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Ost und West · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1922) · p. Seite 151 - 152

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1922)
Article
Die Samaritaner in Sichem
Date
1922-05-01
Page
Seite 151 - 152 (sequence 2)
Language
German
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151 Das Judentum in christlicher Darstellung 152: schmückt. Sie verbleiben darin die ganzen sieben Tage. Das ganze Fest hindurch wird nicht gearbeitet und kein Handel getrieben. Zum Passahfest ziehen sie auf den Berg Garizim, wo das Heiligtum ehemals stand. Sie zeigen dort die Stelle, wo der „Grundstein" lag, aus dem die Welt geschaffen wurde, und auf die Stelle, wo die Opferung Isaaks stattgefunden habe. Der Berg Garizim ist nach ihrer Ueberlieferung identisch mit dem Berge Morija. Daneben stand der Altar. Jede Familie errichtet sich ein Zelt in der Umgebung des ehemaligen Heiligtums. Am 14. Tage des „ersten" Monats, gegen Abend, kleiden sich alle Männer weiß. Sieben weiße Lämmer stehen zum Opfer bereit. Der Oberpriester lehnt die Hände auf sie und spricht den Segen, dann werden sie vom Schächter geschlachtet, die Priester ziehen die Häute ab, und das Fleisch wird am Feuer gebraten. Nur die (körperlich) Reinen dürfen vom Passahopfer essen. Die ganze Nacht verbringen sie mit Beten und Singen, und zwar geschieht dies das ganze iFest hindurch. An jedem Tage des Festes werden Mazzoth gebacken, und zwar auf Salz, denn es heißt in der Thora: „Mit jedem Opfer sollst du Salz darbringen", und die Mazze ist gleichsam ein Opfer. Die Samaritaner haben nicht nur unter dem Druck der Not ,und der Armut, sondern auch unter der Feindseligkeit ihrer Nachbarn zu leiden. Sie sind im Verschwinden begriffen. Der Stempel des physischen und geistigen Unterganges ist ihnen aufgeprägt. Mit dem Erwachen des Zionismus winkte auch ihnen ein Hoffnungsstrahl, daß sie mit Flilfe der Zionisten imstande sein würden, aus ihrem Ghetto herauszukommen. Instinktiv fühlen sie es, daß, wenn es ihnen möglich wäre, aus ihren engen Gassen, herauszutreten und ein neues Viertel anzulegen, so würden sie wieder aufleben. Diesbezüglich herrschen in der kleinen Gemeinde zwei Strömungen. Der Oberpriester Isaak und seine Partei sind der Ansicht, daß die Renaissance der Juden auch ihnen, den Samaritanern, einen Strom von Leben und, Arbeit zuführen würde, ohne daß ihr Bestand als. Sondergemeinschaft bedroht würde und sie sich mit den Juden „assimilieren" müßten. Der Oberpriester-Stellvertreter dagegen steht an der Spitze einer Partei, die der Ansicht ist, daß die Berührungmit den Juden für die Samaritanergemeinde die größte Gefahr bedeute. Einmal sprach ich mit ihm über die Lage seiner Gemeinde, daß es nötig sei, der Jugend Arbeit in Jaffa und Jerusalem zu beschaffen, die Schüler auf die Farm „Mikweh Israel" zu schicken, damit sie sich der Arbeit und dem Leben zuwenden. Der Mann antwortete mir mit herzbrechendem Kummer: Ich weiß, daß eine Annäherung an die Juden unsere materielle Lage verbessern würde, aber unsere Gemeinde wird verschwinden. Die Alten sterben aus, und die Jungen werden unter den Juden aufgehen. Wir aber sind ja der wahre Wa'chter der Thora. Wir sind geringan Zahl. Aber mit dem letzten von uns wird unsere Gemeinschaft und mit ihr die Thora gestorben; sein. Gott erspart uns keine Prüfung. Ein Samaritaner meiner Bekanntschaft schickte seinen Knaben in die Missionsschule. Ich frage ihn,, warum er ihn nicht lieber in die jüdische schickte, worauf er mir die bezeichnende Antwort gab: „Daß mein Sohn Christ wird, fürchte ich nicht, die christliche Religion wird er nie annehmen. Aber in der jüdischen Schule wird er zum Juden werden. Und das eben will ich nicht." DAS JUDENTUM IN CHRISTLICHER DARSTELLUNO Von George Foot Moore, Professor an der Harvard-Universität Cambridge (Mass.] Autor. Übersetzung aus dem Englischen von Rosalie Perle s. (Fortsetzung.) Voisins Darstellung der jüdischen Lehren und Anschauungen mit vielen Zitaten in hebräischer Sprache und Übersetzung ist zusammengeholt aus den angesehensten Autoren, einschließlich Maimonides (Mischneh Torah und Moreh), Joseph Albo (Ikkarim), Azariah de Rossi (Meor Enajim). Das Ganze ist ein Werk bewundernswerter Gelehrsamkeit und eine sehr nützliche Einführung in Martini. ■Der größere Teil des Werkes kann noch heute mit Nutzen studiert .werden von vielen, die vorgeben, über den Gegenstand mit dem Rüstzeug moderner Forschung zu schreiben. Nebenbei können sie lernen, wie ein echter Gelehrter arbeitet. Voisins Ausgabe des Pugio wurde im Jahre 1687 in Deutschland wieder abgedruckt unter der Leitung von Johann Benedict Carpzov (der Zweite dieses Namens, starb ,1699), Professor in Leipzig, welcher dem Werke eine lange Einleitung voranstellte:. Introductio in Theologiam Judaicam et lectionem Raimundi, aliorumque id genus autorum. Des Autors Stellungnahme zu seinem Gegenstande wird illustriert durch den Titel, den er einer seiner Unterabteilungen gibt: Theologiae Judaicae modernae Autor principalis, Satanas; Ministerialis, Rabbini. Nichtsdestoweniger gesteht er zu, es gebe wahrscheinlich durch ein Versehen des Satans auch in ihr Spuren von den wahren Lehren des Alten Testaments, die gegen die Juden ausgespielt werden können; solche sind gesammelt im Pugio, dessen Autor refutandam sibi caeteroqui proposuit theologiam Judaicam modernorum, apostatarum, reprobatorum, excoecatorum, etc. Diese

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