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Ost und West · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. Seite 817 - 818

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Eliah, der Prophet
Date
1904-12-01
Page
Seite 817 - 818 (sequence 6)
Language
German
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817 Bar-Ami: Eliab, der Prophet. 818 Wenn dem aber so ist, dann geziemt es, dass ich dem Gelde auch etwas Aron der Ehre zukommen lasse, die man mir zuteil werden lässt. „Wie nun dem Gelde Ehre erweisen? Unser Pächter sann lange hin und her, endlich kam ihm ein guter Gedanke. Er liess aus der Hauptstadt Sammet und Seide kommen, fertigte schöne, feine Beutel an, tat die harten Dukaten und schweren Taler hinein — Papiergeld kannte man damals noch nicht — und hängte sie an den Wänden der guten Stube auf. Es ist jedenfalls ehrenhafter für das Geld, in solchen feinen Beuteln zu ruhen, als in groben Leinwandsäcken, sagte sich der gute Mann, und war überzeugt, dem Gelde wenigstens einen Teil der Ehre gezollt zu haben, die er seinetwegen genoss. Aber zu seinem grossen Entsetzen platzten die seidenen und sammetnen Beutel kurz darauf, die harten Dukaten und schweren Taler flogen krachend zu Boden und rollten nach allen Richtungen auseinander. „Das ist es also!" sprach der enttäuschte Mann zu sich. „Wie ich sehe, kann sich das Geld nur im groben Sack erhalten!" „Nun, begreifst Du schon jetzt?" schloss Eliah, der Prophet seine Erzählung und verschwand. Seitdem sagt das Sprichwort: „Geld erhält sich nur im groben Sack." Es sei bemerkt, dass dieser hübsche Streich auch auf den Namen des Dubnoer Maggid erzählt wird, zu dessen Wesen er ebenfalls gut passt. Die Erzählung gehört zu jenen, die ein Sprichwort zur Schlusspointe haben, wobei es sich nur selten entscheiden lässt, ob das Sprichwort aus der Erzählung deduziert oder die Erzählung dem Sprichwort zuliebe erdacht worden ist. * * * An den hier vorgetragenen Erzählungen über Eliah, den Propheten, möge es vorläufig genug sein. Ich wollte dem Leser nur einige Bläiter zeigen aus dem unverwelklichen Kranz von Sagen, den das jüdische Volk um die Stirne seines Lieblings geflochten hat.1) J) Zum Thema „Zaubergeld" vergleiche den Artikel von Scurat in der Zeitschrift „Am Urquell" Jahrg. 1893, dem ich viele Daten entnahm. Dieses von dem ausgezeichneten Ethnographen F. S. Krauss redigierte Organ bietet auch eine reiche Fülle von Material zur Volkskunde d e r J u d e n. BUjabii* 1. Könige XIX. II, 12. Du wolltest wie ein Sturmwind niedergeben Und wie der föbn im "Cun gewaltig sein, Du wolltest Wesen bin zu Kiesen weben Und Mcnschenseelen geisselnd benedein, In beissem Wirbel müde Berzen mahnen Qnd Starres rubren zu bewegtem Liebt, — Du suchtest mich auf deinen Sturmesbahnen Und fandst mich nicht* Du wolltest wie ein feuer aufwärts drängen Und alles tilgen, was dir nicht bestand, Du wolltest sonnenmäebtig Adelten sengen Und Adelten lautem in geweihtem Brand, Mit jäher Wucht ein junges Juchts entzünden Zu neues Werdens seligem 6edicbt, — Du suchtest mich in deinen flammen gründen Und fandst mich nicht* Berlin« Da bam mein Bote über dich und legte Dein Ohr ans stille Leben meiner 6rde, Da fühltest du, wie Keim an Keim sich regte, Und dich umfing des Wachsens Hllgebärde, Blut schlug an Blut, und dich bezwang das Schweigen, Das ewig volle, weich und mütterlich, — Da musstest du dich zu dir selber neigen, Da fandst du mich* Martin Buber*

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