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Ost und West · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. Seite 253 - 254

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
M. Coschell
Date
1904-04-01
Page
Seite 253 - 254 (sequence 4)
Language
German
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253 Georg Hermann: M. Coschell. 254 regsam ist trotzdem so eine Kontur nachgefühlt! Das entschädigt. Die Bildnisse des Mannes und des Knaben sind schöne Beweise seiner Kunst, einen Charakter zu erfassen und niederzuschreiben. Vor allem das Bildnis des Knaben habe ich gern in seiner Einfachheit; es erinnert mich an ein kleines Rembrandtsches Selbstporträt, das den Maler von vorn zeigt, eine Locke über die Schulter gezogen. Die Einfachheit, die paar Töne, die grosse schwarze ruhige Fläche, der Rätselblick in den Augen des Knaben, das sind hübsche Dinge, die den, der für Werte in einer Schöpfung Organ besitzt, angenehm ansprechen. Die Kunst Coschells hat Klippen, das soll nicht geleugnet werden, er ist manchmal allzu geschickt. Es fällt ihm zu leicht, er hat auch hier und da eine gewisse Billigkeit des Geschmacks, so ein Stück Tapezierergeschmack; ich sah in seinem Studio einiges — wann es ent- M. COSCHELL. Dr. A. G. stand, weiss ich nicht —, das wir als „böse" zu bezeichnen pflegen, Aeusserungen eines mauvais goüt, das machte mich stutzig. Aber bei dem Guten, das vorliegt, dem Vielversprechenden, halte ich es für unrecht, sollte ich dem Wert beilegen. Seine beiden Gebiete, die er bisher sich eroberte, sind gefährliche Länder; als Porträtist der modernen Gesellschaft kann er leicht einem Chikismus, einer Verflachung verfallen, und im andern droht ihm das Literarische, das Anekdotische, das Sentimentale. Wenn Coschell für beides sich klaren Blick halten will, so mag er stets wieder ganz in den Jungbrunnen der Natur untertauchen und von draussen, von dem Grün der Wiesen, von der hellen Luft, die vor den Beigen zittert, wird er immer wieder mit klaren Augen und neuen Blicken an seine Aufgaben kommen. Mönchlein, Mönchlein, du gehst einen schweren Gang. M. COSCHELL. PORTRÄT.

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