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Ost und West · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1923) · p. Seite 3 - 4

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Journal
Ost und West
Volume
23 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1923)
Article
Die amerikanisch-jüdische Bibelübersetzung
Date
1923-01-01
Page
Seite 3 - 4 (sequence 2)
Language
German
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3 Die amerikanisch-jüdische Bibelübersetzung 4 Seminary of America nach New York berufen, und in diesem Mann gewann die jüdische Welt in den Vereinigten Staaten eine ganz ausnehm lieh hervorragende Kraft Das Komitee konstituierte sich neu und wählte den Professor Schechter zu seinem Vorsitzenden, und im Jahre 1908 faßte die Jewish Publication Society of America im Verein mit der Gentnal Conference of American Rabbis den Beschluß, die Bibelübersetzung nach einem veränderten Plan zu vollenden. Anstatt jedes Buch einem besonderen Übersetzer zu übertragen und dann die einzelnen Arbeiten von einem rierausgeberkomitee revidieren und untereinander in Einklang bringen zu lassen, sollte das ganze Werk die gemeinsame Arbeit eines Übersetzerkomitees sein. In dieses Komitee wurden gewählt: Dr. SalomonSchechter, Dr. C y r u's Adler, D^\ Joseph Jacobs, als Vertreter der Jewish Publication Society of America; Dr. Kaufmann Kohler, Dr. David Philipson, Dr. Samuel Schulmann, als Repräsentanten der Central Conference of American Rabbis. Diese sechs Männer wählten als siebenten den Professor Dr. Max L. Margolis, und er -wurde zugleich als Hauptherausgeber bestellt. 'Zum Vorsitzenden dieses Übersetzerkomitees wurde Dr. Cyrus- Adler gewählt. Derart waren in dem Komitee die drei großen amerikanischen Lehrstätten für die Wissenschaft des Judentums repräsentiert: Das Jewish Theological Seminary o f A m e. r i ca durch Dr. Schechter, das Hebrew Union College durch Dr. Kaufmann Kohler, das Drop sie College for Jewish and Co g n a te Le ar n i n g durch Prof. Max L. Margolis. (Über diese drei Anstalten vgl. die Studie „Die Judenheit in den Vereinigten Staaten von Amerika", Ost und West 1920, September- Dezember.) Die Methode, nach der die Übersetzung hergestellt wurde, war nun folgende: Prof. Margolis; widmete sich volle sieben Jahre ganz dem Werke, nahm die Hauptarbeit auf sich und lieferte den Text der Übersetzung, wobei er die Aufgabe hatte, aus allen bereits vorhandenen englischen Übersetzungen das Wertvollste und Dauernde herauszuziehen, namentlich aus der Authorized Version und der Revised Version, den drei erwähnten jüdischen sowie aus den in der vorhergehenden Epoche für die Jewish Publication Society vorbereiteten Übersetzungen. Es wurden ferner alle wichtigsten alten und neuen Kommentare befragt. Großes Gewicht wurde auf die alten Übersetzungen als Quellen der Exegese gelegt: Septuaginta, Aquila, Symmachus1, Theodotion, die Thargumin, die Vulgata, die Peschitto und die arabische Übersetzung der Saadia Gaon. Die (oft sehr scharfsinnigen) Deutungen im Talmud und Midrasch wurden berücksichtigt, sodann wurden die großen jüdischen Erklärer des-Mittelalters konsultiert: Raschi, Kimchi, Ibn Esra, Gersonides; aber auch die neueren und neuesten: Luzatto, Malbim und Ehrlich. Von diesem Manuskript wurde je eine Abschrift an jedes Mitglied versandt, so daß diese alle von Margolis vorgeschlagenen Änderungen und Verbesserungen prüfen und neue Vorschläge vorbereiten konnten. Im Verlaufe der sieben Jahre 1908—15 wurden nun sechzehn gemeinsame Sitzungen abgehalten, von denen jede mindestens zehn volle Tage dauerte. Jeder Punkt wurde gründlich durchgesprochen und die Ansicht der Mehrheit dem Manuskript einverleibt. Von Zeit zu Zeit waren SubKomitees an der Arbeit, um offengelassene Fragen durchzuberaten; ihre Entscheidungen wurden dem Übersetzerkomitee unterbreitet, welches darüber abstimmte. Bevor das Manuskript in Druck gegeben wurde, wurde es nochmals untersucht, um alle Vorschläge und Änderungen, die im Laufe der sieben Jahre gemacht wurden, miteinander in Einklang zu bringen. Die erste Korrektur des Gesamtwerkes wurde jedem Mitglied zur Revision zugesandt. Alle vorgeschlagenen Verbesserungen wurden registriert und diejenigen, auf die sich eine Mehrheit einigte, wurden beibehalten. Gegen 300 Fälle, für welche weder Prof. Margolis, noch der Vorsitzende, Cyrus Adler, die Verantwortung übernehmen wollte, wurden auf der letzten gemeinsamen Sitzung, die im Flerbst 1915 abgehalten wurde, nochmals durchberaten. Darauf wurde eine zweite Korrektur hergestellt, von Margolis und .von Adler sorgfältig mit der ersten verglichen, kleine Verschiedenheiten und Abweichungen wurden ausgeglichen, wobei die einzelnen Übersetzer brieflich um Rat gefragt wurden. Außerdem wurden mehrere Korrekturen von berufsmäßigen Korrektoren gelesen und noch in jedem Stadium der Drucklegung die Übersetzung mit der Urschrift verglichen. Häufig wurden ganze Abschnitte umgesetzt, nur um das typographische Bild .schöner zu gestalten. „Jede Maßnahme wurde ergriffen, um' die Edition von jeglichem Gesichtspunkt aus anziehend zu machen. Keine Arbeit, keine Kosten wurden gespart." Jakob H. Schiff hatte der Gesellschaft für den Bibelfonds das nette Sümmchen von 50 000 Dollars zur Verfügung gestellt, und das ermöglichte ihr die großartige Organisation und den billigen Verkaufspreis. Der Stil der Übersetzung wurde nach der Authorized Version und nach der Revised Version modelliert, die feierliche und getragene Vortragsweise der Elisabethinischen Epoche wurde beibehalten, jedoch wurden die veralteten und seltenen Ausdrucksweisen, Wendungen und Wiederholungen fallen gelassen und dem Ganzen ein einheitliches, volkstümliches Gepräge verliehen.

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