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Ost und West · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. Seite 21 - 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Lesser Ury-Ausstellung im Salon von Keller & Reiner
Date
1905-01-01
Page
Seite 21 - 22 (sequence 3)
Language
German
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21 M. Rapsilber: Lesser Ury-Ausst eilung im Salon von Keller & Reiner. 22 greifendes Symbol des gottbegnadeten Heldentums geschaffen wie in diesem David-Kopf. In der Ferne sieht man die bizarre Gestalt der herausfordernden Goliath und seines wüsten Heerhaufens. Ueber den Himmel zieht eine Glorie weissleuchtender Wölkchen, die das Gebet um den Sieg mit der Freudigkeit und Herrlichkeit des Frühlings zu krönen trachten. So ungewohnt solch ein heller Ton, so echt ist er doch aus dem unverwüstlichen Künstlerherzen emporgequollen, und das wollen wir nehmen als ein Vorzeichen auf eine glückliche Wende. In Ury verkörpert sich ein idealer Höhenpunkt des grossen, durch die Jahrtausende aufrechten Judentums, einer der merkwürdigsten Erscheinungen der Weltgeschichte. Mag auch das Werk Urys der Menschheit angehören, so müssen wir doch immer wieder an seiner Person und an seinem Schaffen den Triumph des Volkes kennzeichnen. Seine Kraft wurzelt aber nicht in dem Wesen, welches das Judentum äusserlich und materiell stark und gefürchtet gemacht hat, sondern in einer weltabgekehrten, weltunkundigen Schwärmerei, in der Reinheit des Herzens und im Stolz aut sein selbstloses Wollen. Es wäre gewiss ein LESSER URY. Sonnenschein. (Besitzer: Verlagsbuchhändler S. Fischer.) OELGEM. (1884). trauriges Zeichen der Zeit, wollte man dieses heldenhaft ideale Streben und Schaffen am Kampf ums Dasein -verkümmern und auf halbem Wege entsagen lassen. DAS GROSSE LOS. Von S. Freidkin. Nach dem Hebräischen frei bearbeitet von X. I. .... In Geschäftsangelegenheiten war Kaidanski gezwungen, von Odessa nach der deutschen Reichshauptstadt zu reisen. Da er die Route über Litauen gewählt, kam ihm der Gedanke, in seiner Vaterstadt Kriwischok Halt zu machen, um seine Freunde und LESSER URY. OELGEM. Gardasee. Bekannten aus der alten Zeit aufzusuchen. Es lag ihm daran, sie zu einer Stunde anzutreffen, da sie von Geschäften frei waren, daher richtete er sich so ein, dass er am Freitag nachmittag, kurz vor Anbruch des Sabbats, in dem Städtchen anlangte. Von dem Gastwirt, bei dem er eingekehrt war, erfuhr er all die Wandlungen, die mit den Menschen, welche einst seinem Herzen nahe gestanden, mittlerweile vorgegangen waren. So mancher war bereits in ein besseres Jenseits übergesiedelt und hatte hienieden die Nachkommen in Kummer und Not zurückgelassen, andere waren noch am Leben, hatten aber all ihr Hab und Gut verloren und waren an den Bettelstab gekommen. Noch viele ähnliche traurige Dinge erzählte der Wirt seinem Gast, und dieser sah, dass hier ein weites Feld für seine Wohltätigkeit sich eröffnete. Tags darauf, als Kaidanski in der Synagoge zum Gottesdienst erschien, lenkte schon sein elegantes Aeussere, seine reiche Kleidung, und besonders der funkelnde Zylinderhut die Augen der ganzen Gemeinde auf ihn. Die guten Leute fingen an, mit den Fingern nach ihm zu deuten, man zwinkerte mit den Augen, tuschelte und flüsterte und zerbrach sich den Kopf darüber, wer wohl der vornehme Fremde sein möge, woher er komme und wohin er reise, was er hier zu tun habe. Unzählige Vermutungen tauchten auf, um

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