Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Koriander, der Chasan
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 787 - 788 (sequence 3)
- Language
- German
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787 H. Yoik-Steiner: Koriander der Cha^an. 788 er war zum Vortrag befohlen, ordnete seinen buschigen Schnurrbart, glättete den Scheitel, verneigte sich kurz und verliess das Zimmer mit den im Kommandoton hingeworfenen Worten: „Also es bleibt dabei: zu Ehren des hohen Geburtstages „Die Meistersinger" mit Herrn Koryan." Der kleine zierliche WitzlefT nahm den Kapellmeister beim Arm. rGut hast Du's ihm gesagt." „Aber es hat nichts geholfen," warf dieser ein. Im Probezimmer hatten sich inzwischen die Künstler versammelt. Karabacsek, der Bariton, mit der Partie des Hans Sachs in der Hand, ein behäbiger Herr mit dunklem Kraushaar, braunem Gesicht, kräftiger Nase und einem Ansatz zum Doppelkinn, führte das grosse Wort. Er sprach das harte Prager Deutsch mit singender Betonung. . . . „Das is doch kain Bier nicht — da trink' ich lieber noch den Wein. Ueberhaupt, es gibt nur ein Bier und das ist — Pilsener. Aber in Prag müssen Sie's trinken, im Deutschen Haus, oder in Wien im Reichenberger Beisl." „Ah was," meldete sich Mayersberger, der „schwarze" Bass, der den Pogner singen sollte, „i trink' a Hofbräu oder an Salvator liaber als dös böhmische Zeig." „Warum nicht gar!" wehrte sich Karabacsek, „das schmeckt ja wie Lakrizen." Die Ankunft Evchens, der Kammersängerin Fräulein Vestro (richtig Wastlhuber) brachte das Gespräch in eine andere Richtung. Die Vestro war die Tochter eines Wiener Hausmeisters, die als Chorsängerin am Operetten- , v*^ j;,] ' &v„ \. l'^i A M^y" ( - ~. >~ _ ' * - \ gfe; '? ~' V ttc-1 g^p^ *;;JLj-l'J CJ'A" r J wmg . , ■ fST - ¥m£ H ■ ■ .-^ '»mSM &■ L^y^u. * ^—'"^^ir^ös^ x -ttr**^r& ■ ": ^jjf^ "-r ^^s^'^t/A- 4Nl Ä' / :r.*r+ m£7*' ••*-' t.<0 IS. SXOWMAX (LOXDOX). theater ihr Brot fand, wo sie durch ihre grosse Stimme bald die Aufmerksamkeit der Fachkreise erregte. Durch fleissiges Studium hatte sie sich dann in die Höhe gearbeitet. Sie brachte immer „Leben in die Bude" und lockte selbst die ernsten Amtspersonen wie Kapellmeister und Oberregisseur in einen heiteren Wortwechsel hinein. „Servas Kinder!" rief sie im Eintreten. „Grüass Enk Good alle mit anander!" Das runde Gesicht mit dem etwas aufgestülpten Näschen war von einem Riesenhut beschattet, unter dessen Rand die braunen Augen keck hervorlugten. Das dunkelbraune Haar lag schwer im Nacken, und nur einzelne Löckchen kletterten vom Hals in die Schläfen empor. Bierbaum, der Buffo, beeilte sich, ihr mit Scherzen und Kosen die Jacke abzunehmen. „Hast Du aber a fesche Gluft." schmeichelte er dem stattlichen Mädchen, das in einer neuen Toilette erschienen war. „Was, die Blusen g'fallt Dir?" — „Na, noch mehr, was drin ist," girrte Bierbaum, der die Rechte der Landsmannschaft zu gewagten Scherzen missbrauchte. Die Vestro lachte, als er sie jedoch um die Taille fassen wollte, schlug sie nach seiner Hand. „Nix da, Hand von der Butten, san Weinbeer drin!" Inzwischen hatte der Oberregisseur nach Herrn Koryan geschickt. „Was wart' ma denn?" murrte Mayersberger, dessen längliches Gesicht mit den eingefallenen Wangen immer zu einem verdriesslichen Ausdruck bereit war. Er war stets giftig und nie mit seiner Partie zufrieden. „Wegen die lumpigen paar Takt' muss i so lang warten?" „Lumpike Takt'?" stichelte der gutmütige Karabacsek. „So eine herrliche Partie wie der Pogner!" „Ahwas,derScaria hat den Hans Sachs gesungen," entgegnete der gekränkteBassist. „Warum san Sö net der Schkaria?" warf Bierbaum, der Buffo, ein und grinste höhnisch mit seinem grossen vorgeschobenen Mund. „Weil i ka Figur hob,'" schrie erregt Mayersberger, der in der Tat fast klein von Gestalt war. „A Figur, wann i hätt'? Da schwiegen sie alle, denn in der Tat, wenn die herrliche, tiefe Bassstimme in gewaltigen Tönen aus dem unansehnlichen Körper quoll, wirkte das fast kamisch,und dies um so mehr, als in seinem Rollenfach grosse starke Männer dargestellt werden sollen. Die Vestro suchte den kleinen Sänger mit der grossen Stimme zu trösten. „Wegen den brauchst nöt verzweifeln — mit so aner Bärenstimm' kommst do no an die Hofoper nach Wien. Es gibt ja kane or'ntlichen Bassisten mehr." In diesem Augenblick kam der Kapellmeister Schrottbach. Die Vestro flog auf ihn zu. „Wer singt denn den Stolzing?" — „Herr Koryan." — „Dös is g'scheit. Der is do wenigstens jung. Mit'n Stielke hättens' uns vorigesJahr beinah angeblasen." Schrottbach sass schon am Flügel und präludierte so heftig, dass niemand die unbedachten Worte der Sängerin verstehen konnte. Da Koryan eintrat, konnte SARDAX APALOS. die Probe beginnen.