Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli-August 1922)
- Article
- Die Sprüche Salomos
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 185 - 186 (sequence 6)
- Language
- German
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185 Das jüdische Volk in Ziffern 186 aller Völker seit jeher ausgesprochen haben. Anderes aber ist ausgesprochen jüdisch, der eigentümliche Ausdruck und Spiegel jüdischen Empfindens, in wechselnder Form ewige Weisheit. Immer aber sind diese Worte „goldene Äpfel auf silbernen Schalen", für das Alter und für die Jugend ein Quell voll tiefer Lebenserfahrung, der zuverlässige und sichere Führer durch die Aufgaben und die Widersprüche des Lebens, die wahrhafte Vereinigung von Offenbarung und Lebensklugheit, von Thora und Derech Erez. DAS JUDISCHE VOLK IN ZIFFERN Von Dr. S. Friedberg. Um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts; entstand in England das Sprichwort: „Es gibt drei Arten von Lügen: weiße Lügen, schwarze Lügen und — Statistik.'4 Gleichwohl hat keinem Volk die Statistik in Wirtschaft und Verwaltung solche Dienste geleistet, wie den Engländern, die sie zu einer Höhe ausgebildet haben, welche nur noch von der deutschen erreicht wird. Die Statistik hat nämlich in den letzten 50—60 Jahren durch Vervollkommnung ihrer Methoden viel von ihrer ,.Lügenhaftigkeit" verloren und sich, bis auf ein Geringes, der objektiven Wirklichkeit genähert, sie bietet von dieser ein nahezu adaequates Bild, wobei man natürlich die unvermeidlichen Fehler in Anrechnung setzen muß, die jedem menschlichen Werk anhaften, sowie die besonderen Schwierigkeiten, die immer entstehen, wenn Menschen mit Menschen und menschlichen Verhältnissen zu tun haben. Diese Schwierigkeiten sind um so größer, wenn es sich um die Statistik der Juden als Gesamtheit handelt, schon allein aus dem Grunde, weil der größte Teil der Juden in Ländern wohnt, in denen die Statistik, was Zuverlässigkeit und Exaktheit der Methoden anbetrifft, sich noch in primitivem Stadium befindet. In manchen, ganz vorgeschrittenen Ländern dagegen berücksichtigt die amtliche Volkszählung das Religionsbekenntnis der Einwohner überhaupt nicht, wir sind hier also auf die privaten Zählungen der jüdischen Gemeinden und sonstigen Körperschaften angewiesen, denen meistens der exakte staatliche Apparat nicht zur Verfügung steht. Es ist daher kein Wunder, daß die Angaben über die Totalziffer der Judenheit sehr schwankend sind. So zählte der auch sonst stark zu Übertreibungen neidende D. Trietsch im Jahre 1915 14 340 000" Juden in der Welt. Vor einigen Monaten erhöhte er ihre Zahl auf 17073 000." Das jüdische statistische Komitee im Haapschätzte im fahre 1915 die Zahl der Juden auf 13 800 000. Das Amercan Jewish Year Book gab für das fahr 1915 die Ziffer von* 13277542, für das Jahr 1921 14 771 931 an. Diese Zahlen dürften wohl der Wirklichkeit am nächsten kommen. Der Verfasser des vor kurzem erschienenen ausgezeichneten Werkes ,,Das jüdische Volk in Ziffern"1)» Jakob Leschcinsky, sagt vorsichtig, die Zahl aller Juden in der Welt dürfte nicht weniger als 14 Millionen betragen. Da dieses Buch am sorgfältigsten bearbeitet ist und aus den reichhaltigsten und zuverlässigsten Quellen schöpft, so wird man diese seine Schätzung als grundlegend zu betrachten haben. Das meisterhaft geordnete, mit nicht weniger als 57 Tabellen versehene Werk ist ein Lehr- und Lesebuch und ein Nachschlage- *) Berlin 1922, Klal-Verlag (in jüdischer Sprache). buch zugleich. Es bildet den ersten Teil einer allgemeinen jüdischen Statistik und behandelt die geographische Verteilung der Juden; der zweite soll die Demographie der Juden behandeln (der Aufbau der jüdischen Bevölkerung nach Geschlechtern und Altersstufen, natürliche Bewegung, Bevölkerungszunahme, Wanderbewegung). Der dritte Teil wird die Ekonomik zum Gegenstand haben (Berufsstatistik, wirtschaftliche Tätigkeit, soziale Gliederung usw.); der vierte Teil wird sich mit dem Kulturzustand der Juden befassen (Bildungsstufe Analphabetismus und sein Gegenteil, Schul- und verwandte Anstalten). Jeder Teil ist vollkommen selbständig geplant. Der vorliegende Teil bietet jedem, der^ sich in irgendeinem Sinne mit der Judenfrage befaßt, eine außerordentliche Fülle von Belehrung und wird geradezu ein unentbehrlicher Führer "werden. Allein der Verfasser begnügt sich nicht damit, ein Bild der Gegenwart zu" bieten, sondern greift in die Vergangenheit zurück. Aber hier sind wir noch mehr als sonst auf Schätzungen angewiesen. Nicht nur die aus dem grauen Altertum stammenden Angaben sind unsicher, sondern auch die verhältnismäßig jüngeren Jahrhunderte haben keine zuverlässigen Daten hinterlassen. Der amtliche Zählungsapparat war sehr unvollkommen, überdies wurden die Zählungen fast ausschließlich zu Zwecken vorgenommen, die dem Volk äußerst unsympathisch waren: Rekrutierung oder Steuererhebung. Da hatten die Massen immer ein lebhaftes Interesse daran, der hohen Obrigkeit, zu der sie ohnedies blutwenig Vertrauen hatten, ein Schnippchen zu schlagen. Für die Juden war das in noch größerem Maße der Fall. Sie wurden nur gezählt, um die Kopfsteuern, für die die Gemeinden solidarisch hafteten, aus ihnen herauszuschlagen. Zur Zeit Nikolaus I., als die jüdischen Knaben vom zwölften Jahre ab zu den Soldaten genommen wurden, verheimlichten die Juden die Geburten von Knaben nach Kräften. Alle statistischen Angaben aus früheren Jahrhunderten sind also nur schätzungsweise anzunehmen. Danach dürfte die Zahl der Juden um die Zeit des Unterganges der jüdischen Staatlichkeit in der ganzen damaligen Welt ungefähr 4,5—5 Millionen betragen haben. Seither ging, die Zahl der Juden unaufhörlich zurück und im 17. Jahrhundert wurde sie auf eine Million geschätzt. Natürlich war die Zahl der allgemeinen Bevölkerung in Europa auch nicht hoch. "Erst das 18. und 19. Jahrhundert haben die Bedingungen für das stetige Wachstum der Völker geschaffen in hygienischer, wirtschaftlicher und politischer Beziehung, nachdem die verheerenden Kriege, die völkermordende-n Seuchen und religiösen Verfolgungen auf ein geringes Maß hinabgesunken waren.