Vorschläge zur Organisation der Auswanderung" dar. die für sein edles Herz und seinen weitblickenden Verstand gleicherweise ehrendes Zeugnis ablegten. So war der Mann. Nehmt alles nur in allem, ihr findet nicht viele seinesgleichen. „AN DEN UFERN DER WEICHSEL." und Von Schalom Asch. (Aus dem Jüdisch-Deutschen, übertragen.) Nacht ringsum — ich wandle im Dunkel allein. wegt dies alles?' Die Häuser, die ich. sehe, weit im Kreise zerstreut, eines ferne dem anderen, sie einigen sich nicht, eine Stadt zu werden, sich loszureissen vom weiten Räume und ein Ding für sich zu sein, sondern sie sind verschlungen in der unendlichen Ausdehnung, die das All umfasst. Erblickst du einen dunklen Fleck, blinkt von ferne ein Dach von weissem Stroh, dann ist es, als wüchse, stiege es aus der Erde, nicht von Menschenhänden gebaut, sondern gleich dem Grase des Feldes und dem Baume des Waldes. — Und du, o Mensch, bist frei inmitten der frei gewordenen Nalur. Alles träumt und ruht im Schosse Gottes, alles neigt seine Höhe und birgt sein Gebein im Schosse der guten Mutter. Ist es nicht, als ob alles ringsum sich friedlich seines Loses freute, es nicht wegwerfen und mit keinem tauschen, nicht klagen wollte vor seinem Schöpfer. Die dunklen Rauchwolken blicken stumm zum Himmel, als beteten sie für alles Wesen ringsum. — Die Häuser blinken auf aus dem sie umhüllenden Dunkel, gähnen und tun wunderlich: „Wer be¬ Nachdruck verboten. Noch einmal bergen sie sich im denken: . „Dies bedarf des Wunderns Dunkel nicht" Ich steige aut den Berg hinauf. Er ist schon mein Bekannter — gleich einem Greise, der seinen Bart seinen Enkeln entgegenstreckt und ruhig sie daran zupfen lässt oder seine Schulter senkt: „Steigt herauf, Kinder, wenn es euch Freude macht", so auch der Alte der Stadt: „Freut euch meiner Erde, denn euch, euch alle liebe ich." — So steige ich auf die Schulter des Alten. Manchmal senk' ich mein Haupt und wende mich rückwärts: Dort, im Tale, verbrüderten sich die Häuser und blicken jetzt auf mich. Ruhig hoch blickt der blaue Himmel mit zahllosen, funkelnden Sternen, dünnes, zartes Gewölk umhüllt die Stadt, und aus ihr erhebt sich himmelan der Turm der Cbristenkirche, unweit davon, in einer Wolke verloren, die kleine Fahne am jüdischen Bethaus. Fern sind die Menschen, ferne die Häuser bei Tage, und wie nahe doch des Nachts. Ist es nicht, als seien sie verbunden durch Bande eng wie zwischen Bruder und Schwester; selbst das Haupt der Kirche und die Fahne des Tempels vergassen ihren ewigen Krieg und leben nun in Frieden und Ruhe, denn ein Himmel wölbt sich über ihnen,