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Ost und West · 1904-05-01 · Heft 5 (Mai 1904) · p. Seite 355 - 356

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 5 (Mai 1904)
Article
Rivista israelitica [Rezension]
Date
1904-05-01
Page
Seite 355 - 356 (sequence 1)
Language
German
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355 356 Herr S. Lublinski legt auf die Feststellung Gewicht, dass sein in No. 3 erschienener Aufsatz „Der Andere" nur der Schlussabschnitt eines grösseren Essais ist. * * # Auch in der italienischen Judenheit fängt es ganz allmählich zu tagen an. Nirgends hat der neue Lufthauch — die Aera der Emanzipation — alle Blüten mehr versengt. Kaum ist noch ein halbes Jahrhundert dahingeeilt, und schon ist die Judenheit Italiens, die wie die kaum eines anderen Landes eine Geschichte voll Grösse, voll Stolz in Schaffen und Leiden hat, fast bis zur Unkenntlichkeit in dem rollenden Strom der Allgemeinheit untergetaucht. Und es ist kein Zweifel, es hätte nicht lange gedauert, und Italiens Judenheit wäre nur noch eine schmerzliche — Erinnerung gewesen. Dass es anders kam, dass auch in dem schönen Lande des Südens das Wunder sich vollzog und die toten Gebeine zu neuem Leben erstanden, das hat der Siegesruf des national-jüdischen Gedankens erreicht, das Zionsideal in der scharfen Prägung, die ihm Herzl gegeben. Die so ganz abseits standen, sind nun auch in den Kreis der Organisation gefügt, und in die einst abgeschnürten Glieder ergiesst nun das stark pochende Herz unseres Volkstums junges Blut und junges Leben. Langsam beginnt es sich auch hier zu regen: Die .jüdische Journalistik in Italien, die noch 1895 nach einer Zusammenstellung von Heinrich Loewe*) nur über ein Blatt verfügte, hat in diesem Jahre eine Bereicherung um zwei neue Zeitschriften erfahren. Seit dem 1. Februar 190+ erscheint in Florenz, am Sitze des Rabbinerseminars, die „Rivista israelitica", ein Zweimonatblatt für Wissenschaft und Leben des Judentums, herausgegeben von Cassuto. Es ist wohl das wissenschaftliche Organ des Rabbinerseminars, das jetzt von Rom ganz nach Florenz verlegt ist. Das erste Heft bringt eine Reihe gelehrter Aufsätze. S. H. Margulies (der bekannte Florentiner Oberrabbiner und Direktor des Seminars, der ja auch die Zusammenkunft des Königs von Italien mit Dr. Herzl vermittelt hat) schreibt über Aschgara in der talmudischen Literatur. S. Colombo aus Livorno liefert eine bibelkritische Arbeit über das Buch „Echa". H. P. Chajes, der Dozent am Rabbinerseminar, steuert exegetische Bemerkungen bei. Miscellen und Besprechungen gibt Cassuto. Den Schluss bildet eine Zeitschriftenschau, in der besonders die kulturellen Bestrebungen in der modernen Judenheit notiert werden und Referate wissenschaftlicher Arbeiten. Wenn man sich prinzipiell mit der betrüblichen Tatsache abgefunden, dass die Wissenschaft des Judentums nicht in hebräischer Sprache behandelt und ausgebaut wird, und dass bei der *) „Zion« I. Jahrg. 1895, S. 93. , APHORISMEN. geringen Pflege und den wenigen Pflegern, der sie sich rühmen darf, ihr Sprachgewand so buntscheckig ist, dann wird man es freudig begrüssen, dass nun auch für die jüdische Wissenschaft in Italien die Heimstätte eines eigenen Organes gesichert wurde. Will auch die „Rivista israelitica" ein Seitenstück für die „Monatsschrift" in Deutschland, die „Revue des Etudes juives" in Frankreich, die „Jewish Quarterly Review" in England sein, so verdient sie besondere Anerkennung, dass sie auch dem sozialen Leben der Juden in der Gegenwart und ihrer Schicksale Aufmerksamkeit zuwenden will. Dadurch wird die „Rivista" der Gefahr entgehen, der z. B. die „Monatsschrift" erlag, ein Becken kalter, leichenstarrer „Wissenschaftlichkeit" zu sein, und sie wird dem Lebensideale Leopold Zunzens näher kommen, der die Wissenschaft des Judentums immer nur in direktem Kontakt und in Wechselwirkung mit dem nationalen Leben der Juden begriffen hat. Aus dunklen Schächten will die Rivista neue Lager anschlagen und reiches Nationalgut zum Lichte fördern. Aber den grossen Schatz sicherer wissenschaftlicher Erkenntnis in die bislang noch in düsterem Indifferentismus hinlebenden jüdischen Massen zu tragen, das schlummernde Volksgewissen an Ahnenstolz und Ahnenwert aufzurütteln und zu nationalem Selbstbewusstsein emporzuadeln, das will die „Monatsschrift für hebräisches Denken und Leben: Lux". Sie erscheint seit März 1904 in Livorno, und die Rabbiner Dr. Arrigo Lattes und Prof. Alfredo To äff sind ihre Redakteure, die ihr Programm mit jugendlicher Begeisterung vortragen. Das erste Heft, das. uns in geschmackvoller Ausstattung vorliegt, ist noch nicht recht ausgeglichen und pendelt noch „seiner selbst nicht bewusst", zwischen Tagesschriftstellerei und strenger Wissenschaltlichkeit hin und her. Indessen sie werden den „Anschluss an die Führung" finden und Ausführung und Programm zur kongruenten Deckung bringen. Vor allem werden sie das jetzt reichliche Quantum „Theologie" einengen. Wir Juden waren viel zu gottgetreu, um für die Theologie Raum in uns zu haben. Die Theologie ist (im Grunde) auch nur eine der Formen, in denen sich vorzugsweise die Arier mit unserer Gottanschauung abgefunden haben. Und die Religionsphilosophie jüdischer Denker, die ja weder Philosophie noch Religion ist, ist nur eine Art der Assimilation: (— natürlich wie alle Assimilation eine Anpassung zur besseren Arterhaltung), eine Assimilation aus apologetischen Gründen. Vielleicht zwingt auch unsere Mitkämpfer in Italien der Kampf gegen die „wissenschaftlichen" Lockungen der Jesuiten auf der einen und den bornierten Radikalismus der Sozialisten auf der anderen Seite der Theologie einen breiten Spielraum zu geben. Aber sie sollten dabei nie vergessen, dass niemals Philo-

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