Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Elias Jacowlewitsch Günzburg
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 167 - 168 (sequence 4)
- Language
- German
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167 Lothar Brieger-Wasservogel: Elias Jaco wie witsch Günzburg. 168 bei einem freilich viel grösseren Künstler, bei Max Liebermann, das gleiche. Das sind die Gefahren der Grenzen: sie hemmen schliesslich die Entwicklungsfähigkeit. Nur in einigen seiner Plastiken, in Porträts, ist Günzburg unverkennbar bei einem anderen Künstler zu Gaste gewesen. Bei Troubetzkoi. Es soll hier freilich nicht untersucht werden, woher wiederum die Kunst des Fürsten Troubetzkoi stammt. Jedenfalls war Günzburg hier wenig glücklich. Seine ausserordentlich technische Begabung hat zwar das Aeussere glänzend zu geben vermocht, aber der Geist hat entschieden darunter gelitten. Davon zeugt vor allem sein nach meinem Empfinden bestes Werk, die Büste Graf Leo Tolstois. Das ist ein eigenartig und interessant modellierter Kopf, voll ausgeprägter Intelligenz, bloss nicht Tolstoi, nicht das, was wir fühlen, wenn das Wort „Tolstoi" fällt. Die zarte, etwas feminine Natur des Künstlers vermochte sich nicht zur Gestaltung einer ihr absolut entgegengesetzten Persönlichkeit zu überwinden. So ist aus dem fanatischen Apostel des Urchristentums ein etwas gutmütig-verbissen lächelnder Greis geworden. Günzburg hat es mit allen ähnlichen Technikern gemein, dass zu dem uns an seinen Werken Gefallenden nicht der Künstler das Beste hergibt, sondern das Modell. Darum ist auch Günzburg dort am trefflichsten, wo das Modell am ehesten seiner eigenen Natur entspricht, da braucht er sich keine Gewalt anzutun, da kann er kongenial gestalten. Dieses Gefühl von der Ueberlegenheit des Modells über die künstlerische Persönlichkeit seines Gestalters wird man vor allem Günzburgs Kinderszenen gegenüber nicht los. Es ist eben ein Mangel an eigentlicher Schöpferkraft. Diese jugendlichen Akte, so trefflich sie geworden sind, sie sind eigentlich nur gut ausgewählt, nicht aber gut geschaffen- Und so sei denn noch einmal gesagt, dass Günzburg ein sehr begabter und technisch geschickter Plastiker ist, aber keine aus innerem Drange, aus seelischer Notwendigkeit schaffende künstlerische Persönlichkeit. Zum Schlüsse noch einige Daten aus unseres Bildhauers Leben. Elias Jacowlewitsch Günzburg wurde im Jahre 1858 in Wilna geboren. Die Familie, der er entstammt, war zwar mit materiellen Mitteln nicht sehr gesegnet, dafür aber geistig bedeutend, und wie es bei derartigen jüdischen Familien der Fall zu sein pflegt, war der sehnlichste Wunsch der Mutter, aus dem Sohne einen Rabbiner zu machen. Als Antokolski das grosse Talent des Knaben bemerkte und ihn zu weiterer Ausbildung nach Petersburg zu nehmen wünschte, stiess er bei der Mutter auf erbitterten Widerstand, den selbst er nur schwer zu überwinden vermochte. Antokolski bot dann dem jungen Elias eine zweite Heimstatt bei sich. Günzburg besuchte dann die Akademie der Künste, um schliesslich aus einem Schüler ein Lehrer zu werden. Ihr gehört er auch jetzt noch an, in ihren Räumen befindet sich sein Atelier. Er hat über 20 Kindergruppen und eine grosse Anzahl Porträts berühmter Zeitgenossen geschaffen, von welch letzteren dieses Heft Tolstoi und Antokolski nach Photographien bringt. Zu erwähnen bleibt noch, dass Günzberg im „Mir Boshij" unter dem Titel „Wie ich Bildhauer wurde" eine Art Memoiren veröffentlichte, die durch ihre Mitteilungen über bedeutende Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunst, sowie durch ihre Beschreibung der politischen Strömungen auf kulturhistorisches Interesse Anspruch haben. Wir erhoffen von dem russischen Judentum vieles für unsere Kunst. Dort ist das Nationale viel reiner erhalten als bei uns Westeuropäern, und der Einfluss unserer Kultur hinwiederum hat aus dem lange vernachlässigten Boden eine Fülle grosser Begabungen gezeugt, der wir quantitativ jedenfalls unterlegen sind. Doch nach allem, was sich jetzt darüber sagen lässt, scheint es mir wahrscheinlich, dass rder" grosse jüdische Künstler nicht aus dem Ghetto sein wird, sondern aus dem Westen kommen muss. jfebuda f)alevi Mir wies ein lichter T>aum das Zauberland, Darin die 6locken deiner Seele läuten» Da hielt der Jüngling tief ergriffen still, Den wundersamen Kleihehlang zu deuten» So gnadenreich ward mir der Böhensang Cdie Saiten, welche priesterbände rühren» Ich aber neigte mich: Denn du tratst selbst heran, Mi* in dein königliches Reich zu führen, Und sprachst zu mir: „Sieb diese Cedernpracbt, „Den Marmeltempel und die stillen Palmen, „Die 6feuranken und den Blütenglanz, „dnd sieh den goldnen Segen an den Bahnen! „Bier ging ich ein, als mir den müden Leib „Die Sehnsucht löste» —?edes Sdipfelrauscbcn „Singt hier mein Lied, und wer die Beimat sucht, „Darf rasten und in meinen Bainen lauschenl"»» --Hls ich erwachte, war's ein f rüblingstag, In allen Zweigen blinkten f reudentränen, Und ich schwieg still.---In meinem Busen schwoll Brünn» 6in Sang von heimatstarken Psalmentönen» Otto Hbelcs*