Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Purimfeier in historischer Beleuchtung
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 173 - 174 (sequence 2)
- Language
- German
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173 Dr. Max Steif: Die Purimfeier in historischer Beleuchtung. 174 I. Angebliches Grabdenkmal von Mordechai und Esther in Susa. (Xach einer Spezial-Aufnahme des bekannten Orientreisenden Hermann Burchardt, z. Z. Isfahän, Persien.) schadlos halten wollte für all die sonst verkümmerten und vorenthaltenen Freuden, als ob man den das Jahr über zurückgedrängten Regungen von Frohsinn und munterer Laune wenigstens einmal so recht nach Herzenslust die Zügel schiessen lassen wollte. Schlicht und einfach heisst es zum Schlüsse des Estherbuches, dass man „diese Tage feiern möge als Tage des Mahles und der Freude, und Gaben zu schicken einer dem anderen, und Geschenke zu verabreichen an die Dürftigen". Und wie hat der liebevoll erfinderische Sinn unserer Altvorderen sie zu einem wahren Volksfeste umzugestalten verstanden! Der wichtigste Teil desselben war zunächst die feierliche Verlesung der Estherrolle am Vorabende des 14. Adar. Die hohe Bedeutsamkeit, Innere Ansicht der Grotte. die speziell diesem Akte beigemessen wurde, erhellt schon aus der Anzahl gesetzlicher Vorschriften, mit denen man ihn umgab, wie nicht zuletzt daraus, dass ein ganzer Traktat im Talmud, Megillah, sich mit ihm befasst. Selbst das sonst allem anderen vorangestellte Studium der Lehre sollte zurückgesetzt werden, wenn es das Anhören der Megillah in der Synagoge galt, und keiner ohne Ausnahme, weder alt noch jung durfte hierbei fehlen. Daher rührt auch der Brauch, während der Verlesung der Estherrolle gewisse Verse im Chore mitzulesen, weil man die Kinder, die zum Gottesdienste mitgenommen wurden, wach und munter erhalten wollte. Ebenso verdankt das sogenannte Hamanklopfen, das bereits im 12. Jahrhundert üblich war, seinen