Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1904)
- Article
- Der Bildhauer Naum Aronson
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 451 - 452 (sequence 2)
- Language
- German
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451 Julius Levin: Der Bildhauer Naum Aronson. 452 NAUM ARONSON. Studie zu Hochrelief in rosa Marmor (ausgeführt). liehe Haus, um nach Paris zu gehen und dort endgültig Bildhauer zu werden. Der eben Zwanzigjährige, der als Grundlage für seine Existenz eine sehr geringe Summe besass, langte unter unsäglichen Beschwerden ani Ziele seiner Reise an. Und hier warteten des Kunstjüngers Entbehrungen, die auszuhalten eine nur ganz seltene Willenskraft ausreicht. In einer Dachkammer wohnte und arbeitete Aronson. Weder Hunger noch Kälte, noch Hitze hielten ihn von der Verfolgung seines Zieles ab. Bei aller Begeisterung aber vergass Aronson nicht, sich darüber Rechenschaft abzugeben, ob er seinem Berufe gewachsen war oder nicht. Was sollte werden, wenn er sich täuschte? Der Künstler wurde einen Augenblick Marmorarbeiter, um sich zu versichern, dass er sein Brot verdienen könnte, wenn er, nach bester Einsicht, den Bildhauerberuf würde aufgeben müssen. Als er sich überzeugt hatte, dass er eigentlich besser arbeitete als seine Genossen, und er in jeder, auch die höchsten Ansprüche stellenden Werkstatt Aufnahme finden würde, verliess er die einträgliche Arbeit und kehrte zu seiner Kunst zurück, zufrieden mit dem Wenigen, von dem zu leben er aufs neue genötigt war. Wieder war es die Not, die sich bei ihm einnistete. Aber schon begann man auf den jungen Künstler aufmerksam zu werden, und bald bekam er seinen ersten Auftrag: Zweitausend Francs, ein Vermögen1. Man wird schon aus diesen Einzelheiten sofort entnehmen, dass Aronson eigentlich keines Meisters Schüler sein kann. Es sei aber auf das entschiedenste hervorgehoben, dass er niemals in eine wirkliche Lehre gegangen ist. Die Angaben, denen zufolge er Zögling der Kunstschule von Petersburg gewesen ist, und die sich in einem enthusiastischen Aufsatze der antisemitischen „Novoje Vremia" finden, sind völlig falsch und nur dem Bedürfnisse entsprungen, Russland und seinem amtlichen Unterrichte ein wenig von dem Verdienste zukommen zu lassen, das Aronson sich allein und, vielleicht, jenem Unterrichte zum Trotze erworben hat. Aronson ist für längere Zeit nach Russland nur 1894 zurückgegangen, und ausschliesslich, um sich zum Militär zu stellen. 1896 kehrte er wieder nach Paris zurück und beschickte, von diesem Jahre ab, regelmässig den „Salon". Die russische Kunstabteilung der Weltausstellung von 1900 enthielt eine grössere Anzahl seiner Arbeiten, und sowohl im Museum Alexanders III., wie in demjenigen der Petersburger Akademie ist Aronson würdig vertreten. In Deutschland sind seine Arbeiten sehr verbreitet; NAUM ARONSON. MASKE (Gyps).