Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Koriander, der Chasan
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 789 - 790 (sequence 4)
- Language
- German
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789 H. York-Steincr: Koiiaadcr der Chasan. 790 Es wurde nur markiert. Niemand hatte rechte Lust, mit voller Stimme zu singen. Karabacsek war ein so „notenfester Böhm", wie die Vestro ihn nannte, dass kein Kapellmeister es wagte, ihn aus seiner Reserve zu locken; dann hatte er den poetischen Schuhmacher gar oft gesungen. Mayersberger markierte aus Bosheit immer leiser und entschuldigte sich damit, dass er am Tage vorher gesungen habe. AJs die Vestro erklärte, dass sie erschöpft sei, zischelte ihr Bierbaum faunisch lächelnd etwas ins Ohr, was ihm einen tüchtigen Klaps auf den breiten Mund eintrug. „Aber meine Herrschaften," rief Schrottbach strenge, „wir probieren die „Meistersinger" und nicht die „Schöne Helena" Dann bitte ich um etwas voce — ja bitte, es gibt keine Flüsterquartette in diesem Werk." Die herrliche Musik mochte diese mahnenden Worte unterstützen, die Sänger wurden immer eifriger, so dass schliesslich Ströme von Wohllaut aus dem Probesaal drangen. Angelockt von diesem Ensemble kamWitzleff zur Türe herein, und zwar gerade in dem Augenblick, als Koryan vor den Meistersingern standund seinLied„Am stillen Herd zur Winterszeit" sang. Die Meister verlachten ihn laut Vorschrift der Partitur, aber auch der Oberregisseur machte ein bedenkliches Gesicht. Nach der Stelle, wo Stolzing seinen Traum erzählt, verliess er wieder den Raum. Schrottbach Hess nichts wiederholen •— er wollte die ganze Oper durchprobieren und einen Gesamteindruck gewinnen. Vor dem Preislied ermunterte er Koryan mit Blick und Miene, recht aus sich herauszutreten. Koryan sang mit voller Stimme, alle Kollegen lauschten mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit; aber keiner war recht befriedigt. Karabacsek dachte nach, er hätte gerne gefunden, woran es fehlte. Mayers.berger war zufrieden: es gab also noch einen, der nicht übersieh hinaus konnte. Die Vestro tröstete: „Na, dös wird IS. SNOWMAN (LONDON). EIN INTERESSANTES GEHEIMNIS. schon geh'n." Schrottbach unterbrach doch die Probe und liess die Herrschaften nach Hause gehen. „Gemeinschaftlicher Frühschoppen beim Heidelberger Hof!14 rief Karabacsek im Weggehen. Die Vestro trat auf Koryan zu und lud ihn ein, nachmittags bei ihr den Stolzing durchzuprobieren — sie hatte den Korrepetitor. „Der g'fallt Dir,* neckte höhnisch Bierbaum. — „Besser wie Du schon, Du grauslicher Ding Du," gab sie es ihm zurück. (Schluss folgt.) „DIE GEDICHTE DER BIBEL."1) Von W. Bender. Nachdruck verboten. Poetische Uebertragungen der bibl. Gedichte besitzen wir viel zu viel — und viel zu wenig. Viel zu wenig namentlich solcher, die den Anforderungen, welche!) Die Gedichte der Bibel. In deutscher Sprache von M. A. Klausner. Mit Buchschmuck von Judith Klausner. Drei Bände. Zweite und drit'e Auflage. Berlin NW. Verlag von S. Calvary & Comp. 1901. man billigerweise an ein solches "Werk stellen darf,, auch nur annähernd entsprächen. Die Schwierigkeiten,, mit denen ein Uebersetzer zu kämpfen hat, wenn er auf diesem Gebiete eine halbwegs vollkommene Leistung fertig bringen -will, scheinen beinahe unüberwindlich,.