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Ost und West · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 743 - 744

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau
Date
1904-11-01
Page
Seite 743 - 744 (sequence 2)
Language
German
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743 Dr. M. Güdemann: Das Jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. 744 Levi Amtsgerichtsrat in Beuthen O.-Schl. geb. 1838, im Seminar 1854—57. Sie auserwählt hat." Direktor Frankel entgegnete mit einer kurzen Ansprache, in der er u. a. sagte: „Was den Geist bewegt und anregt, verbreitet sich hinaus in die Welt der Geister und ist unbegrenzt und unvergänglich wie der Geist selbst. In diesem Sinne möge dieses Haus für immer bestehen, hier im Geiste des Ewigen gelehrt werden, den die Zöglinge nur als wahrhafte Söhne und Stützen des Judentums verbreiten und fernen Geschlechtern übergeben sollen." „Hiermit," — so schliesst der von Frankel selbst verfasste Bericht über die Eröffnung — „war die Feierlichkeit beendet." Es war ein günstiger Stern, unter dem das Seminar ins Leben trat. Das zeigt schon seine Vorgeschichte. Der 1846 zu Breslau verstorbene Kommerzienrat Jonas Fränckel hatte, wie man sagt, durch Abraham Geiger dazu bestimmt, letztwillig die Errichtung eines Seminars zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern aus seinem Nachlasse angeordnet. Die alte Geschichte: was viele nicht zustande bringen konnten oder nicht wollten, ward durch Einen verwirklicht und sichergestellt. Joseph Lehmann, der Gründer and Redakteur des Magazin für die Literatur des Auslandes", den das erste Programm des Seminars rühmt als einen ,,Mann, der wie wenige mit umfassender, vielseitiger Bildung auch eine wahrhaft opferfähige Pietät für das Judentum verbindet," — er war auch zugegen, als wir ersten Rabbiner 1862 aus der Anstalt feierlich entlassen wurden — hatte die notwendigen Vorarbeiten für die Errichtung des Seminars übernommen, er war es ohne Zweifel gewesen, der dem Kuratorium die Berufung Frankels angeraten hatte, die er diesem denn auch im Namen des Kuratoriums überbrachte. Die Regierung war für das neue Institut gewonnen durch las von ihr eingeforderte Gutachten des Konsistorial-OberrabinersBodenheimer in Krefeld, in dem derselbe * Prof. Dr. B. Badt Gymnasialoberlehrer in Breslau geb. 1844, im Seminar 1860-71. Dr. Wilhelm Bader Professor an der Landesrabbinerschule in Budapest geb. 1850, im Seminar 1868 -76. über die Errichtung des Seminars und das dafür entworfene Statut sich voll Anerkennung und Zuversicht geäussert hatte. Es fehlte allerdings auch nicht an Ausstreuung von Besorgnissen. Flugblätter wurden in die Gemeinden verschickt, auf denen die bevorstehende Errichtung des Seminars im Hinblick auf die Zusammensetzung des Lehrer- Kollegiums als eine Gefahr für das Judentum bezeichnet wurde. Auch in den ersten Jahren des Bestandes des Seminars wiederholten sich diese Alarmrufe. Darüber wollen wir heute mit Schweigen hinweggehen. Sie haben dem Seminar nicht geschadet. Tatsache ist, dass dasselbe den jungen Männern, die Rabbiner werden wollten, wie der Leuchtturm den Schiffern erschien. Zum erstenmal war hier ein Institut geschaffen, das den Studierenden, die früher auf sich selbst angewiesen waren, die Wege zeigte, das, ohne die Selbständigkeit und Eigenart des einzelnen anzutasten, in allen einen starken Gemeinsinn weckte, das bei aller Pietät für das Ueberkommene den Bedürfnissen der Gegenwart entgegenkam, das aber vor allem für den Begriff und die Bedeutung einer Wissenschaft des Judentums das Verständnis und Interesse in weiten Kreisen anregte. Für die Erfüllung dieser grossen Aufgaben war das Lehrerkollegium, dessen Zuo «-> 7 sammensetzung den günstigsten Umständen verdankt wurde, wie geschaffen. Wenn ich nun, innerhalb der Grenzen der Pietät, eine Charakteristik dieser Männer, die dem Seminar seine unauslöschliche Signatur verliehen haben, geben soll, so möchte ich sie in folgendem kurz zusammenfassen. Frankel war nicht was man eine schöne männliche Erscheinung zu nennen pflegt. Kopf und Antlitz, erinnerten an die antiken Bildnisse von Sokrates. Aber er imponierte, abgesehen von seiner grossen wissenschaftlichen Bedeutung, durch seine würdige Haltung, die ungesucht war

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