Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Was der Maggid erzählt
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 49 - 50 (sequence 2)
- Language
- German
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49 M. A. Klausner: Was der Maggicl erzählt. Oer Rabbi greift die Sünden packen, Schleppt sie auf tiefgebeugtem JSachcn Rin zu des Hbgrunds grausem Schlund; In dessen aufgesperrten JVIund 5dirft er die gar.zen Sündenballen, Die lautlos in den Hbgrund fallen. Der Satan kommt und sieht. 6r wütet, Dass Hharon so schlimm gehütet, Ödas ihm vertraut. 6s dröhnt und ballt JVHt furchtbar donnernder Gewalt Durch alle sieben Rimmel droben Des Satan furchtbar Rachetoben. 6r schleppt den Rabbi Hharon Hls Dieb vor Gottes ewger) Chron Und fordert als sein gutes Recht: Sechs volle ^abre sei ihm Knecht Der Rabbi, der sein Gut genommen; 5hm könne keine fürspracb frommen. So steht es in der Cat geschrieben, Und nicht ein Husweg war geblieben. eiiah selber, der propbet, Der 6ottes Rerzen nahe steht, Sprach: „Satan ist in seinem Recht, Sechs ^abre ist ihm Hhron Knecht. Doch steht geschrieben im Gesetze, Das ich um keinen preis verletze, 6s sei gestattet jederzeit, Dass man den Knecht durch Kauf befreit. Statt Rabbi Hharon Karliner J^imm, Satan, mich zu Deinem Diener!" Der Satan schlug mit -freuden ein; Ihn Juchts, prophetenherr zu sein; Der war doch noch ein andrer Diener Hls Rabbi Hharon Karliner. 6r reibt voll 3fubel sich die Rande. Da spricht eiiab: „Schon zu 6nde Xst meine Knecbtszeit." — „,Klas? sechs Jahr} J^ein, mein propbet, das ist nicht wahr!'" eiiah drauf: „Du hast vergessen, Dass wir die Zeit hier anders messen. Xm Rimmel, auf den Glockenschlag, Sind tausend Jahre wie ein Cag, Sechs ^fabre keine neun JVlinuten. •Kl er die will nützen, muss sich sputen." Der Satan flucht, doch war ihm Diener prophete nicht und ntebt Karliner. Der Rabbi Hhron fährt empor Hus tiefem Sinnen, und der Chor, er ruft: „6s kauft der HUgerecbte Hm beutgen Cage seine Knechte." Der Rabbi hört und zweifelt nicht — Verständnis kam vom €raumgesicht. * * * In einer Stadt — ich will sie nicht nennen JVIan wird sie auch ohne J^amen erkennen — Lebt* einst ein JNlann, der prunkte gern ]VHt seinem Vermögen, doch war er fern, Zu guten Zwecken es zu nützen; Ofbm war es genug, das Geld zu besitzen. f^ur Schanden halber, wenn alle es sahn, Rat er seinen Beutel aufgetan. Und entscbloss er sich schon, dem Hrmen zu schenke So musste er den empfinger kränken; €r Hess unter Spotten, Sticheln und prahlen Den Dürftigen reichlich die Gabe bezahlen. «las halfs? der durfte und mochte es wagen, Dem reiche.! j^ann die Sdabrbeit zu sagen? Das hatte der Dubnoer JVIaggid vernommen, Hls er in Jene Stadt gekommen Und am Sabbat nachmittag gross und klein Sntiückt mit seinem Sditz, der fein Und doch für Jedermann belehrend, Das Behagen und auch das Cdissen vermehrend. Hm Sonntag geleiten ihn JYIänner von Range Von Raus zu Raus, dass er 6aben empfange. Und als er zu unserem 6robian kam, er folgende Cdorte als Gruss vernahm: „Du hast mich, Rabbi, bezaubert, beglückt. Das will ich Dir lohnen, wie mir siebs schickt. Du hörtest sicher schon die Kunde, Dass ich der reichste JYIann in der Runde Und auch freigebig bin vor allen. J^un bitte ich Dich um den einen Gefallen: Sag mir, warum Ihr feinen Köpfe, Xhr Gelehrten, seid so arme Kröpfe, Dass Xhr müsstet in elend und ffot verkommen, Rätten wir uns nicht eurer angenommen!" Darauf der Maggid: Das will ich Dir sagen, Hass mich Dir eine Geschichte vortragen: In einem kleinen Dorfe war ein Ctlirtsbauspäcbter, ein Hrendar. 6r war nicht gelehrt, er war nicht klug, Cdar ohne Vermögen. Das ist genug, Dass, wo er mochte stebn und gebn, JVIan ihn gar nicht oder scheel angesehn. Kam er ins Gottesbaus zum Beten, Kein Scbammes rief ihn, nach vorn zu treten. Doch war der JVTann im Grund nicht dumm: 6r nahm die Behandlung keinem krumm. Da geschieht es, dass das grosse Los Dem armen Schlucker fällt in den Schoss. JVlit einem Mal war alles verwandelt, JVHt Huszeicbnung wurde der JYIann bebandelt, 6r musste im Gottesbaus stebn voran, Der Scbammes bätt es nicht anders getan. ,,$öie kommts", so sagt zu seinem SCleibe Der Hrendar, „was ich jetzt treibe, Das gilt für fein und klug und richtig; Die Renschen sind zu mir nachsichtig, Sie behandeln mich wie einen vernehmen JVIann — Sag, <deib, was habe ich denn getan?" Sie sinnen beide. Und endlich sagt Die frau: „]VIein Lieber, am €nde bebagt Hn Dir den Renschen das viele Geld, Das Deine Crube Jetzt enthält." Darauf der JYIann: „So ist es richtig; Darum bin ich in Dankbarkeit pfiiebtig, Dass von der ehre, die mir vergönnt wird, für das Geld ein Hntetl abgetrennt wird.