Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Gastspiel der Petersburger Schauspielgesellschaft
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 859 - 860 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Prof. Dr. D. Joseph: Gastspiel der Petersburger Schauspielgesellschaft. 860 1. Tante Sarah (W. Kriashewa) 2. Reb Leiser (N. Orloff) 3. Lia (A. Nasimowa) III. Akt. Kr st er Meuterer: ..Verfluchtes Aas! Sie hat ja "neu Revolver in der Hand!" (Spezialaufnahme für „Ost und West* von Zander & Labisch, Berlin.) besten Sinne des Wortes. Der Zweck, unsere Empfindungen zugunsten seiner Helden wachzurufen, ist ihm in hohem Grade gelungen. Der Dichter rüttelt uns aus unserer Lethargie empor und zwingt uns zu Mitleid mit unseren verfolgten Glaubensgenossen im Osten. Ratlos stehen wir da. Was sollen wir tun? Wie sollen wir da helfen? Aber schon, dass wir uns diese Frage vorlegen, ist ein Erfolg des Dichters. Wir haben den innigsten Wunsch, dass die Gesellschaft, deren Bestrebungen nicht so sehr aiu materiellem als auf ideellem Gebiete liegen, ihren befreienden Weg in London, wohin dieselben sich dem Vernehmen nach begeben hat, wie auch in Amerika, dem Lande der Freiheit, vollstes Verständnis und ausgedehntesten Erfolg finden möge. KORIANDER, DER CHASAN. Von Ii. York-Steiner.1) III. (Schluss.) Nachdruck verboten. Kapellmeister und Tenor blieben allein zurück. Schrottbach präludierte, spielte die Preisliedszene durch und lud Koryan ein, sein Lied anzustimmen. Er lauschte nachdenklich, überlegte eine Weile und kritisierte dann. Er Hess einige Stellen nochmals singen, Hess eine Phrase an die andere binden, steigern oder abschwächen und bat nochmals um die ganze Stelle. Dann empfahl er Koryan, er möge das Ganze auf sich einwirken lassen. „Wir wissen, was wir in Ihnen haben; es ist alles da — Stimme, Ausdauer, musikalischer Sinn, Leidenschaft — aber weiss der Kuckuck, was da fehlt! Wenn Sie mit Kraft, mit Leidenschaft dreingehen können, dann wirken Sie geradezu elementar — aber der gebundene Stil von Wagner liegt Ihnen nicht gut." „Ich sing" doch ruhig und zurückhaltend," kam Koryan zu Worte. Er hatte gemerkt, dass niemand mit ihm recht zufrieden sei, er hatte auch nicht übersehen, dass er mit dem Lohengrin keinen Erfolg erzielt hatte — er gab sein Bestes, aber es schien nicht das Richtige zu sein. Die Zurückhaltung, die der Stil ihm auferlegte, hielt seine Empfindung ab, und sang er mit Empfindung, dann rieten sie alle: „Das ist ja der Troubadour!" Schrottbach bemühte sich, ihn zu unterweisen. „Was Sie für den Stolzing brauchen, das ist ruhige Innigkeit, Töne voll getragener Stimmung, eine Empfindung, die aus dem Charakter herauswächst. Die ganze Handlung spitzt sich auf das Preislied zu; Stolzing weiss, dass er mit diesem Lied sein Lieb erkämpfen soll und seinen Ruhm als Sänger erringen muss. Und doch soll die Empfindung ohne äussere Anstrengung von innen herauskommen. Lesen Sie sich den Text gut durch und lassen Sie sich die Partitur recht oft vorspielen, damit Sie in den Geist der Musik ganz eindringen. Wenn Sie erst merken, wie jede Note an ihrem Platz steht, verbunden mit dem Wort, und alles geistvoll verknüpft durch die Motive, dann muss Ihnen einmal der Knopf aufgehen/ Koryan war sehr ernst geworden. „Ich weiss nicht, ob ich's noch lernen werde; ich muss vielleicht zur italienischen Oper gehen."