Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Die Gedichte der Bibel
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 797 - 798 (sequence 5)
- Language
- German
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797 W. Bender: „Die Gedichte der Bibel". 798 überall waltet für ihn Gottes Kraft und Güte, die die widerspenstigen und den Menschen bedrohenden Mächte der Natur bändigt, denn Gott, der Herr dieses Weltalls, „der sich seiner Werke freut14, liebt den nichtigen Menschen und freut sich, wenn er ihm Danklieder singt, und nichts Hässliches und Böses soll die Harmonie des schönen Baues stören; so „werden denn dermaleinst die Sünder vom Erdboden verschwinden, und es wird keine Bösewichter mehr geben". So und nicht anders lautet dieser Vers. Bekanntlich hat Frau Beruria hier eine kleine, aber ausgezeichnete Textemendation vorgenommen und „Sünden" anstatt „Sünder" zu lesen empfohlen, wodurch der Vers einen tiefen und edlen Sinn gewann. „Die Sünden verschwinden dermaleinst von der Erde, und es gibt keine Sünder mehr." Auf jeden Fall aber darf dieser Vers nicht so gedeutet werden, wie es in unserer Uebersetzung geschah. Tadelnswert ist es ferner, dass der Uebersetzer im Psalm 130 den ergreifenden und tief innerlichen Vers „Meine Seele sehnt sich nach dir, mehr als die Wächter nach dem Morgen, die Wächter nach dem Morgen" — vielleicht dem Versmass zuliebe — in einer matten Uebersetzung wiedergegeben hat: „. . . meine Seele . . . harrt und hofft vom Morgen bis zum Morgen." Ebensowenig gibt der an sich sehr schöne und klangvolle Vers: Nationen drängen sich zu dir Und huldigen deinem Prunkpanier, die bedeutungsvollen Worte des Originals wieder: „Nationen wandeln in deinem Lichte und Könige im Strahlenschein deines Glanzes." Jes. 60, 3. Die „Gedichte der Bibel" haben im Verlaufe von weniger als zwei Jahren es bereits bis zur dritten Auflage gebracht. Ein für ein jüdisches Buch in Deutschland geradezu unerhörter Erfolg, ^fes tut weh, sich sagen zu müssen, dass man diesen Erfolg darauf zurückführen muss, dass das Buch im christlichen Publikum vielleicht eine ungleich grössere Verbreitung gefunden hat als im jüdischen, wo man, offen gesagt, für Heinz Tovote und Hans von Kahlenberg ein grösseres Interesse hat, als für derlei „veraltete Sachen", wie die biblische Poesie. Man darf getrost voraussagen, dass es mit der dritten Auflage nicht sein Bewenden haben wird. Und da der Uebersetzer gewiss nicht aufhören wird, an seinem Werke zu feilen, so werden sicherlich die erwähnten kleinen Sonnenflecke demnächst daraus verschwinden. Dem Inhalte des prächtigen Buches entspricht die geschmackvolle äussere Ausstattung und der Buchschmuck von Judith Klausner. Mit vollendetem Geschmack und feinem, eindringendem Verständnis hat die Künstlerin die Stimmungen und den poetischen Gehalt der Gedichte in zarte, elegante Linien gebannt. Sie schmiegt sich überall dem Texte an, ohne je vordringlich zu wirken oder die Aufmerksamkeit ungebührlich von der Hauptsache abzulenken. Leider bietet sie uns viel zu wenig von diesem Buchschmuck. Ein Mehr wäre hier auch wirklich mehr gewesen. J^ovember* JNacbdruck verboten. f eucbtfealte J^ordwind' über die f eider scbwtrr'n Und taumeln trunken an die kahlen 6rlen* Die Scheiben der Laternen fröstelnd kUrr'n, Durch die der Lampen bleiche Strahlen perlen* Tom Staldsaum schleichen dichte Nebel her Und ballen sich vor uns wie graue {{Tande ♦. — In weiter ferne rollt ein Klagen — schwer Und langsam—knarrend durch dasNacbtgelände« Berlin* . Dir ist so bang, mein Kind? Reich mir die Rand! 8cbliess deine Hugen auch» die tranenfeuchten! Bald! Binter diesem kalten Nebelland Muss uns das Lenzland unsrer Sehnsucht leuchten. HEBRÄISCHE GESÄNGE.1) Theodor Ztorieti. Nachdruck verboten. Von Henle. Besprochen von Arno Nadel. Herr Oberkantor Henle aus Hamburg hat es Texten dienstbar zu machen, beging aber — um unternommen, alte hebräische Melodien deutschen es von vornherein zu sagen — hierbei den Fehler, i) Henle, Hebräische Gesänge nach jüdischen Melodien. die ganzen Melodien und nicht einzelne Motive Edition Praeger & Meier. Bremen, Leipzig, Paris, New York. ZU verwenden; Die Folge davon ist, dass die