Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Purimfeier in historischer Beleuchtung
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 179 - 180 (sequence 5)
- Language
- German
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179 Dr. Max Steif: Die Purimfeier in historischer Beleuchtung. 180 auch der Ursprung der sogenannten Purimspiele zu suchen, obgleich zugegeben werden muss, dass hierbei namentlich bei den deutschen Juden das Beispiel der christlichen Fastnachtsspiele und Karnevalsfeste vorbildlich gewirkt habe. Doch finden diese Spiele erst im 17. Jahrhundert allgemeine Verbreitung. Mit Vorliebe wurde zu diesem Zwecke der Stoff des Estherbuches dramatisch bearbeitet, wobei den Figuren des Haman und Achaschwerosch der lustige Part zufiel. Man geht nicht fehl in der Annahme, wenn man die ersten Ansätze zu solch parodierender Auffassung jener beiden Gestalten schon im Talmud und Midrasch vorgezeichnet finden will. Denn auch dort ist es zumeist ein grotesk-komisches Zerrbild, das uns nach der Darstellung unserer Alten statt des allgewaltigen Staatsministers entgegenblickt. Doch mussten auch andere biblische Sujets, wie die Geschichte Josephs und seiner Brüder, Davids und Goliaths für derartige Schauspielaufführungen herhalten. Zu Mitwirkenden in diesen Stücken gaben sich gerne die Jünger der Jeschibas her. Im Anfange des 18. Jahrhunderts wurde ein solches Dilettantentheater in Frankfurt a. Main 14 Tage vor und 14 Tage nach Purim zur Aufführung gebracht und erregte solch ungewöhnliches Aufsehen, dass sich nicht nur Juden, sondern auch Christen zu diesen Vorstellungen drängten, und sich die Frankfurter Obrigkeit veranlasst sah, „das fernere Agieren bei 20 Talern: Strafe zu verbieten".1) Solche „Spiele" erschienen in mehreren Bearbeitungen und wurden auch wiederholt gedruckt. Freilich verraten sie ihrer ganzen Anlage nach auch den verwahrlosten Geschmack, der zu jener Zeit das Theater überhaupt beherrschte. Das „Purimspiel" hat auch später nichts von seiner allgemeinen Beliebtheit eingebüsst und sich noch heute in vielen Gemeinden Ungarns, Polens und Russlands erhalten. Selbst die Rabbiner erhoben gegen derartige Aufführungen, wobei mitunter in versteckten Anspielungen auch Missbräuche und Uebergriffe der Parnassim (Vorsteher) gebührende Verspottung fanden (z. B. Der falsche Kaschtan von Saphir, 1820), keinerlei Einsprache, ja Hessen sogar anderen übermütigen Ausschreitungen, mit denen am Purim oft die Grenzen des Erlaubten überschritten wurden, freien Lauf. Und wenn sogar das vorhin erwähnte, dem Leben so abgewandte und Busse und Entsagung predigende Buch der Frommen es aussprach: „Sei niemals allzu lustig, ausser am Chanuka und Purim, da magst du um Gottes Willen lustig sein", dann muss es begreiflich erscheinen, wenn sich im Volksmunde das bekannte Sprichwort bilden konnte: Am Purim ist alles frei. O'Vgl. Low. Lebensalter. fieitnfeebr. Das wird ein schöner €ag im Sommer sein, CClenn ich nach langem, leidgefülltem Wandern Zieh wieder in der JVIutter Räuschen ein, Und sitze traut bei Ciscb und fröhlich wie die andern. Die JVIutter weint und sieht vergnügt mich an, Hls wäre alles Bitt're schon verronnen; Sin freudig Häcbeln weckt sich dann und wann — Und ich bin ihr, und bin zurückgewonnen. Der Bruder Stirnen sich in freude krönen — Hn ihr kann ich mein ganzes Heiden messen; Doch deine Cränen, JVIutter, deine Cränen, Sie machen mich mein altes Heid vergessen. 3cb weiss daheim die Sonne heller scheinen — Dein Rauschen, JVIutter, ist so fromm und rein; Ich komm zu dir, mein Leiden totzuweinen — Das wird ein schöner Cag im Sommer sein . . . fiermann Sternbacb.