Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 23 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1923)
- Article
- Philosophie des Pogroms
- Date
- 1923-03-01
- Page
- Seite 61 - 62 (sequence 2)
- Language
- German
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61 Philosophie des Pogroms 62 semitismus, und der „hört nur auf das Schicksjal und-nicht auf die Menschen". Er kennt nur das „rein historische" Ereignis, er verlegt die Judenfrage von. der Erfahrung in die Substanz und handelt in fiesem Sinne. Und. in diesem Sinne darf es einem Juden nicht erlaubt sein zu sagen: „Wir Deutschen", man muß' ihm stets und unter 'allen Umständen zu verstehen geben, daß man .weiß, wer er ist. Von diesem Augenblick lenkt man sein Handeln von der verderblichen Bahn ab, die es vor Aufhebung der Mimikry beschritten. „In diesem Sinne ist es nicht erlaubt, daß ein Jude Offizier wird, obgleich die Juden stärker, als es die Antisemiten alten Schlages zugeben wollen, Mannschaften gestellt haben zur Verteidigung Deutschlands, und tapferer waren, als man ahnte, und ihnen das Eiserne Kreuz gebührt." „Es gibt Juden von salomonischer Gerechtigkeit, und ihnen gebührt die volle. Ehre ihrer Gesinnung, aber es gebührt sich nicht, daß ein Jude deutscher Richter wird." Überhaupt arbeitet dieser „neue, echte" Antisemitismus mit" einer eigenartigen Methode. Er: spricht den Juden nicht jede Eigenschaft ab. Der Jude kann ein Genie an Geist, ein Engel an Güte und reiner Gesinnung sein, das hilft alles nichts. Et tarnen Judaeus est — er bleibt doch ein Jude. „Ein Judekann -leidenschaftlich Deutschland lieben und sein Leben dafür einsetzen — et tarnen Judaeus est." „Es gibt Juden von großer Milde des Charakters, die der sozialen Not steuern wollen und sich in die- Politik verstricken, "mit bestem Willen um das deutsche Volk. Et tarnen Judaei sunt." Das ist freilich originell, aber neu ist es nicht. Viel schöner und geistvoller hat das schon der alte Patriarch in Lessing's „Nathan" gesagt: „Macht alles nichts, der. Jude wird verbrannt." Allein Hans Blühers Wissenschaft und Philosophie arbeiten mit abgegriffenen Münzen, die talmivergoldet unter das Volk gebracht werden. Auf dieser nicht ganz ehrlichen Prozedur beruht auch seine Entdeckung des Judentums oder "der „Idee Juda". Das ganze nichtzionistische Judentum steht im Dienste einer destruktiven Geschichtswirkung gegenüber den Gastvölkern (soll wohl heißen: Wirtsvölkern), unter denen es wohnt. Wohlgemerkt: wir stehen im Dienste einer destruktiven Idee. Es ist ein Gebot der Geschichte, es ist das unentrinnbare Verhängnis der Juden, daß sie unter den Völkern, unter denen sie wohnen, destruktiv wirken". Sie müssen zerstören, Ob sie wollen oder nicht. Ein anderes Mal spricht Blüher von dem großen Flügel des Judentums, der zur Destruktion „beordert" ist. Jeder einzelne Jude muß zerstören, ob er auch den besten Willen zum Aufbau hat. „Sein ganzes Leben mag ein einziges Opfer im Dienste einer positiven, aufbauenden Idee sein, am Ende wird doch nur Zerstörung dabei herauskommen." „Es gelingt ihm nicht immer, bis in die historischempfindlichen Schichten des Volkstums einzudringen; wo es aber gelingt, da ist die ausnahmslos destruktive Wirkung sofort nachweisbar. Das Judentum ist tief in die historisch-empfindliche Schicht des deutschen Volkes eingedrungen. Seine Aufgabe ist, das Reich zu verhindern. Jeder Jude, ganz gleich ob hoch oder niedrig, hat Teil an diesem Beruf." Die Mittel, deren sich das Judentum bedient, um das Reich zu zerstören, sind die korruptiven Gedankengänge."- Es gibt eine ganze Anzahl solcher Gedankengänge, die die Juden, der metaphysischen Notwendigkeit gehorchend, ersonnen haben, um das Reich zu zerstören. Der wichtigste Gedankengang des Judentums ist die sozialistische Theorie. Sie hat Deutschland am tiefsten getroffen und seine Ehre vernichtet." „Das Judentum ist der Träger und Propagator der materialistischen Geschichtsauffassung, die sich inkonsequent im Liberalismus, konsequent im Sozialismus ausspricht." Glücklicherweise ist das alles gar nicht wahr, und es ist schwer, mit einem Autor zu streiten, der die Judenfrage von der Erfahrung in die Substanz verlegt. Die Substanz ist eine metaphysische Gegend, in die sich zu begeben nicht jedermanns Sache ist. Aber für gewöhnliche Sterbliche, die es nicht verschmähen, im Reiche der gemeinen Erfahrung zu verweilen, ist es lohnend, .folgende-Betrachtung anzustellen: Es mag dahingestellt bleiben, ob die sozialistische Theorie Deutschland am tiefsten getroffen und seine Ehre vernichtet hat oder nicht; daß diese Theorie ein korruptiver Gedankengang des Judentums sei, ist einfach unwahr. Unter den Schöpfern des modernen Sozialismus hat es der Abstammung nach nur zwei Juden gegeben: Marx und Lassalle. Lange vor ihnen war dieser korruptive Gedankengang ausgebaut worden von dem Engländer Owen, von den Franzosen Graf Henry de Saint-Simon, einige Jahre bevor Marx geboren ward, von Fourier, Proudhon, Blanc, von dem deutschen Schneiderlein Weitling (1838, als Marx' 20 Jahre alt war), um nur die wirklich Bahnbrechenden zu nennen. Als die Bezeichnung: „Sozialisten" zum. erstenmal geprägt wurde, hatte noch kein Jude an dieser Theorie mitgearbeitet. Das geschah im Jahre 1841 durch den Franzosen Reybaud in seinem Buch „Etüde sur les Reformateurs ou Socialistes modernes", in dem er die Lehren Owens, Saint-Simons und Fouriers , auseinandersetzte und vom sittlichen Standpunkt als (gefährlich und verwerflich verdammte: sie übertrieben den Gedanken der sozialen Gemeinbürgischaft der Menschen und seien darum „sozialistisch". Und während wir als Geburtshelfer des modernen Sozialismus den kerndeutschen Großbürgersohn Engels in treuer Mitarbeit mit dem