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Ost und West · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. Seite 727 - 728

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
Revue der Presse
Date
1904-10-01
Page
Seite 727 - 728 (sequence 3)
Language
German
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727 Revue der Presse. 728 kommt, ist er ja unzweifelhaft beseelt, aber zur Abfassung des Artikels hat er sich mit Herrn Rathenau und Herrn Harden verbunden. Diesen beiden intimen Freunden und gründlichen Kennern des Judentums musste er ja als eine gelehrte Autorität ersten Ranges erscheinen. Auf welche Weise der Bund zustande kam, darüber mögen die künftigen Historiker sich den Kopf zerbrechen. Fest steht, dass Herr Rathenau den „Geist", die schnoddrigen Witze, die frivolen Geistreichkeiten und schlüpfrigen Bemerkungen lieferte, während Herr Fromer nur die Autorität beisteuerte. „Nicht wahr, Herr Doktor, das lässt sich alles aus dem Talmud und Midrasch, oder wie die gelehrten Dinger sonst heissen, beweisen?" — „Gewiss, gewiss, ich muss es ja wissen, ich habe ja einmal das Cheder besucht!" Herr Harden kleidete das alles in seinen glitzernden, koketten Stil, in die glatten, geschniegelten Wendungen, die naive Leser über die Dürftigkeit des Inhalts täuschen. So kam in einer verborgenen Ecke der Sturmbock zur Welt, der die Mauern des Judentums umrennen sollte. Die beiden anderen überliessen grossmütig und boshaft dem Herrn Fromer das alleinige Recht auf die Vaterschaft, er aber, ein heldenmütiger Stürmer, wie er nun einmal ist, hüllte sich in einen dichten Nebel ein. Und die Sache wäre nie ans Tageslicht gekommen, wenn er sich nicht selber verraten hätte. Der arme Mensch sah sich plötzlich und unverhofft im Besitz eines von ihm geschriebenen Artikels und konnte sich vor Staunen nicht fassen, dass dies so leicht und mühelos kam, und hatte das Gefühl jenes Bettlers, der plötzlich einen Treffer in der Lotterie macht. Man sprach von dem Artikel, man schrieb Erwiderungen darauf. Allmählich fing er an, zu glauben, dass er in Wahrheit der rechtmässige Verfasser war. Das war zu schön. Sollte denn kein Strahl des Ruhmes auf ihn fallen? Er fing an, im Vertrauen dem einen und dem andern das Geheimnis zu verraten, und so wurde die Sache ruchbar. Aber er quittierte bezeichnenderweise nicht den Dienst bei der jüdischen Gemeinde, sondern wartete, bis er davongejagt wurde. Mit Recht davongejagt. Wer da lehrt, dass mein Haus niedergebrannt und dem Erdboden gleichgemacht werden müsse, und sich feig und tückisch mit auswärtigen Brandstiftern verbindet, der hat kein Recht, in meinem Hause zu wohnen. Fraglich ist nur, ob es nötig war, hierüber in öffentlicher Sitzung zu verhandeln. Ertappt man einen Hausdiener bei einer Veruntreuung, so gibt man ihm den Laufpass und macht nicht viel Aufhebens davon. Die Verhandlungen waren ebenso überflüssig wie die zahlreichen Zeitungsartikel über die „Affäre". Von diesen Zeitungsartikeln verdient einer, nämlich der „Berliner Brief" in der No. 37 der „Welt", wegen eines Nebenumstandes ein längeres Verweilen. Der Verfasser, Dr. Heinrich Sachse, konnte es sich nicht versagen, nachdrücklich zu betonen, dass besagter Fromer ein „russischer Jude" sei. Was soll diese Bemerkung in diesem Zusammenhange anderes, als auf alle russischen Juden einen Schatten werfen? Unter dem Pseudonym Dr. Heinrich Sachse versteckt sich übrigens kein anderer, als Dr. Heinrich Loewe, der Redakteur der „Jüdischen Rundschau", Organs der zionistischen Vereinigung für Deutschland. Dieser Herr unterlässt es nämlich bei keiner Gelegenheit, den ausländischen und speziell russischen Juden seine Antipathie zu bezeugen. Wenigstens Zionisten sollten die Unsitte fahren lassen, zwischen Juden je nach ihrem Heimatlande einen Unterschied zu machen. Man sollte doch endlich begreifen lernen, dass die Betonung der Gegensätze in bezug auf unsere Herkunftländer ein Verbrechen gegen den Einheitsgedanken des jüdischen Volkes ist. Und vollends der zionistischen Presse würde es besser geziemen, die stolzen und hohen nationalen Ideale, die sie auf ihre Fahne geschrieben, davor zu bewahren, dass sie besudelt werden durch eine kindische Gehässigkeit gegen die Juden des Auslandes und einen lächerlichen Dünkel auf die Herkunft aus irgend einem obskuren sächsischen Rübendorf — — durch eine Gehässigkeit und einen Dünkel, die um so boshafter sind und unheilvoller, als sie nicht offen ausgesprochen werden, sondern in versteckten, aber merkbaren Spitzen sich äussern. Sie offenbaren eine innere Feindschaft, die alles Getue in Geschrei um „unsere östlichen Brüder" als verlogene Phrase markieren. Wir wollen den Osten und den Westen zu einer höheren Einheit verbinden und müssen alle diejenigen als Feinde des nationalen Werkes zurückstossen, die diese Arbeit stören — und wären sie selbst Redakteure offizieller zionistischer Blätter. . . . Reproduktionen nach den Gemälden von S. Hirszenberg sind im Verlage des „Kunstverlag Phönix", Berlin NW. 23, erschienen (siehe Inserat). Es ist schwer zu begreifen, dass so viele Mütter ihren Säuglingen unverdünnte Kuhmilch schon im 4.—5. Monat geben, die sie nicht vertragen können, weil die Kuhmilch den doppelten Gehalt an Käsestoff enthält als die Muttermilch. Erst die richtige Verdünnung der Kuhmilch und der Zusatz von Kufekes Kindermehl, welches die grobflockige Gerinnung der Kuhmilch im Magen des Kindes vermindert, macht die Kuhmilch zu einem geeigneten Nährmittel für Säuglinge. Das Kufeke-Kindermehl wirkt auch sehr günstig bei solchen Kindern, welche durch unzweckmässige Ernährung mit unverdünnter Milch Magen- und Darmstörungen erlitten haben. Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50 (Luxusaussrabe Mark 7,—), für das Ausland Mark 4,— Luxusausgabe Mark 8,—). für Russland ganzjährlich 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ____._^ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter aes Deutschen___, _ , . " ■"- Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. ' Anzeigen 75 Pfennig die viergespaltene Petitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote sunt halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: Verlag „Ost und West", G. m. b. H., Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr, 36. — Verlag Ost und West, G. m. b. H., Berlin NW. 23. Druck von Pass & Gar leb, Berlin W. 35.

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