Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Friedrich Beer
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 85 - 86 (sequence 2)
- Language
- German
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Dr. Theodor Zlocisti: Friedrich Beer. 86 Er hatte ernste Studienjahre hinter sich. 1846 in Brünn geboren, "war Clin die Bildhauerschule der Akademie der Künste in Wien eingetreten. Nach dreijährigem Studium verschaffte ihm eine antikisierende Gruppe: „Achill und Pcnthesilea", ein Freiatelier im Palazzo di YeneziainRom. Hier im Anschauen der ewigen Werke der Antike und ihrer Neublüte in den Meisterschöpfungen der Renaissancekünstler rissen die Fesseln der akademischen Zucht. Fleiss und systematisches, eindringendes Studium lösten ihm das Geheimnis der schönen Form und führten ihn vor das schreckhaft grosse Problem, das nur einmal Einer spielend nahm: den Erdenkloss zu formen nach seinem Ebcnbilde und ihm den Odem des Schöpfers in die Nase zu blasen . . . In Paris kamen dann die bösen Sorgen des Alltags. Beer wurde Journalist. Nicht mit der Feder. Auch in der bildenden Kunst gibt es Journalisten — Männer, die hastend arbeiten mit feinem Sinne für die Wünsche der Zeit, mit gespornter Empfänglichkeit für die Forderungen desTages, mit jener lächelnden Flüchtigkeit, die über den tiefsten Gehalt der Erscheinung hinweghuscht, aber die äussere Linie in aller Schärfe erkennt und festhält und das Buquet, das über allem Erdgeborenen wallt, aufsprühen lässt. Beer war nicht nur in der staatlichen Zugehörigkeit Franzose, Pariser geworden. Nervös, sensitiv, verband er mit überlegenem Spott und starkem Affekt den feinen Sinn für Eleganz der Form und die Grazie der Bewegung. Er schloss sich Grevin an und schuf eine grosse Reihe zierlicher Statuetten, Nippesdenkmäler der Französin. FRIEDRICH BEER. MICHELANGELO. Der Erfolg war überraschend. Die liebenswürdige Unkeuschheit der nur mit einem Muff, einem Sonnenschirm „bekleideten" Gestalten, graziös bis in die Fingerspitzen, voll jener Bewegtheit, wie sie als < ler Niederschlag einer Kultur des Ganges, einer durch Jahrtausende vererbten Koketterie und Lebensfreudigkeit, eines hochgezüchteten verleinerten Künstlerunnachahmlich Feinschmecker tums des Genusses der Französin so eignet, sie mussten das Entzücken aller werden. Allein Beer hielt es nicht lange bei dieser noch so duftigen Journalistik aus. Freilich, rein seinen künstlerischen Idealen konnte er nicht leben: Er war ein berühmter Meister geworden. Und viele Jahre seiner Arbeit waren fast ganz der bestellten Porträtkunst ausgefüllt. Die Zahl seiner Büsten ist kaum zu übersehen. Er hat fast alle bekannten Männer und Frauen, die in Paris lebten, modelliert. Die Plastiken sind nicht gleichwertig. Man kann das begreifen. Neben Werken, denen die innere Ergriffenheit fehlt — durch das Modell wohl auch fehlen musste — stehen andere, die von Leben sprühen. Ich denke an das Bildnis des Deputierten Lagasse, an den energischen, wehmütigen und doch herablassend spöttischen Kopf Henry MayniesJ vor allem aber an die köstliche Büste des Baron Springer — eine Charakterstudie, welche die Kälte des Gesteins überwand und den Marmor beseelte. Eine grosse Reihe seiner historischen Charakterköpfe ziert die Aluseen. Die Tegetthoffbüste hat Kaiser Franz Josef fürs Belvedere angekauft. Munkäcsys Bildnis steht im Pester National museum.