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Ost und West · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 733 - 734

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau
Date
1904-11-01
Page
Seite 733 - 734 (sequence 2)
Language
German
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733 Dr. Ludwig Levy: Das Jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. 734 i Ä \ •LMISCH ' 1 iiPiS^ Dr. Manuel Joel Dozent am Seminar 1854—1864 und 1888—1890 geb. 19. 10. 1S26, gest. 1. 11. 1890. Oberrabbiner Dr. Z. Frankel Direktor des jüdisch-theologischen Seminars 1854—1874 geb. 30. 9. 1801, gest. 13. 2. 1875. .;• S*. . Dr. David Joel Dozent und Seminar-Rabbiner 1880—1882 geb. 12. 1. 1815, gest. 7. 9. 1882. erkannt, der zwischen extremen Gegensätzen schwankenden Zeit eine religiöse Richtung weisen und Männer heranbilden konnte, die diese Richtung vertraten und als Führer der Gemeinden, als Rabbiner, die Grundsätze der Anstalt im Leben verwirklichten. „Gründung eines Seminars!" Das war ein Postulat, dessen Notwendigkeit den Einsichtigen und vom Indifferentes inus Unberührten einleuchtete. Doch wie sollte eine Anstalt organisiert werden, die im Alten wurzelte und zugleich den Forderungen der veränderten Zeitverhältnisse Rechnung trug? Man konnte nur von dem Verfall der alten Lehrhäuser lernen, um durch Vermeidung der Momente, die sie der Auflösung entgegengetrieben hatten, etwas Lebensfähigeres, Zeitgemässeres zu schaffen. Zunächst durfte in dem zu gründenden Seminar die moderne profane Wissenschaft nicht als etwas dem Studium des Rabbiners Heterogenes, ja Schädliches, betrachtet werden, wie es in den alten Schulen geschah. Dann mussten auch innerhalb der jüdischen Wissenschaft selbst die Grenzen weiter gesteckt werden, man brauchte nur auf die spanische und provencalische Epoche zurückzugreifen, um zu erkennen, dass zum Studium der jüdischen Theologie ausser Dr. Benedict Zuckermann Dozent arn Seminar 1861—1891. geb. 13. 10. 1818, gest. 17. 12. 1891 dem Talmud auch die Vertrautheit mit Bibel, Grammatik, Religionsphilosophie und Geschichte gehörte. Und vor allem musste die Art der Talmudforschung eine ganz andere werden, auch in dies spezifisch-jüdische Gebiet sollte das wissenschaftliche Element seinen Einzug halten. Dem allgemeinen Wunsche nach einem Seminar fehlte zur Verwirklichung die unentbehrliche Voraussetzung, die materielle Grundlage. Vielleicht wäre das Seminar noch lange Jahre ein Luftschloss geblieben, wenn nicht der grosszügige Sinn eines Einzelnen der Verlegenheit ein Ende bereitet hätte. Kommerzienrat Jonas Fränckel in Breslau widmete testamentarisch den grössten Teil seines reichen Vermögens wohltätigen Zwecken und bestimmte auch die Gründung eines Seminars „zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern". Der Stifter war ein Enkel des bekannten Berliner Oberlandesrabbiners David Fränckel, zu dessen Schülern auch Moses Mendelssohn gehörte. Den Famiiientraditionen getreu, wandten die Brüder Jonas und David Fränckel ihre Fürsorge vornehmlich dem Ausbau der gemeinnützigen Anstalten der jüdischen Gemeinde zu. Während die meisten Stiftungen dem

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