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Ost und West · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1923) · p. Seite 95 - 96

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Journal
Ost und West
Volume
23 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1923)
Article
Professor David Simonsen
Date
1923-03-01
Page
Seite 95 - 96 (sequence 2)
Language
German
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95 Süsskind von Trimberg, ein jüdischer Minnesänger 96 ohne zeitweiligen Erfolg — die Beziehungen des dänischen Könighauses zum russischen Hofe auszu* nutzen, um einer weiteren Ausdehnung der Pogrome entgegenzuwirken. Erst der Weltkrieg aber hat ihn zu einem Mittelpunkt jüdischer Liebestätigkeit gemacht. Unter den neutralen Ländern war Dänemark durch seine geographische Lage in erster Reihe dazu berufen, an der internationalen Kriegshilfe teilzunehmen, und in erhöhtem Maße galt dies für das dänische Judentum wegen seiner Nähe sowohl zu Deutschland wie zu Rußland. Die große Aufgabe, die den Juden Däne* marks hier gestellt war, hat David Simonsen ganz auf seine Schultern genommen. Mochte es gelten, russische Flüchtlinge in Dänemark unterzubringen, vermißte jüdische Angehörige des deutschen und öster? reichischen Heeres in Rußland oder des russischen Heeres in Deutschland ausfindig zu machen, Liebes? gaben an jüdische Gefangene gehen zu lassen, oder der furchtbaren Notlage unter den Juden der vom Kriege betroffenen Teile Rußlands abzuhelfen, stets stellte er sich an die Spitze der Arbeit und lebte während der Kriegsjahre nur in ihr. Die jüdischen Hilfsorganisationen Deutschlands wandten sich mit gleichem Vertrauen an ihn wie die der Ententeländer, und durch sein Haus, das ein vollständiges Bureau jüdischer Hilfstätigkeit darstellte, ist ein großer Teil jüdischer Liebestätigkeit hindurchgegangen. Seit dem Beginn des Krieges beschäftigte ihn die Frage, welche Wendung der Krieg für das Schicksal der Juden des Ostens bringen würde. Die Antwort, welche die Geschichte auf diese Frage mit der grauen? vollsten Judenverfolgung, die zum mindesten die Neuzeit kennt, gegeben hat, konnte er freilich nicht vorhersehen. Aber seit dieses Elend, insbesondere über die ukrainischen Juden, hereingebrochen ist, hat er sich mit ungebrochener Energie den neuen Aufgaben zugewandt, die an die jüdische Hilfs* tätigkeit gestellt werden, und trotzdem jetzt keine äußeren Umstände mehr den dänischen Juden eine führende Bedeutung in dieser Arbeit verschaffen, hat das Vertrauen, das er in der ganzen jüdischen Welt genießt, ihn mit an die Spitze der WelthilfW konferenz gestellt,fdie die zentrale jüdische. Hilfs* Organisation geworden ist. In ungebrochener Kraft steht er mitten in dieser Arbeit wie in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Möge es dem Judentum noch lange vergönnt sein, sich seiner kraftvollen und vors nehmen Persönlichkeit und seines reichgesegneten Wirkens zu erfreuen. SÜSSKIND VON TRIMBERO, E Von Thek Deutsches Mittelalter — was könnten .wir da von den Juden Anderes erzählen, als daß sie in Ghettos zusammengepfercht, zu Boden gedrückt von dem Haß der vollberechtigten Bürger kein anderes Licht des Geistes gekannt hätten, als das ihnen durch alle Jahrhunderte leuchtende ihrer eigenen Ewigkeitswerke: der Thora und des Talmud. Und doch ist dem nicht so. Wer uns Juden kennt, weiß wohl: ob man gleich noch so gewaltsam uns abzusperren trachtete, wo irgendwann ein frischer Luftzug durch eine Türspalte drang, da haben wir ihn mit gierigen Lungen eingesogen, wo irgend für uns erreichbar ein Leuchtfeuer sich entzündete, da haben wir ihm Brennstoff herzutragen helfen mit ider Fackel unseres Geistes. So wird nur, wer unseres Volkes Geschichte nicht kennt, sich darüber verwundern, daß sogar im 13. und 15. Jahrhundert, den für uns dunkelsten in Deutschland, Juden lebhaften Anteil an deutscher Ritter- 'und Heldensage genommen haben, nicht nur als Genießer, sondern selbstschöpferisch, so daß kein gewissenhafter Chronist jener Tage an ihnen vorübergehen konnte. Sie schrieben zum Teil unter griechischem Namen, wie „Phöbus", den der Jargon später in „Feibusch" verwandelt hat, oder „Kleonymos", heute „Kaiman" oder „Kleemann". N JÜDISCHER MINNESÄNGER a Skorra. Was sie schufen, ist leider zum größten Teile Ider Vergessenheit verfallen, ein Schicksal, das sie mit vielen ihrer christlichen Zeitgenossen teilen. Eines Lieder aber sind in ihrer ganzen Eigenart in einer der herrlichsten Dichtersammlungen jener Zeit erhalten geblieben, der Heidelberger- oder der Manesseschen Liederhandschrift: die Dichtungen des jüdischen Minnesängers Süßkind von Trimberg! Ende des 12. Jahrhunderts unter demjenigen der Ideutschen Stämme geboren, der die Reinheit seines Blutes bis auf den heutigen Tag vielleicht am unverfälschtesten bewahrt' hat, unter den Franken, in dem kleinen unterfränkischen Städtchen Trimberg an der fränkischen Saale, nahe von Würzburg und Kissingen gelegen. Kissinger Badegäste werden sich vielleicht eines Ausflugs auf die nahe Trimburg erinnern und werden dort vielleicht von einem Minnesänger gleichen Namens, „Hugo v. Trimberg", gehört haben, der aber rein germanischer Abstammung war und in seiner Dichtung „Der Renner" gegen allerlei Sünden und Torheiten seiner Zeit zu Felde zog. Über Süßkinds Elternhaus und Kindheit ist uns nichts überliefert worden, wir erfahren erst von ihm, als er an dem berühmten Minnesängerhofe der edlen Grafen von Henneberg gleich Anderen gastliche Aufnahme fand. In Anbetracht der da-

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