Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli-August 1922)
- Article
- Das jüdische Volk in Ziffern
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 189 - 190 (sequence 3)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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189 Das jüdische Volk in Ziffern 190 essanter und lehrreicher Zusammenstellungen und Überblicke, überall auf die allerneuesten; erreichbaren Quellen sich stützend. So finden wir hier auch schon die Daten betreffend die Zahl der Juden in den neuen Staaten: Polen, Tschechoslowakei, Rumänien, baltische Staaten, und überall das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zu den anderen Nationalitäten im einzelnen. Wir wollen einige dieser Überblicke hierhersetzen. Von den 11 Millionen Juden, die der Verfasser in Betracht zieht, wohnten in Europa 74,71 o/o, in Amerika 18,24%, in Asien 3,07o/0, in Afrika 3,22%, in Australien 0,16o/0. — In jedem Lande, ob groß oder klein, gibt es eine Gegend, in der sich die Juden konzentrieren, so daß der überwiegende Teil von ihnen hier wohnt, während der Rest über weite Flächen des betreffenden Landes verstreut ist; es gibt also überall in gewissem Sinne einen Ansiedlungsrayon, einen unfreiwilligen oder freiwilligen. Im alten Österreich z. B. wohnten 80o/o der 1 313 687 Juden in den drei Kronländern Galizien, Bukowina,' Niederösterreich. Sehr wichtig ist die Gliederung der Juden in Stadt- und Landbewohner im Vergleich zu derselben Erscheinung bei der allgemeinen Bevölkerung. Während z. B. in den Vereinigten Staaten nur 41,5o/0 der allgemeinen Bevölkerung in Städten wohnt, wohnen von den Juden 95o/0 in Städten. Ähnlich ist das Verhältnis in Dänemark, aber auch am anderen Ende der Welt, in Bulgarien. In Rumänien sind 72,27o/o der Juden Städter, während von der allgemeinen Bevölkerung es nur 13,84o/0 sind. In Preußen wohnen 85,85o/0 der Juden in den Städten, von der allgemeinen Bevölkerung aber nur 44,84o/o. In Rußland" war im Jahre 1897^fast die Hälfte der Juden (48,84»/o) in den Städten des Ansiedlungsrayons zusammengepfercht, während von der allgemeinen Bevölkerung nur 13o/0 in Städten wohnten. Elf der Großstädte im europäisch-amerikanischen Kulturkreis beherbergen die größten jüdischen Gemeinden mit über 100 000 Mitgliedern, die größte ist New York, das schon 1915 beinahe 1,5 Millionen zählte, die zweitgrößte ist Warschau mit 360 913 [uden (1916), an dritter Stelle folgt Chicago mit 350 000 [uden (1915), Odessa zählte 1917 185 000, Wien (1910) 175 000, London in demselben fahr 150000, Berlin 143 975 (1910), Kiew hatte (1919) 114 523 Juden. Die Gesamtzahl der Juden dieser elf größten Gemeinden beträgt 3 353 838; es wohnt somit ein volles Viertel aller Juden der Welt in elf großen Städten Europas und Amerikas; die Seelenzahl dieser elf größten jüdischen Gemeinden ist 3,5mal so groß, als die Zahl sämtlicher Juden in der Welt während des 17. Jahrhunderts. Fast der zehnte Teil des ganzen jüdischen Volkes ist allein in New York konzentriert. Das belehrt uns, daß die Juden im wesentlichen eine städtische Bevölkerung ausmachen und sich immer mehr zu einer solchen entwickeln. In den neuen Staaten stellt sich Zahl und Prozentsatz der Juden nach den letzten Zählungen folgendermaßen dar: Staat Bevölkerung Juden Pr°aZteznt" Polen...... 31 000 000 4 100 000 13,22 Ukraina..... 30 000 000 3 300 000 11,00 Rumänien .... 17000000 1 000000 5,77 Staat Bevölkerung Juden ^fz"*" Ungarn..... 15 000 000 450 000 2,90 Tschechoslowakei . . 14 000 000 349 000 2,48 Südslawien .... 11 600000 100000 0,85 Litauen..... 2 000 000 250 000 12,50 Lettland..... 2 522 000 150 000 5,90 Großrußland (europ. Sowjetrußland . . 95 000 000 200 000 0,21 Deutschösterreich. . 6 071 978 200000 3,29 Die polnischen Juden machen also 25,98o/0 der Gesamtjudenheit aus, die ukrainischen 20,91%, die rumänischen 6,34o/0, die ungarischen 2,85o/0f die tschechoslowakischen 2,21 o/o," die großrussischen l,26o/o, die lettländischen 0,96o/0, die litauischen l,58o/o, die südslawischen 0,65o/0 aus. Das neue Deutsche Reich mit seinen 58122 273 Einwohnern zählt 500 000 Juden, die noch nicht lo/o, nämlich nur 0,88o/o, der Gesamtbevölkerung ausmachen, auf hundert Nichtjuden kommt noch nicht ein Jude. Die halbe Million deutscher Juden bilden 3,18% der Gesamtjudenheit. Die kleinsten jüdischen Gemeinschaften in Europa sind folgende: 1. Portugal: 1000; 2. Norwegen: 1045; 3. Luxemburg: 1270; 4. Finnland: 2000; 5. Schweden: 3912; 6. Spanien: 4000; 7. Dänemark: 5164; 8. Estland: 7500. Als mittlere Gruppe haben folgende jüdische Gemeinschaften zu gelten: 1. Belgien: 15000; 2. Schweiz: 19023; 3." Bulgarien: 45000; 4. Italien: 43 000; 5. europäische Türkei: 75 000. Auf dem amerikanischen Kontinent und den nahen Inseln, von den Vereinigten Staaten abgesehen, leben folgende Judenschaften: Kanada: 75681 (1911); Kuba: 2000; Jamaika: 1487; Mexiko: 500; Argentinien: 110 000; Brasilien: 4000; die übrigen südamerikanischen Staaten (außer Peru): 2557. In Australien wohnen insgesamt 19 415 Juden (1916), davon 2128 auf Neuseeland. In asiatischen Ländern lebten nach älteren Zählungen, die zwischen 1911 und 1916 vorgenommen wurden, insgesamt 433 332 Juden, davon entfielen auf das asiatische Rußland' 76 262 (die Zahl dürfte inzwischen auf ungefähr 100 000 angewachsen sein) unter 10 295 900, bildeten also ungefähr 0,74o/0; in der asiatischen Türkei 177 500, davon in Palästina 85 000; in Persien 40 000 Juden unter 9,5 Millionen Einwohnern; in Indien 20 980 unter mehr als 315 Millionen; in Afghanistan und Turkestan 18 316 unter 6 Millionen; in den übrigen asiatischen Ländern, von China und Japan abgesehen, schätzungsweise 15 274 unter 48,5 Millionen. — In Afrika (es kommen dabei nur die Randländer in Betracht) war Marokko mit seinen 103 712 Juden unter 5 Millionen das judenreichste Land; von den französischen Schutzstaaten zählte Algier 70 271, Tunis 54 664 Juden; Tripolis hatte ihrer 18 860; Ägypten 38 635. In Südafrika wohnen 47000 unter einer Bevölkerung von nahezu 6 Millionen. Das auch äußerlich sehr schön ausgestattete Buch gibt Antwort auf fast alle wichtigen Fragen betreffend die Zahl und räumliche Verteilung der Juden. Die Tabellen und ein sorgfältig gearbeitetes Register vervollständigen die Brauchbarkeit und stellen es auf die gleiche Höhe mit ähnlichen: Werken in den großen europäischen Literaturen. Man möchte nur wünschen, die weiteren Bände recht bald vorgelegt zu erhalten.