Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1904)
- Article
- Der Bildhauer Naum Aronson
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 457 - 458 (sequence 5)
- Language
- German
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457 Julius Levin: Der Bildhauer Naum Aronson. 458 stimmt ist, sehen wir in den Flächen bestimmt ausgedrückt. Die entschiedene, charakteristische, herbe Form ist nicht besser wiederzugeben, als durch die Betonung der Ecken, an denen die Teile gewissermassen aufeinanderstossen. Anderswo wiederum ist es der weiche Zusammenüuss der Linien, der dem Gegenstande zum wahren Leben verhilft. Für Härte und Zartheit steht Aronson eine gleich sichere, in sich abgestufte Ausdrucksweise zur Verfügung. Ein Blick auf die Illustrationen, die diesen Aufsatz begleiten, wird lehren, wie die Schönheit der Dinge, vor allem, Aronson begeistert, wie er in ihnen das sieht, was sie von den anderen im besten Sinne unterscheidet, nämlich ihr innerliches Leben. Dieses innerliche Leben belauscht der Künstler nicht in den unwichtigen enteilenden Momenten, sondern in dem dauernd Charakteristischen, in dem, das man auch in den flüchtigen Momenten finden würde, wenn es möglich wäre, sie so zu bannen wie etwa der Einern atograph. Die durchfurchte Alte bleibt, was sie ist, aber sie wird darum nicht weniger zum Symbol des durch Sorgen zur Erkenntnis vorgedrungenen Alters selbst. Und, wie der Sockel sich hart absetzt gegen die Luft, so scheint sich das Leben der Alten abzusetzen gegen das Leben draussen, dem sie so wenig Platz entziehen will wie möglich. In diesem Sinne^ dem auslegenden, mufs man alle Arbeiten Aronsons betrachten, seien sie rein dekorativer Natur oder keinem bestimmten Zwecke untergeordnet. Man wird den symbolistischen Untergrund bei ihm stets finden, wie überhaupt bei jedem wahren Künstler, und um so leichter, je weniger er selbst von vornherein diesenUntergrund bemerkbar zu machen sucht. Selbst in den porträtistischen Arbeiten Aronsons gewahrt man stets den verallgemeinernden, wahrhaft plastischen Zug, der, ohne der Wahrheit zu schaden, in das Bildwerk das hineinbringt, was wir monumentalnennen. Die dargestellte Person, mag sie ein junges, modern gekleidetes MASKE ,(Gyps). Mädchen sein, mag NAUM ARONSON. GENERAL DEWET (Gyps). sie die Züge Tolstois tragen, wird eine Vertreterin ihrer Gattung. Und gerade dies zeigt am deutlichsten, dass die Künstlerschaft Aronsons aufs höchste strebt. Er ist heute zweiunddreissigjährig, kaum Mann geworden und hat noch zwanzig Jahre vor sich, ehe er in das wahre Alter der Vollkraft eingetreten sein wird. Die reiche Ernte, die er bereits auf dem Felde der künstlerischen Ehre gehalten hat, lässt für ihm noch ganz Ausserordentliches erwarten. Ich sehe in ihm einen der Künstler, die in Zukunft allgemeine Bedeutung haben werden. Denn, wie nur in wenigen unserer Zeit, zeigt sich in ihm eine erfrischende Einfachheit und Klarheit der plastischen Auffassung, und seine Hand ist biegsam und kräftig genug, um jeder Intension folgen und sie bis zum Aeussersten durchsetzen zu können. Dass Aronson soviel innere Kultur entwickelt, ist bewundernswert und beweist aufs neue die Kraft des jüdischen Stammes, der zwar verdorrt erscheint, aber sofort Blüten und Frucht treibt, sobald man ihm ein wenig Sonne und Wasser zukommen lässt. NAUM ARONSON.