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Ost und West · 1904-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1904) · p. Seite 523 - 524

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1904)
Article
Herzl ....... und weiter!
Date
1904-08-01
Page
Seite 523 - 524 (sequence 1)
Language
German
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HERZL UND WEITER! Von Dr. M. Gast er (London). Le roi est mort! so schallt es von allen Gauen Judahs, so hallt das traurige Echo von allen Höhen und Gipfeln. In jedes jüdische Heim ist Trauer eingezogen. Der Zusammenbruch des alten nationalen Lebens, die Zerstörung des alten heiligen Tempels wird wieder einmal, aber viel intensiver durchgelebt; es webt sich in die Wehmut auch der Zug von einem persönlich miter lebten Verluste. Herzl ist weggerufen wo rden, in der Blüte der Jahre, im Keimen des grossen Gedankens, welcher kaum erst aus der tiefen Erde zu neuerwachtem Leben ans Licht gezogen worden war. Schon scheint ein kalter schneidender Wind den aufspriessenden Keim zerstören zu wollen. Die Liebe und der Feuereifer, welcher die Eiskruste weggeschmolzen hat, die sich um das jüdische Herz gelagert hatte, sind mit einem Schlage erloschen. Die Starrheit des Todes hat den rastlos tätigen Mann in ihre Bande geschlagen und auch alle Tätigkeit im Lager der Zionisten zum Stillstande gebracht. Meine Aufgabe hier ist nicht, eine neues Panegyrikum auf Herzl zu schreiben. An anderer und angemessener Stelle habe ich den Zoll meines Tributes gebracht und auf das Ewige hingewiesen, das hinter seinen Taten sich birgt, und auf den Ewigen, der in unverrückter Gnade seinem Volke von Zeit zu Zeit Männer erstehen lässt, welche den Glauben an Gottes Liebe für sein Volk wieder in uns erwecken und das Bewusstsein seiner ständigen Hilfe in uns wieder wachrufen. Gott verlässt sein Volk nimmermehr! Zion bleibt nicht für immer verwaist! In welch wunderbarer Weise gelang es doch Herzl, die schon fast verklingende Melodie, die noch leise in den Herzen der Juden nachzitterte, aufzugreifen und zu einer mächtigen Symphonie umzugestalten, die mit gewaltigem Brausen über Länder und Völker wie eine Hochflut sich hinwälzte und überallhin die frohe Botschaft den aufjauchzenden Herzen brachte, den Gefesselten die Freude der Freiheit, den Betrübten und Entmutigten den himmlischen Gruss, welcher Trost in das bekümmerte Herz flösst und den Geist zu neuem Fluge anspornt. Und das Singen und Klingen im Lager Judahs wuchs zusehends; wo man bisher nur traurige Gestalten gesehen, da leuchteten die Gesichter auf; wo Verzweiflung ihre Spuren in das gramdurchfurchte Antlitz geprägt hatte, da glätteten sich die Falten: frühreifes Alter wich dem Klange der Nachdruck verboten. Dr. M. Gaster (London). (Hervorragender Vertreter des Zionismus in England.) bezaubernden Melodie, und es verjüngte sich das Geschlecht. Wo gesungen wird, da ist froher Mut, da ist Heiterkeit und Sorglosigkeit. Auch wenn einer sich auf kurze Zeit in die Sorglosigkeit hineinträumen lässt, so hat man ihm, dem Unglücklichen, doch eine Stunde der Seligkeit bereitet. Le roi est mort! Der kunstsinnige und begeisterte Sänger hat die Harfe aus der Hand fallen lassen, der er wundersame Töne entlockte, alte halbvergessene Melodien hervorzauberte, die das Gemüt so wonniglich ergriffen. Es geschah auf höhere Fügung! Der Verlust ist nichtsdestoweniger unermesslich, denn in diesem Falle kann man nicht hinzufügen: Vive le roi! Einzig in seiner Grösse und Schwäche stand Herzl da. Vor mir Licht, hinter mir Dunkel, durfte auch von ihm gesagt werden, wie von der Heldin im alten Märchen. — Vor mir steht ein Bild. Herzl, über die Ballustrade gelehnt, blickt auf den Rhein zu seinen Füssen, aber sein Blick schweift in die weite Ferne, nach dem jenseitigen unsichtbaren Ufer. Er träumt wohl von dem

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