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Ost und West · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 441 - 442

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Unsere Lage
Date
1904-07-01
Page
Seite 441 - 442 (sequence 5)
Language
German
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441 Dr. S. Bernfeld: Unsere Lage. 442 Sjfcr*. »>^** H-^v,' NAUM ARONSON. DER DURST. Anfang einer neuen, Grosses verheissenden Epoche stehen. Aus den schweren Prüfungen, die wir nach verschiedenen Richtungen durchzumachen haben, wird die Judenheit am Ende doch ungeschwächt hervorgehen. Und auch das Judentum, das man vor dreissig Jahren beinahe totgesagt hat, erlebt seine Verjüngung. Zu keiner Zeit seit vielen, vielen Jahrhunderten hat man so stark das Bedürfnis nach dem Zusammenschliessen aller Kräfte in der Judenheit empfunden wie jetzt. Gegen die schweren Angriffen von allen Seiten, die sich teils in literarischer Form, teils in brutaler Handgreiflichkeit gegen uns richten, können wir nur in den seltensten Fällen Abwehr leisten; aber wohl müssen wir uns innerlich stark und widerstandsfähig machen. Und welche umfangreiche Tätigkeit liegt uns da ob! Auch uns ergeht es, wie einst unseren Vorfahren am Bau der Mauer von Jerusalem. Mit der einen Hand die Waffen haltend, und mit der anderen am Werk tätig und das Werk fördernd. Der Schwerpunkt unserer Abwehrtätigkeit liegt doch nach innen. DIE MOSAISCHE GESETZGEBUNG IM LICHTE DES CODEX HAMMURABL> Von Dr. M. Schorr. (Nachdruck verboten.) „Beobachtet und betätiget sie (die Gesetze), denn sie bilden eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker, welche hören werden von diesen Gesetzen und ausrufen: Fürwahr! ein weises und verständiges Volk ist diese grosse Nation! . . . . Und wo gibt es denn eine grosse Nation, die solch gerechte Gesetze und Vorschriften hätte, wie diese gesamte Lehre, welche ich euch heute vorlege!" (Deuter. IV, 6, 8). Es liegt ein ungewöhnlicher Zauber in diesen Worten, in dieser schwungvollen Aeusserung *) Dav. Heinr. Müller: Die Gesetze Hammurabis und ihr Verhältnis zur mosaischen Gesetzgebung sowie zu den XII Tafeln —Text in Umschrift, deutsche und hebräische Uebersetzung, Erläuterung und vergleichende Analyse. — Wien, Alfred Holder, 1903. 285 S. 8°. eines Selbstbewusstseins und eines schöpferischen Kraftgefühls, wie es nur grosse, geniale Menschen ob ihrer Leistungen empfinden oder gar zum Ausdruck bringen dürfen. Doch Moses, dieser grösste, aber bescheidenste zugleich unter allen Menschen der Erde war weit davon entfernt, im Epilog seines Gesetzes sich selbst ein Ruhmesblatt zu schreiben. Nicht ihn, den Gesetzgeber, sondern das Volk werden künftige Geschlechter preisen, das solch gerechte Gesetze und Vorschriften besitzt — vorausgesetzt, dass es sie „beobachten und betätigen" wird. Denn darauf kommt es an. Nicht das Gesetzbuch, sondern das Gesetzesleben ist entscheidend für die Wertung der Kulturhöhe eines Volkes. Unwillkürlich drängt sich der Vergleich mit

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