Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Das jüdische Philanthropin zu Frankfurt a. M.
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 427 - 428 (sequence 1)
- Language
- German
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427 42a DAS JÜDISCHE PHILANTHROPIN ZU FRANKFURT A. M. Von Johannes Giskala. Der Name hat in den hundert Jahren des Bestehens der Schule gewechselt: Jüdisches Philanthropin; Philanthropin (als 1811 das erste christliche Kind angemeldet wurde!!); Bürger- und Realschule für die israelitische Gemeinde; Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde; Israelitische Realschule; Realschule der israelitischen Gemeinde. — Die Tatsache aber ist geblieben: es ist die hohe Schule der Assimilation! In all den Wandlungen der Schule, in denen sich die wechselreiche Geschichte der Frankfurter Gemeinde widerspiegelt, hat sich das „Leitmotiv" Bil- und „konfessioneller" Ausgleich. Wie eine ungebrochene Säule aus längst vergangenen Tagen ragt das Philanthropin in unsere Zeit hinein. Basedow hatte das allgemeine Prinzip geschaffen — den praktisch - pädagogischen Niederschlag der Aufklärung, dieser Weltanschauung mit der heulenden Menschheitsphrase im Munde und den Scheuklappen im Gewappen. Aber die ungestüme Kraft der deutschen Nation brach sich bald durch die Nebel einen Weg und verscheuchte auch in der Lehrkunst bald die letzten Ueberreste. Die Juden haben die Zeit durchgesetzt: dung Dr. S. STERN 1855—1867 Dr. S. ADLER seit 1900 -Hf SIEGM. GEISENHEIMER 1775—1828 Begründer des Philanthropins der Aufklärung noch immer nicht ganz überwunden. Trotz ihres hintosenden Entwicklungssturmes im 19. Jahrhundert haben sie — in ihrer charakteristischen konservativ-traditionellen Art! — immer noch ein Stückchen Aufklärungsära mit sich geführt. 1804 waren die Deutschen schon zur Erkenntnis der höheren Form des Menschentums durchgedrungen — zum Nationalgedanken. In Frankfurt gründeten brave Menschen — Juden! — Aufklärungsschulen. Auch für die Armen. Denn die Reichen wurden des taufbeckensicheren Glückes durch Privatunterricht, Mendelsohnsche Bibelübersetzung und französische Gouverneure und Gouvernanten teilhaftigv" Und so erschien im Mai 1804 der Prospektus zu einem Philanthropin für arme Kinder jüdischer Nation. Damals hiess es natürlich noch „jüdische Nation". Die „mosaische Konfession" ist erst später entdeckt worden. .... Den äusseren Anlass zur Begründung des Philanthropins gab der Wunsch: einen galizianischen Knaben vor sittlichem Verkommen zu retten. Er verkam im Schmutze aber erst — nachdem er die Bildung und die Aufklärung reichlich genossen hatte! Dr. M. HESS 1806—1855 Dr. H. BAERWALD 1868—1899