Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli-August 1922)
- Article
- Das Judentum in christlicher Darstellung
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 219 - 220 (sequence 9)
- Language
- German
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219 Ö2S Judentum in christlicher Darstellung 220 Neue Testament selbst und die jüdischen apokryph ischen Schriften, denen er den Vorzug gibt. Zweitens ist sein Ziel nicht, darzustellen, was die Gelehrten in den Schulen lehrten (Schriftgelehrtentum), sondern die religiösen Vorstellungen und Gefühle des Volkes (Volksfrömmigkeit), und das kommt, wie er airnimmt, im Schrifttum des Volkes zum Ausdruck, besonders in den Apokalypsen. Hier ist nicht der Ort, die Richtigkeit dieser Begrenzungen vom Gesichtspunkt der historischen Methode aus zu erörtern, noch ob überhaupt ein Gegensatz zwischen den Lehren der Rabbinen und der Frömmigkeit des Volkes bestand. Klar ist aber, daß der Verfasser sein Buch nicht hätte nennen dürfen „Die Religion des Judentums"; denn die Quellen, aus welchen seine Darstellung geschöpft ist, sind solche, denen, soweit uns bekannt ist, das Judentum niemals eine Autorität zuerkannt hat, während er diejenigen nicht gelten lassen will und in weitem Umfang ignoriert, die es immer als maßgebend betrachtet hat. Daß der kritische Gebrauch der letzteren schwierig ist. ist nicht zu bestreiten, wenn auch Bousset die Schwierigkeit bis zur Unimöglichkeit übertreibt. Doch die kritischen Probleme, welche die ersteren bieten, sind, wenn auch anderer Art, nicht weniger schwierig, obgleich Bousset die ernstesten von ihnen übersieht. Wie weit reichte z. B. die Verbreitung dieser Schriften? Repräsentieren sie einen gewissen gemeinsamen Typus von ,,Volksfrömmigkeit" oder zirkulierten sie nur in Kreisen, (die ihre eigenen Anschauungen und Tendenzen hatten? Wie weit stammten sie von Sekten, welche die Masse ihrer Landsleute für ketzerisch hielten? So weit es sich um den Einfluß der in solchen Quellen vorliegenden Ideen auf die messianischen Anschauungen und Glaubensmeinungen der Jünger Jesu oder Jesu selber handelt, sind diese Fragen von vergleichsweise geringerer Tragweite, da die Beziehungen erst selbst festzustellen sind. Sie werden aber von der größten Tragweite, wenn diese Literatur als die Hauptquelle benutzt wird für die Geschichte des Judentums und ganz besonders, wenn sie über die Lehren der Schule und der Synagoge gestellt werden, die durch die rabbinischen "Quellen vertreten sind. Das relative Alter der Schriften ist von weit geringerer Wichtigkeit als ihre Beziehung zu den Hauptlinien der Entwicklung, die von den kanonischen Schrifteni über viele von den nachkanonischen, einschließlich der synoptischen Evangelien und der Liturgie der Synagoge geht und weiter verfolgt werden kann bis zum Midrasch und zur Halacha. des zweiten Jahrhunderts. Keine Darstellung des- Judentums wäre vollständig, welche die Apokalypsen und die verwandte Literatur ignorierte, aber eine solche Unvollständigkeit würde nicht ein derart von Grund aus verzeichnetes Bild bieten, wie es eine überwiegend darauf aufgebaute Darstellung täte. Das Kriterium ist genau dasselbe, das der Historiker auf die Geschichte des Christentums, sagen wir in den ersten zwei Jahrhunderten anwendet. Anonyme Schriften, wie die unlängst entdeckte Epistola Apostolorum, die in die Entwicklungslinie fallen, die wir rekonstruieren oder postulieren zwischen dem Neuen Testament und Irenaeus Tertullian, Clemens von Alexandria, Hippolytus^ gehören zu der Geschichte des katholischen. Christentums und mögen wichtige Ergänzungen unserer Quellen; dafür sein. Schriften, die im ganzen, auf der einen oder der anderen Seite dieser Linie liegen, mögen vieles enthalten, das nach diesem; Kriterium Gemeingut des damaligen Christentums ist, und so weit auch mit besonderer Vorsicht als Nebenquellen benützt werden. Andererseits ist dasjenige in ihnen, was dort als Anschauung einer Person oder einer ganzen Gruppe erscheint, sich aber nicht in gleicher Weise als Gemeingut der Überlieferung nachweisen läßt, wie weite Verbreitung" auch immer es in bestimmten Kreisen oder Sekten, gehabt haben mag, .nur eine Quelle für Spielarten des Christentums, die es eventuell selbst von sich gestoßen hat. Dieses selbstverständliche Prinzip historischer Kritik zu ignorieren oder geflissentlich zu verwerfen, sobald es sich um das Judentum handelt, heißt, sich von vornherein disqualifizieren. (Fortsetzung folgt) Als harmonifche Ergänzung des O d o 1 s oder als selbftändiges —ahnpflegemittel zur mechanifchen Reini* gung der Zähne emp^ fiehlt fidi der Gebrauch der ODOL~2S£kliLlip£kil£i Sie befitzt einen köftlichen Gefchmack, ein vortreff; idies Reinigungsver^ mögen, wirkt durch ihren Gehalt an wirk^ samen, dabei aber unfchädlichen Salzen mild desinfizierend und verhütet bei täglichem Gebrauch die häßliche Verfärbung der Zähne und die Bildung von Zahnftein.