Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli-August 1922)
- Article
- Das jüdische Volk in Ziffern
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 187 - 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2583875-2584108-2584112-2591691--18534-2591718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
187 Das jüdische Volk in Ziffern 188 In Europa gab es im Jahre 1804 191 Millionen Einwohner, im Jahre i910 lebten auf unserem Erdteil 452 Millionen; rechnen wir noch dazu die 100 Millionen Amerikaner, die hauptsächlich seit 100 Jahren ausgewandert sind, so finden wir, daß die europäische Bevölkerung sich in diesem Zeitraum von 191 Millionen auf etwa 552 Millionen, also um das dreifache vermehrt hat. Die Zahl der luden, die, wie erwähnt, im 17. Jahrhundert auf eine Million geschätzt wurde, betrug gegen Ende des 18. Jahrhunderts 2,5 Millionen,' aber am Anfang des 20. Jahrhunderts belief sie sich schon auf 12 "Millionen. In der ersten Periode hat sie sich also um das 2,5fache, in der zweiten gar schon um das 4—5fache vermehrt. Nun liegt in dieser Schätzung des Verfassers gewiß einige Übertreibung, denn, wie wir auseinandergesetzt haben, kamen in der Statistik der Juden die wahren Ziffern in einem geringeren Grade zum Ausdruck als bei den Nichtjuden. Es dürfte also nicht ganz zutreffen, daß, wie der Verfasser behauptet, die Zahl der Juden sich zweimal so stark vermehrt habe als die der Nichtjuden. Aber in einem entsprechend reduzierten Maße beruht diese Behauptung auf Wahrheit. Und auch hierin ist der Verfasser ein bischen einseitig, daß er dieses größere Wachstum der jüdischen Bevölkerung lediglich auf die geringere Sterblichkeit der Juden zurückführt, denn in einem nicht zu unterschätzenden Maße ist es auch auf die höhere Geburtenziffer bei den Juden zurückzuführen! Es ist unbestreitbare Tatsache, daß der Neomalthusianismus, der besonders in Frankreich, aber schon vor dem Kriege auch in den Großstädten Deutschlands den Rückgang der Geburten bewirkte, bei den Juden nur sehr langsam um sich griff, und zwar hauptsächlich im Westen, hier aber" vorerst auch nur in den plutokratischen Kreisen. Familien mit über sechs Kindern sind unter den Ostjuden bis Kriegsausbruch sehr häufig gewesen. Die geringere Sterblichkeit der Juden bedarf natürlich einer rationellen Erklärung. Der Verfasser führt dafür sehr treffend folgenden Grund an: Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein großer und tiefgreifender Umschichtungsprozeß innerhalb der ganzen europäischen Bevölkerung, sogar in Osteuropa, der darin bestand, daß zahlreiche Massen sich aus Landbewohnern in Stadtbewohner verwandelten. Die Industriewirtschaft wuchs überall auf Kosten der Landwirtschaft. Die Zahl der im Handel und in der Industrie Beschäftigten und damit der Bewohner der Handels- und Industriezentren stieg immer mehr, und die Landbevölkerung ging verhältnismäßig zurück. In England und Frankreich nahm dieser Prozeß bekanntlich gewaltige Dimensionen an. Das brachte eine grundstürzende Veränderung der Lebensweise zahlreicher Bevölkerungsmassen mit sich, die den neuen Verhältnissen sich nicht so rasch anpassen konnten. Sie kamen aus dem Leben in der freien Luft, aus weitem Raum, zu einem Leben in der stickigen Fabrikluft, in den engen Straßen und Wohnungen der Stadt. Diese Veränderung bezahlten sie mit einer erhöhten Sterblichkeitsziffer. Erst die zweite oder dritte Generation, die durch Gewöhnung sich den neuen Verhältnissen angepaßt hatte und gegen die dezimierende Wirkung des Stadtlebens immun wurde, entging diesem unerbittlichen Gesetz, bezahlte das "allerdings mit einer viel schwächeren Konstitution ihrer "Muskelkraft, was sich besonders während des Krieges an der Bevölkerung Deutschlands zeigte, wo die Landbewohner ein viel größeres Kontingent Militärtauglicher lieferte als die Stadtbewohner. Nun brachten die Juden ins 19. Jahrhundert diese Immunität schon fertig mit, sie hatten sie in den früheren Jahrhunderten erworben. Die Juden waren mindestens seit Beginn des Mittelalters vom Landleben in der freien Natur ausgeschlossen; überall in den Städten waren sie in die Ghetti eingepfercht, wo noch schlimmere Lebensverhältnisse herrschten, als in den heutigen Fabriken und Bureaus. Sie bezahlten das natürlich mit einer gegenüber der christlichen Bevölkerung stark herabgesetzten körperlichen Leistungsfähigkeit, erwarben aber die den Nichtjuden fehlende Angepaßtheit und Immunität. So einleuchtend das auch ist, so darf doch ein anderer hochbedeutsamer Faktor nicht übersehen werden, der hier unzweifelhaft wirksam, und schon im frühen Mittelalter, ja schon im Altertum seine Kraft bekundete, wir meinen die durch das jüdische Religionsgesetz bestimmte Lebensweise der Juden. Der Verfasser sagt darüber: „Es versteht sich, daß die kleinere Sterblichkeit der Juden nicht etwa die Wirkung eines mystischen Rassengeistes oder des moralischen Geistes des Judentums ist; es gibt viel irdischere und darum verständlichere Ursachen dieser Erscheinung." Was den mystischen Rassengeist anbetrifft, so berufen sich auf ihn nur unsere Schwarmgeister, die vom wirklichen Geiste des Judentums keinen Hauch verspürt haben, aber der moralische Geist des Judentums hat sich in sehr irdischen, greifbaren Wirkungen kundgetan. Bekanntlich führen hervorragende Ärzte und Anthropologen, wie z. B. Virchow, die leichte Akklimatisierbarkeit der Juden unter verschiedenen Zonen auf die jüdischen Speisegesetze zurück. Jedermann weiß, daß die Sterblichkeit unter den europäischen Völkern unter anderem durch die Trunksucht gefördert wird, die Kindersterblichkeit durch die Mißhandlung der Frauen von Seiten der Männer. Diese beiden grauenhaften. Laster sind unter den Juden aller Länder bis in die niedrigsten kulturlosesten Kreise hinein äußerst selten. Ein Jude, der dem Trunk ergeben ist, ein Jude, der seine Frau prügelt, zumaf während der Schwangerschaft und der Stillzeit, ist eine unerhörte Erscheinung. Und wer wird leugnen,, daß das eine Folge der Erziehung des jüdischen Volkes durch den „moralischen Geist des Judentums" ist? Dem verstorbenen genialen Theodor Gompertz rühmte ein christlicher Kollege und Schüler, Prof. v. Arnim, die Frische der Seele und des Leibes nach, die jener sich bis in sein 86. Lebensjahr erhalten hatte und die ein Erbteil seiner Rasse gewesen sei. Damit war sicherlich nicht der mystische Rassengeist gemeint, sondern die sehr reale Wirksamkeit der jüdischen Lebensweise. Was für ein heilsamer Balsam die strenge Sabbatruhe für die Nerven unserer Vorfahren war, beginnen die müden und abgespannten Nachkommen zu spüren, die dieses „köstlichen Juwels" verlustig gegangen sind. Der Verfasser, der jeder unsicheren Angabe sorgfältig aus dem Wege geht, schätzt zwar, wie gesagt, die Gesamtzahl der Juden auf 14 Millionen, beschränkt sich aber wohlweislich betreffend genauerer Daten auf ein Gebiet, das 12144 231: Seelen umfaßt. Innerhalb dieses Gebietes liefert sein Buch eine reiche Fülle äußerst inter-