Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Käthe Münzer
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 307 - 308 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Lothar Bricger-Wasservogel: Käthe Münzer. 30s KÄTHE MÜNZ ER. AUS VOLENDAM. KÄTHE MÜNZER. MÄDCHEN AUS VOLENDAM. (Nach einem Aquarell.) (Nach einem Aquarell.) Vergleich sein —, wenn der Zeichenstift plötzlich in geheimnisvoller Beseelung auf dem Papiere Körper gibt, die eigentlich nur um der Wirkung gewisser Linien willen geschaffen scheinen. Auch Karikaturen kann man sie nicht nennen, denn sie sind keineswegs der Ausdruck einer literarischen oder sagen wir rein menschlichen Idee, sondern mehr Geburten der Künstlerneugier. Bei all diesem stehen sie künstlerisch ganz gewaltig über dem, was in Deutschland, dem Zukunftslande der Illustration, an besseren Zeichnungen entsteht. Am nächsten verwandt sind sie den selt: samen Grotesken Julius Klingers, denen sie aber künstlerisch inhaltlich überlegen sind. Alles bisher Gesagte dürfte klar gemacht haben, dass der kühle Verstand das charakteristische Kennzeichen dieser jungen Kunst ist. Und dieser Verstand hat denn auch die Zeichnung der Künstlerin eine sehr eigenartige Wandlung durchmachen lassen, die von der Feder zur Farbe führt, der Farbe zunächst nur geringen Wert, Belebungswert, zugestand, sie aber zum Schlüsse derart zur Herrschaft brächte, dass die Zeichnung an sich ihre ursprüngliche Rolle an sie abgab. Um das zu verstehen, vergleiche man eine der früheren Zeichnungen — es sind KÄTHE MUNZER. hier deren vier wiedergegeben — mit einer Skizze der letzten Periode. Alle Misslichkeit des Vergleiches zwischen einer druckfertigen Zeichnung und einer ursprünglich nicht zur Publikation bestimmten Skizze sei zugegeben. Trotzdem dürfte der Vergleich eins ergeben: Die junge Malerin sieht in der Natur nicht mehr Linien, sondern farbige Flächen. Und ohne dass sie es weiss, schlägt diese Art des Sehens in ihren Zeichnungen nieder und verleiht den Werken der letzten zwei Jahre eine Ueberlegenheit über alles Frühere. Ein anerkennenswerter Fortschritt im rein Künstlerischen hat in diesen zwei Jahren stattgefunden. Noch ist alles scheinbar ebenso leicht, ebenso einfach hingeworfen wie früher. Aber bei näherer Betrachtung erkennt man sofort das schwere Bemühen, alles, was nach Schmuck und Schnörkel aussehen könnte, tunlichst auszuscheiden. Mit wenigen Worten: Käthe Münzer ist von dem Bestreben ausgegangen, die Linie in möglichst abstrakter Reinheit zu geben. Sie hatte für die Linie die Liebe jedes echten Künstlers. So sind denn viele ihrer Zeichnungen nur entstanden, um einen linearen Gedanken, der dem Gedächtnis zu entschwinden drohte, der späteren HUMORIST. ZEICHNUNG. Verwendung zu be-