Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Zum zehnten Stiftungstage des Vereins
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 137 - 138 (sequence 1)
- Language
- German
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13" 13s ZUM ZEHNTEN STIFTUNGSTAGE DES VEREINS: JÜDISCHE LESE¬ HALLE UND BIBLIOTHEK. Von Johannes Giskala. Wie immerman sich in der Bewertung der Abwehrarbeit gegen den Antisemitismus stellen mag, die Tatsache kann man bereits als historisch festgelegt betrachten, dass diese Arbeit für die Judenheit ihre segensreichen Früchte gezeitigt hat. Selbst derjenige, der darüber klagen wird, wie viel Kräfte ideeller und materieller Art nutzlos verschwendet worden, kaan die Rückwirkung auf das Judentum nicht leugnen. Gewiss! Der Antisemilismus — ob man ihn nun als eine deutsche Volkskrankheit oder als eine natürliche Reaktion gegen das stärkere Hervortreten der geistig und wirtschaftlich werktätigen jüdischen Elemente in Deutschland ansehen will — hat weder in seiner Intensität noch in seinem gefährlichen Charakter etwas durch die Bekämpfung verloren. Darüber dürfte sich keiner im Unklaren mehr sein. Denn wenn auch die Formen sich gewandelt haben, in denen er seinen Hass äusserte, das Verschwinden des bubenhaften flep-Hepgeschreies wird von den ranständigenw Judenfeinden selbst begrüsst, weil die Roheit den Antisemitismus diskreditierte! Allein Zunahbeuter und Parasiten hinstellten, doch die erneute starke Bewertung der eignen Gemeinschaft gezeitigt. Es war nur natürlich, dass das erwachte Stolzgefühl es bald dahin hat bringen müssen, dass auch die Abwehrtätigkeit nicht mehr in die Hände von Nichtjuden gelegt würde, und wären sie selbst die uneigennützigsten und idealsten. Indem aber die Juden als die allein Ingegriffenen zu ihrer eigenen Verteidigung Hand anlegten, ergab es sich, wie sehr sie sich der natürlichsten Waffen entblösst hatten in dem Jahrhundert der Emanzipation: die Werke und die Werte ihrer eigenen Stammesgemeinschaft waren ihnen fremd geworden! Es mag bedauerlich erscheinen, dass in Deutschland erst die abwehrende Arbeit zum Judentum zurückgeführt hat, und dass nicht vielmehr das grosse Bewusstsein, einem ruhmreichen, an Kultuitaten und an Leiden starken Stamm anzugehören, immer wieder zu dem Born wahrer Kraft den Weg gewiesen — allein das endliche Ergebnis mag uns trösten, dass die Liebe zum angestammten Judentum und seiner Vergangenheit allgemach doch wieder zu einem seelischen Besitztum der Juden geworde Eingang "zur „Jüdischen Lesehalle" in Berlin segensreiche Tätigkeit entfaltet, und heute gibt es kaum noch eine jüdische Gemeinde, in deren Mitte nicht eine der rao-