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Ost und West · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1923) · p. Seite 5 - 6

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Journal
Ost und West
Volume
23 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1923)
Article
Die amerikanisch-jüdische Bibelübersetzung
Date
1923-01-01
Page
Seite 5 - 6 (sequence 3)
Language
German
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5 Die amerikanisch-jüdische Bibelübersetzung 6 Die wichtigsten Änderungen gegenüber den früheren Übersetzungen bestehen jedoch in den exegetischen Verbesserungen. Die Jewish Publication Society bereitet einen populären Bibelkommentar in sechs Bänden vor, der demnächst zu erscheinen beginnt, und hier sollen die exegetischen Verbesserungen, deren Zahl sich auf ungefähr 50 000 belauft, eingehend begründet werden. Da diese Übersetzung für das Volk bestimmt ist, so war die Regel, daß rein theoretische Neuerungen nicht eingeführt werden dürfen, noch das, was die Probe der Zeit {noch nicht bestanden hat; nur dort, wo Assyriologie, Archäologie, Zoologie und Botanik auf unbestreitbare Ergebnisse hinweisen können, wurde von der überlieferten Exegese abgewichen und die Abweichung in der Übersetzung sichtbar gemacht. Ein Beispiel sei hervorgehoben. Im 1. Buch Samuel, 13, 19 ff. wird erzählt, wie einmal die Hebräer nach einer Niederlage von den Philistäern entwaffnet worden waren, so daß im ganzen Lande Israel kein Schmied vorhanden war und die Hebräer gezwungen waren, zu den Philistäern zu gehen, um ihre Pflugschare, Beile, Sensen und Sicheln wetzen zu lassen. Im folgenden Verse kommt ein rätselhaftes Wörtchen „pim" vor, welches die Übersetzer gewöhnlich einfach mit Stillschweigen übergingen, weil keiner es zu deuten wußte, dann ergab aber der Zusammenhang das Gegenteil vom Vorangehenden. Die Lexika zogen das Wörtchen zu dem vorangehenden „pezirah", welches „feilen" bedeutet, und so entstand ein Wort „pezirah-pim", welches sogar in die neuesten, allerneuesten Wörterbücher überging. Nun fand Prof. Macali'ster bei einer Ausgrabung in Palästina zwei Gewichtsteine, von denen der eine die Inschrift „beka", der andere die Inschrift ..pim" in althebräischen Buchstaben eingegraben trug. Da das Wort ,,beka", welches ein bestimmtes Gewicht bezeichnet, häufig in der Bibel vorkommt, so wissen wir, daß auch „pim"- ein Gewicht bezeichnet, etwa i/3 Schekel. Das Wort bekommt jetzt einen Sinn: (die pezirah, nämlich das Feilen: oder Wetzen kostete bei den Philistäern einen „pim". also 3/3 Schekel für die Pflugschar usw. Durch diesen glücklichen Fund ist das hebräische Vokabular um lein Wort bereichert, aus dem althebräischen Leben uns ein interessantes Detail bekannt und ein dunkler Bibelvers aufgehellt worden. Die vorliegende Übersetzung ist die erste, die diese Entdeckung berücksichtigt hat. Hier ist es am Platz, etwas über die Persönlichkeiten der Urheber dieser Übersetzung zu sagen. Dr. Salomon Schechter war einer der vielseitigsten jüdischen Gelehrten der letzten Generation, er beherrschte meisterhaft alle Gebiete der jüdischen Literatur, hat sich als Editor alter Autoren sowie als Essayist bekannt gemacht. Berühmt 'Wurden seine Genizah-Funde, von denen der wichtigste wohl der hebräische Ben Sira war. Allein Schechter, dieser galizisch-rumänische Jude, den ein glückliches Schicksal frühzeitig über Deutschland nach England, dann nach Amerika entführte, galt in der anglosächsischen Gelehrten- und Schriftstellerwelt als einer der glänzendsten und gediegensten englischen Stilisten. Dr. Kaufmann Kohler, der sich jetzt den Achtzigern nähert, Präsident des Hebrew Union College und anerkanntes Oberhaupt der Reform- Bewegung in Amerika, ist ein Mann von umfassender Gelehrsamkeit und gründlicher Kenntnis der modernen Bibelwissenschaft, gilt als besonderer Kenner der hellenistischen Literatur der Juden. Bekannt ist sein auch in deutscher Sprache erschienenes Werk über das System der jüdischen Theologie geworden. Dr. Joseph Jacobs war ein sehr vielseitiger Schriftsteller, Editor älterer englischer Texte, ein feiner Kenner der Literatur- und Kulturgeschichte, ein hervorragender englischer Stilist. Er wurde vornehmlich bekannt durch sein Werk „Jewish Contributions to Civilisation, an Estimate". Dr. Cyrus Adler, Präsident des Dropsie College, ein bekannter Gelehrter auf dem Gebiete der orientalischen Sprachen, Literatur, Geschichte und Archäologie, . ist in Amerika berühmt als Führer des jüdischen Gedankens und erfahrener Organisator, der es ausgezeichnet versteht, Ideen in die praktische Tat umzusetzen. Dr. David Philipson, ehemaliger Präsident der Central Conference of American Rabbis, ist bekannt als hervorragender Prediger; sein Werk „Old European Jewries" erfreut sich einer großen. Beliebtheit. Dr. Samuel Schulmann, ebenfalls ehemaliger Präsident der Central Conference of American Rabbis, ist namentlich durch seine hervorragenden Vorlesungen über verschiedene theologische und philosophische Fragen sowie durch seine gedankenreichen Predigten bekannt geworden. Dr. Max L. Margolis, Professor-der Bibelwissenschaft am Dropsie College for Hebrew and Cognate Learning, ist ein sehr bekannter Semitologe und hat in der gelehrten Welt einen wohlbegriindeten Ruf als Grammatiker und Exeget. Derart vereinigte das Übersetzerkollegium in sich die Repräsentanten aller religiösen Richtungen im Judentum, die wissenschaftlich vorzüglich für ihre Aufgabe ausgerüstet waren. Vor allen Dingen brachten sie eine gediegene Kenntnis des Hebräischen in allen seinen Entwicklungsphasen mit, hatten die iKenntnis dieser Sprache nicht erst in späteren) Jahren mit Grammatik und Wörterbuch in der Hand erworben, sondern sie gleichsam mit der Muttermilch eingesogen. Mit der Bibel waren sie von

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