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Ost und West · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1922) · p. Seite 17 - 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-01-01
Page
Seite 17 - 18 (sequence 2)
Language
German
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17 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Abb. 1. Medaille auf die Frei* heitsgesetze Kaiser Josephs II. 1781—82 destillirt nun Geld zum Fried, weil Türck und Jud des Krieges müd?" Die nächste Me* daille Nr. 225 führt uns von Österreich und Ungarn zurück nach Deutschland in die Mitte der größten deut* sehen Judengemeinde. Während in Ofen Ort wie Gemeinde unters gingen, vernichtete am 14. und 15. Januar 1711 in Frankfurt a. M. ein Feuerb rand die ganze Judengasse und mit den Häusern Habe und Wohlstand ihrer Insassen. Die Personen blieben mit geringen Ausnahmen unversehrt. Auf dem Medaillenbilde sehen wir eine wehklagende jüdische Familie vor einem brennenden Hause, im Hintergrunde einen von den Flammen unversehrten Turm. Der Text der Rückseite erzählt von dem „glücklichen Ereignis und dem unglücklichen Tage, an dem in Frank? furt a. M. die Judengasse durch die Schuld des Rabbi Naphtali aus Polen (Oberrabbiner Naphtali Cohen aus Lublin) von Flammen ergriffen und in einem Zeitraum von 24 Stunden völlig vernichtet wurde, während der Pulverturm und alle Christenhäuser uns versehrt blieben". Die Gasse erhebt sich bereits aus Schutt undTrümmern, nachdem am 23. März der Grundstein zum Neubau derSynagoge gelegt worden ist. Der Eindruck des Frankfurter Ghettobrandes auf die damalige Welt war ein gewaltiger. Nicht geringer war das Aufsehen, das 100 Jahre später die Einberufung der jüdischen Notabelnver* Sammlung und des Großen Sanhedrin nach Paris machte. Die weltlichen und geist* liehen Vertreter der Juden Frankreichs, Italiens und eines großen Teiles Deutschlands versammelten sich, von Napoleon gerufen, als Parlament und altjüdischer Gerichtshof in der Hauptstadt des französischen Weltreiches, um die Vereinbarkeit ihrer Religion mit den Staatsgesetzen zu bekunden. Inhalt und Art der gepflogenen Verhandlungen trugen dazu bei, so manches Vorurteil gegen Juden und Judentum zu beseitigen und diese in der all* gemeinen Achtung zu heben. Die Medaille Nr. 235, die man damals zur Verherrlichung Napoleons prägte, verweist auf das Gesetz vom 30. Mai 1806, durch das der Zusammen* tritt der Notabelnversammlung befohlen wurde, und auf das Große Sanhedrin, das am 9. Februar Abb. 2. Medaille auf die Eroberung Ofens 1686 1807 seine Sitzungen begann. Ehrend für das Judentum ist keineswegs das Bild, das uns die Medaille vorführt (Abb. 3). Der in Imperatorens tracht gekleidete Kaiser empfängt von Moses, der in Kniebeuge vor ihm steht, die beiden Gesetzes* tafeln. Die Pariser Medailleure, die aus eigener Liebedienerei oder im Auftrage der französischen Minister die Medaille anfertigten, brachten mit dem Bilde nur die Tatsache zum Ausdruck, daß die Judenheit ihr Religionsgesetz dem Kaiser vorlegte. Nichtsdestoweniger bleibt für uns die Zusammens Stellung eines Moses mit Napoleon, noch dazu in der genannten Haltung, eine beschämende Ge* schmacklosigkeit. Die Darstellung paßt zu der sonstigen sklavischen Unterwürfigkeit, die dem mächtigsten Kaiser in anwidernder Vergötterung von der ganzen Welt entgegengebracht wurde. Die bisher besprochenen Medaillen sind sämts lieh von Nichtjuden ausgegangen. Doch auch von jüdischer Seite hat man den Dank für erfreuliche Fortschritte der Geschichte, namentlich für Er* leichterung oder Beseitigung des auf den Juden lastenden Druckes wieder holt in Medaillen bekundet oder besonders wichtige Ereignisse auf diese Weise gefeiert. Die im Umfange zweitgrößte Medaille, die wir besitzen, das Bronzemedaillon Nr. 211, mit dem die Juden Roms 1504 das Ende der gesetzlosen Regierungszeit des Papstes Alexander VI. und die Thronbesteigung des gerechten Papstes Julius II. bejubelten, wäre unser ältestes Stück, wenn sie nicht ein späterer Abguß wäre. Das Original wird im Medaillenkabinett der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrt. Da aber um die Mitte des 19. Jahrhunderts nur sehr wenige Abgüsse hergestellt wurden — einer kam ins Louvre* Museum — und der unserige der einzige in Deutschland befindliche ist, so hat selbst diese Kopie einen hohen Wert. Mehr als 20 mal ist die Medaille,. die um 1654 bei Lyon aufgefunden wurde, seit 1696 besprochen und untersucht worden. Erst 1910 wurden die Rätsel des auf der Medaille stehenden eigenartigen Textes vollständig ge* löst, und es darf als ein Triumph des menschs liehen Geistes gelten, daß dieses Resultat in gründlichsterForschung erreicht worden ist. jm&M'-:'&, mkm^mx irif m Abb. 3. Medaille auf die Ta* gung der Notabelnversamm* lungund des Großen Sanhedrirt in Paris 1806—7

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