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Ost und West · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. Seite 375 - 376

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Max Fabian
Date
1904-06-01
Page
Seite 375 - 376 (sequence 1)
Language
German
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375 Georg Herman: Max Fabian. 376 aus der Schweiz oder dem Schwarzwald, wo die alte Renaissance noch heute in den Menschen lebt — sie stehen eigentlich zwischen zwei Lagern. Sie haben zum Judentum nur wenig oder gar keine Beziehung, fühlen aber instinktiv, dass da noch Wurzeln von ihnen hinleiten, und sie stehen ebensowenig ganz im Lager der germanischen Kultur. Und solange sie sich darin getreu bleiben, nicht auf Gebiete gehen, die ihnen fern liegen, solange sie nicht literarisch oder artistisch werden, schaffen sie eine eigene, reizvolle und innige Kunst, nicht gerade überwältigend, nicht epochal, urneu, aber ehrlich, bodenständig; ja verblüffend durch ihre Ehrlichkeit und Bodenständigkeit. Man liebt sie, es sind stille Gedichte, einfache Lebenspoesien. Was noch der Vorzug dieser Art Künstler ist, das ist die grosse Unbekümmertheit um alles ringsum. Goethe und Rubens haben sehr schön geschrieben oder gemalt — schön, sehr schön —, aber ich werde in meiner Art schreiben oder malen, denn in ihrer könnte ich das nicht sagen, was ich will, ich muss mir meine Worte suchen. Da gibt es heute Leute, die malen symbolistische, naturalistische, impressionistische Bilder und schreiben solche Verse, solche Novellen und Dramen; ich bewundere das; ich finde es sehr gut sogar — aber was soll ich, ich persönlich damit anfangen, in mir ist doch keine Faser, die sich dazu bekennt, ich will etwas anderes, und all eure Versuche können mir nichts nutzen. Was ihr macht, ist gewiss viel besser wie das was ich mache, aber meines würde noch geringer sein, wenn ich mich um euch kümmern wollte. Wenn diese Erkenntnis bei uns allgemein herrschte, so würden bessere Bilder gemalt und bessere Bücher geschrieben werden. Hiermit, glaube ich, ist eigentlich schon das Beste umzogen, was ich über Fabian zu sagen habe, denn der Grund seines Wesens ist unlöslich; ich kann ihn nicht erklären, nicht in Worte einkleiden, kann nur Andeutungen geben, denn auf dem Grunde einer jeden Persönlichkeit liegen Dinge, die nicht einzufangen sind. Fabian hat sich nie in den landläufigen Motiven bewegt; von Anfang an ist er seinen eigenen Weg gegangen. Er ist einer der wenigen, der in seinen Bildern fast immer wieder Berliner Eindrücken nachgeht, von ihnen gefesselt und gehalten wird, der die Poesie grauer Berliner Tage versteht und vor allem die Berliner Abende über der dunstigen Stadt und den träge ziehenden Wassermassen der Spree. Er wird nie sogenannter Gesellschaftsmaler werden, auch niemals mit sozialer Erbitterung das Vorstadtelend schildern, soziale Karikaturen schaffen. Sein Geist und sein Wesen neigt überhaupt nicht zur Karikatur, sondern eher zu einer stillenVerehrungdeskleinenLebens. Auf keinem seiner Gemälde ist eine Tat dargestellt; überall ist das Streben, eine Stimmung, einen Zustand zu schildern. Das musikalische Motiv greift ein, auf dem Bild des Jungens auf dem Spreekahn tönen die angezogenen seltsamen Töne der Ziehharmonika durch den wehmütig schönen Abend; in der Lithographie hier sind es die Töne des Tafelklaviers „und bade mich daheim in Bach und Händel" — und auf einem grossen unfertigen Frühlingsbild sind es die zwitschernden Töne der Laute. Aber dabei sind es keineswegs musikalische Ideen, die ausgedrückt werden sollen; das musikalische Element nimmt nur eine Unterstimme für sich in Anspruch, ist nur ein Mitklang im Konzert des Ganzen. Fabian hat die Berliner Akademie besucht und gehört ihr noch heute als Meisterschüler Kampfs an. Auf der Berliner Akademie zu sich selbst zu kommen, ist sehr schwer. Und auf der Berliner Akademie malen lernen, mit der Farbe umgehen lernen, überhaupt erst einmal den „Begriff" der Farbe kennen lernen, ist noch schwieriger, denn die Ueberlieferung ist hier Nichtmalenkönnen, die Ueberlieferung ist hier Empfindungslosigkeit gegenüber dem farbigen Bild der Welt. Und unter diesen Bedingungen fragwürdiger Natur ist Fabian so ganz still seinen Weg gegangen, andere verlieren sich oder werfen den Krempel hin; aber er hat so ganz still an sich weiter gearbeitet. Andere sind mal mutvoll und mal entmutigt, fangen heute ein Bild an, stürzen sich in eine neue Technik und geben sie morgen auf, lassen die halbfertige Leinwand mit dem Gesicht zur Ecke des Arbeitsraumes Jahr und Tag stehen, Fabian bringt jede Sache zu Ende, die er unternimmt; denn er weiss genau, wenn sie auch nicht % tt** y&'i; j^' *' «**<^-' /* -"«SI--.:- •* •* / s* A- "^^H^ ' , ' V " v ~ &4 . * / 5 . ' ~-#K < MAX FABIAN. DER VERLORENE SOHN (1898).

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