Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Sabbatai Z'wi
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 53 - 54 (sequence 2)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
- İzmir 1× ep/1047963
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53 Dr. E. Kinkel: Sabbatai Z'wi. 54 Gutes ahnten, aus der Stadt gejagt. Sabbatai begab sich hierauf nach Salonichi, wo er eine überaus schöne Frau geheiratet, die sich aber bald von ihm scheiden Hess, weil er, wie man behauptete, seine ehelichen Pflichten nicht erfüllte. Aus demselben Grunde musste er in die Scheidung von der ihm angetrauten zweiten Frau, die noch schöner als die erste war, willigen. Nachdem er sich so des Hauswesens begeben, begann er ein unstetes Leben. Auf seinen Reisen kam er nach Morea, von da nach Tripoli in Syrien, nach Gaza und endlich nach Jerusalem, Unterwegs lernte er eine Dame aus Livorno, die aber polnischer oder deutscher Herkunft war, kennen und heiratete sie. In Jerusalem begann er das Gesetz abzuändern und schaffte das Fasten des [17.] Tamus ab. Hier geseilte sich zu ihm Nathan, ein zweiter Betrüger, der den Prophezeiungen, Elias werde vor dem Messias erscheinen, entsprechend, die Rolle eines Vorläufers des Messias übernahm. In Reden sowie durch Sendschreiben nach allen Weltgegenden verkündete er die nahe Ankunft des Erlösers, der nach Ablauf eines Jahres vor dem Grosssultan erscheinen, ihm die Krone wegnehmen und in Ketten geschlossen ihn mit sich zum Triumphe umherführen werde. Nachdem Sabbatai gesehen, dass ihm seine List gelungen war und all die wunderlichen Verheissungen Glauben gefunden hatten, entschloss er sich, in seine Geburtsstädt Smyrna zurückzukehren und von da nach Konstantinopel sich zu begeben, : um die Hauptstadt des türkischen Reiches zum Schauplatz seiner Wundertaten zu machen. Nathan indes hielt es" für ratsam, nach Damaskus zu gehen, von wo er ein Huldigungsschreiben an Sabbatai Z'wi und ein Sendschreiben an die Juden von Aleppo richtete, um auch in dortiger Gegend die Lehre seines Meisters zu verbreiten. Alle diese Vorgänge versetzten die Juden in der Türkei in Aufregung und Begeisterung; sie vernachlässigten Handel und Wandel und erwarteten sehnsuchts\oll die Ankunft des Erlösers, die in einem Jahre erfolgen sollte. Um von Sünden ganz rein und der Erlösung würdig zu werden, unterwarfen sich viele, insbesondere die Juden in Salonichi, mannigfachen Kasteiungen und Bussübungen. (Siehe Abb. 4.) Die einen fasteten sieben Tage hintereinander, die anderen Hessen sich ganz nackt bis an den Hals in die Erde eingraben und verblieben in dieser Stellung so lange, bis ihre Leiber vor Kälte und Feuchtigkeit ganz erstarrt und unempfindlich wurden. Einige Hessen sich brennendes Wachs auf die Schultern tropfen, andere wiederum t(5tö$en &v§^sfy(ri<£tv*s~rr> ^i^ppSt^jfSi JAC03 NAYXOR Mnty itr^adcn. SinjSsrJaßv IktMffi fi&fjutfi MB-ATAI-^EVI &&\vxa ferSuvw. J>m y&6~6 Scc^v.r^^ V01tmtlfJürisOli aufm fotvcr rtcfy(tn£r<X6fj&> 3tt t0?M<Occi<Lenb£ü>m Qvcuferfoftty macfytj UnUtf iffiSABATAI iett in $ctt Orlentr hitjfr\t& £u£en fc6<# me s s ja. s fatjenennt. (Zu Abbildung II. Aitikel „Sabbatai Z'wi '■) Links Jacob (James) Xaylor. ein hurvorragender Apostel der Quäker, Li 1t im J. 165u einen messianischen Einzug in Bristol, bei dem die zweite Ankunft Christi „im Geiste" unter gesteigerter Nachahmung des messianischen Einzugs in Jerusalem gefeiert wurde, der aber dem gefeierten Könige des neuen Israels viele Leiden, wie Geisselung, Pranger, Biandmarkung der Stirn mit dem Buchslaben B (— Blasphemer), Durchbohrung der Zunge mit glühendem Eisen und Abführung ins Zuchthaus eintrug. (Vergl Joh. Heinr. Xurtz, Kirchengesch. Bd. II, S. 274.) In der Mitte dieser Zeichnung die Insignien der fünften Monarchie, von der die Schwärmer in der Mitte des 17. Jahrhunderts soviel geredet haben. Rechts Sabbatai Z'wi, zuerst Jude (Talmud), dann Bekenner der mohamed. Religion (Koran). wälzten sich im Schnee herum oder badeten in halbgefrorenem Wasser. Manche vollends ritzten sich die Schultern mit Dornen und Hessen sich überdies 39 Geisseihiebe geben. Die meisten verkauften Hab und Gut für einen Spottpreis und zogen sich von weltlichem Geschäfte und irdischer Freude, ganz zurück. Um aber das Gebot: „Seid fruchtbar und mehret euch'' zu befolgen, wurden Kinder von 10 Jahren und darüber verheiratet. Sechs- bis siebenhundert auf diese Weise zusammengebrachte Paare wurden nach Entlarvung des Betrügers durch einen allgemeinen Beschluss wieder getrennt. Nachdem diese messianische Schwärmerei aufs