Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Ein Beitrag zur Geschichte der zeichnenden Künste
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 831 - 832 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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831 83? EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DER ZEICHNENDEN KÜNSTE. Von Dr. J. Thon. Dr. Edgar Alfred Regener, Berlin. Man mag* wie immer sonst Liliens Kunst beurteilen, als ihr unbestrittenes Verdienst muss jedenfallsanerkannt werden: sie hat nicht nur, was die blossenProklamationen und Programmverkündungen nicht konnten, die Wirklichkeiteiner „jüdischen" Kunst dargetan, sie hat auch, bedeutend mehr als die Werke anderer jüdischer Künstler, dem Volke dieses novum nahegebracht, die geringen Anfänge der darstellenden jüdischen Kunst im vollen Sinne dieses Wortes popularisiert. Lilien nahm altjüdische Zeichen und erhob sie zu ständigen Symbolen; durch fortwährende Wiederholung prägte er sie dem Auge ein; der Laie würde sich nunmehr ihrer bedienen zu jeder Ausschmückung, die jüdischen Charakter haben soll, wie eines allgemein angenommenen jüdischen Zeichenalphabets. Alle Zeichnungen Liliens sind tendenziös. Die Tendenz ist klar und spricht jedermann an. Die Zeichnung packt einen, wenn er sie ansieht. So hätte erselbstgezeichnet,wenn er zeichnenkönnte. Lilien, der Künstler des Zionismus, hat Sinnbilder geschaffen, die dem Zionisten seine Ideen, seine Wünsche und Sehnsucht verkörpern. Er hat in ihnen das leidende, niedergedrückte Golusiudentum, die Lehre als den einzig lichten Punkt im düstern Golus, die Sonne der Befreiung und all die anderen uns gegeben. Ausser diesem in grossem Stile tendenziösen Schaffen versteht Lilien <ianz aktuellen Themen, Börries, Freiherr von Münchhausen. r von denen die Massen eben ' durch und durch bewegt sind, einen Ausdruck zu verleihen, der klar ihre Gefühle wiedergibt und deshalb sie so festhält. Kein Wunder daher, dass er in so kurzer Zeit eine solche Popularität erlangt hat. Es mag vielleicht zur Popularisierung seiner Kunst auch die Technik, die er beherrscht, beigetragen haben. Die Schwarz-Weiss-Kunst, bei der die Kopien nicht erheblich in ihrer Wirkung vom Original abweichen müssen, erleichtert auch bei ziemlich geringen Reproduktionskosten eine massenhafte Verbreitung. * * * Der Zionismus ist noch in der Aera des vorherrschenden Gefühls. Noch fehlt uns eine wissenschaftlich ausgebaute Theorie für unser Programm, aber schon besitzen wir beträchtliche Spuren einer künstlerischen Verherrlichung des Zionismus; denn in dem Zionsideale ist Schönheit, die Dichter und Künstler zu begeistern vermag- Die Zionsidee wirkt in ihrer Schönheit auch auf Nichtjuden. Es hat nämlich nie solche gefehlt, die an dem Schönen .an sich, auch an fremder Sehnsucht und mannhaftem Aufraffen teilnahmsvollen Gefallen fanden, zumal wenn diese Ideale ihnen durch den Meister in schöner Form vermittelt wurden. Es ist wahrlich nicht Armeleute-Gesinnung unserer früheren Generationen, die nicht genug Lobpreisungen für den Edelmut des Nichtjuden hatten, der auch dem Juden etwas Menschentum