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Ost und West · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1923) · p. Seite 21 - 22

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Journal
Ost und West
Volume
23 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1923)
Article
Das Judentum in christlicher Darstellung
Date
1923-01-01
Page
Seite 21 - 22 (sequence 2)
Language
German
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Das Judentum in christlicher Darstellung 22 sition preis, weil er fand, daß er nicht alles unter diesem Titel unterbringen konnte, was er in diesen Teil des Werkes hineindrängen wollte. Es sind auch noch andere Veränderungen zum Besseren in der Anordnung des Buches, und einige wichtige Zusätze, besondeVs ein Kapitel über das Gebet, dessen Fehlen in der ersten Auflage eine beredte Sprache führt. Verbesserungen im einzelnen sind auch zahlreich, wenn auch noch lange nicht zahlreich genug. Ein lehrreiches Beispiel sei angeführt. In seinem früheren Werke versicherte er, daß das Spätjudentum weder den Namen, noch den Glauben an Gott-Vater gekannt habe und sich nicht zu dieser Höhe erheben konnte. In der ersten Auflage der , »Religion des Judentums" schrieb er: „Sehr charakteristisch ist es wie selten ..... die Bezeichnung Gottes als des Vaters im Spätjudentum vorkommt". In der zweiten Auflage steht dafür: „Hervorzuheben ist ....., daß auch die Bezeichnung Gottes als des Vaters der einzelnen Frommen im späteren Judentum entschieden häufiger ist"52). Aber auch dann macht er noch alle möglichen Abzüge von der Bedeutung dieses Zugeständnisses. Das Kapitel über Monotheismus, mit dem folgenden über Angelologie, Dämonologie und die „Hypoistasen - Spekulation", wiederholt die geläufigen Thesen, welche nicht noch einmal aufgetischt zu werden brauchen. Eins jedoch muß füglich bemerkt werden: Wer immer den jüdischen Gottesbegriff hauptsächlich .aus den Apokalypsen ableitet, gewinnt ein Bild Gottes, der weltentrückt im höchsten Himmel thront, ein mächtiger Monarch, umgeben von einem himmlischen Hof, mit Ministern von verschiedenem Rang, von denen nur die Höchsten unmittelbaren Zutritt zu dem Monarchen haben, unnahbar sogar den Engeln von weniger hohem Range, ganz zu schweigen von gewöhnlichen Sterblichen, und das nicht etwa, weil theologische Reflexion ihn zur Transzendenz erhoben hat, sondern weil die ganze phantastische Darstellung durch die visionäre Form bedingt ist. Wenn der Prophet eine Vision des Thronsaales in Gottes Palast hat, wie in Jesaja 6, oder wenn der Seher von einem Engel durch einen Himmel nach dem anderen geführt wird bis zu der Schwelle des Allerheiligsten, was für eine andere Art von Darstellung ist dann möglich? Aber aus solchen Visionen ein Dogma herauszudestillieren, heißt den Ursprung und die Natur der ganzen apokalyptischen Literatur mißverstehen. Es ist ganz dasselbe, wie mit dem vorweltlichen Messias in diesen Schriften. Wenn einmal an Stelle der Vorhersage die Vision tritt, so muß der Messias schon da sein, um gesehen zu werden. Es ist das keine Lehre, sondern eine einfache Bedingung visionärer Darstellung. Die vorweltliche Erschaffung des Namens Messias in rabbinischen Quellen ist -etwas ganz anderes. Wenn Boussets Buch als das genommen wird, was es ist, so ist es ein zweckdienliches Händigten. Die Häufung von Nachweisen für Ausdrücke und Sätze in den Apokryphen und Pseudepigraphen betreffend die verschiedenen Gegenstände ist oft fast erschöpfend, aber sie sind nicht immer den, Originaltexten entnommen. Aristeas § 37 erscheint (22 57) unter den Stellen, wo tityioxos vorkommt, 52) Bousset, Jesu Predigt in ihrem Gegensatz zum Judentum (1892) S. 43; Reficrion des Judentums (1903) 5. 355; 2. Aufl. (1906) S. 432 ff. weil der Übersetzer in Kautzschs Pseudepigraphen zufällig to) [AeyiGxco d-eü mit ,,dem Höchsten" wiedergegeben hat. Der deutsche Sprachgebrauch hat dem Verfasser noch andere Streiche gespielt. Auf der folgenden Seite, wo er von ]vh<; als einem Surrogat oder einer Umschreibung für Gott spricht, schreibt er: „Die Prädikate der höchste Gott, der Höchste, versetzen uns ja eigentlich auf den Boden polytheistischen Empfindens. Vom höchsten Gott kann streng genommen nur da die Rede sein, wo es mehrere Götter für den Glauben gibt". Es ist ganz richtig, daß der deutsche Superlativ „der Höchste" den Glauben erwecken kann, daß es noch andere gibt, die nicht so hoch sind. Es ist aber auch richtig, daß der Superlativ und, was in ihm liegt, im Hebräischen gar nicht vorhanden ist. Zum Schluß, noch ein Wort über ein neueres populäres Buch in englischer Sprache: „Oesterley und Box, Religion und Gottesdienst der Synagoge. Eine Einführung ins Studium des Judentums im Neutescamentlichen Zeitalter" (1907). Der Teil, der uns allein hier angeht, „Dogmatisches Judentum", stützt sich ganz und gar auf moderne Autoren, unter welchen jüdische Gelehrte häufiger zu Worte kommen als in den meisten ähnlichen Büchern, doch durchaus nicht auf unmittelbare Kenntnis der Quellen. Die letzteren sind zwar in Menge zitiert in einer Weise, daß es den Anschein hat, als wären sie zu Rate gezogen worden, aber es ist in vielen Fällen ersichtlich, daß die Autoren nicht einmal ihre Nachweise verifizierten. Das Kapitel über „Zwischenwesen zwischen Gott und Menschen" ist ein einziger langer Beweis dafür. Ein oder zwei schlagende Beispiele sind schon weiter oben gelegentlich erwähnt worden. Hier' will ich nur eins oder zwei aufs Geratewohl herauswählen: „In Bemidbar rabbah, c. 12, ist der Ausdruck „Vermittler" direkt auf Metatron angewandt und, was noch bezeichnender ist, er ist dargestellt als der Versöhner zwischen Gott und dem auserwählten Volke" (S. 175). Zunächst stammt dieser Teil von Bemidbar Rab'bah aus dem Mittelalter (vielleicht zwölftes Jahrhundert), abhängig von jungen Midraschim und kabbalistischen Quellen. Sein Zeugnis wäre also wertlos, selbst wenn es ein solches gäbe. Dann aber steht nicht ein Wort im Text "oder im Zusammenhang, das entfernt den Gedanken an einen „Vermittler" nahelegt oder, gar direkt Metatron so bezeichnet. Endlich "aber steht über Metatrort nur, daß er auf den .himmlischen Altar die Seelen der Gerechten darbringe, um Israel in den Tagen des Exils zu entsühnen, welches Amt .sonst Michael versieht. Ferner: „An mehreren Stellen im Alten Testament ist der Ausdruck „das Wort" in bezug auf Jehovah in einer Weise gebraucht, die, wie man leicht verstehen kann, jüdischen Denkern eines späteren Zeitalters anzuzeigen schien, daß „Das Wort" mehr bedeute als eine bloße Abstraktion" (S. 179-). Unter anderen Stellen dieser Art zitieren sie Deut. 5, 5: „Ich stand zwischen dem Herrn und Euch um diese Zeit, um Euch das Wort des Herrn zu zeigen" (to show). So steht in der autorisierten englischen Übersetzung: Das Hebräische hat „euch das Wort des Herrn zu verkünden" (□dV ^^n^). Die Verfasser nahmen augenscheinlich das englische show in dem Sinne von „zur Schaustellen". In diesem ganzen Kranz von Stellen ist die englische Übersetzung Anfang und

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