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Ost und West · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. Seite 143 - 144

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Der Strike der Schnorrer
Date
1904-02-01
Page
Seite 143 - 144 (sequence 5)
Language
German
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143 M. Spector: Der Strikc der Schnorrer. 144 fröhlich sein! Wir wollen Juden sein! Klessmers, spielt was Lustiges! Immer fröhlicher, kräftiger, wilder, Juden." Und die Schnorrer und die Gäste klatschten in die Hände im Takte zu der Musikanten fröhlichem Tanzlied. Ja, so ist ein Jude lustig; und so macht ein Jude Hochzeit! Auf einer jüdischen Hochzeit, lieber Leserj war ich jüngst. LITERARISCHES, APHORISMEN. Felix Dahn über getaufte Juden. In Felix Dahns Roman „Weltuntergang", der im Jahre 1000 n. Chr. Geburt spielt, spielen auch die Juden eine Rolle. Ein Jude namens Isak, der Sohn edler jüdischer Eltern, war Christ geworden und hatte den Namen Renatus angenommen. Er war einer der ärgsten Korn Wucherer. Der Bischof tritt mit seinem Begleiter in das Haus dieses Renatus und sagt: „Ich bin wenig vom Treiben dieses Renatus erbaut." „Nennt ihn doch nicht Renatus, Isak heisst der Jud." „Er ist getauft." Supfo (der Diener des Bischofs) lachte. „Tauft ihn noch einmal; aufs erstemal halfs wenig; aber besser: lasst's ganz bleiben." „Wein kann man wässern, nicht Blut." „Ich verbiete Dir, so von dem heiligen Sakrament zu sprechen." „Verzeiht mir, Herr! Aber ist's nicht so? Der Glaube wird danach — vielleicht, vielleicht auch nicht! — geändert. Aber das Geblüt? Da lob' ich mir die ungetauften Juden, unter denen sind die Besten." „Du sprichst unchristlich, die Taufe bringt ihnen das Heil." „Ja, aber nur, wenn sie daran glauben, wenn sie das Sakrament deshalb suchen. Wenn sie's aber suchen, weil sie sich ihres Volkes schämen und lieber mit den Christen die Juden placken wollen, als sich mit den Christen von den Juden placken lassen? Ihr Volk verleugnen diese Abtrünnigen, und Euch, Herr Bischof, lügen sie vor, sie glauben; Untreue und Lüge aber bringt nicht Heil, sondern Schmach." * $ * . . . Modernität ist Bewusstheit. Man muss wissen, was man ist. Man hat das Prinzip zur Geltung zu bringen, das man darstellt. Ist man ein Jude, so wird man heut die Echtheit der Wirkung zu beeinträchtigen fürchten, indem man darauf bestände, den Hellenen zu spielen. Ist man eine Frau, so sollte man sich heut kein männliches Pseudonym mehr zulegen und aus Büchern nicht mit einer Bassstimme reden . . . Das bewusste und betonte Judentum ist in eben dem Sinne modern, wie die bewusst betonte Weiblichkeit. Thomas Mann (der Dichter der „Buddenbrooks"), in einem Essay des „Tag", No. 79, 1904. REVUE DER PRESSE. Die Israelitische Wochenschrift No. 6 schreibt: Herr E. Gieldzinski hat der Danziger Synagogengemeinde eine aus ca. 120 Nummern bestehende Sammlung alter Kultusgegenstände geschenkt und daran die Bedingung geknüpft, dass sie der Oeffentlichkeit nicht entzogen werden, und dass kein Eintrittsgeld erhoben werden darf. Die Sammlung wurde von Herrn Gieldzinski in einem Zeitraum von 30 Jahren zusammengetragen und ist die vierte, die besteht; die anderen sind in dem Besitz des Kensinoton-Museums in London, des Musee Cluny in Paris, des Museums in Frankfurt a. M.; ausserdem ist noch eine Sammlung Matthias Bersson in Warschau vorhanden. Es handelt sich um in Silber, Kupfer und Messing getriebene Gegenstände sowie um buntbemalte, auf Pergament geschriebene Gebetbücher usw. Die Sammlung, von der nächstens ein Katalog erscheinen wird, soll im sogenannten Brautzimmer der hiesigen Synagoge zur Aufstellung kommen und dürfte eine hervorragende Sehenswürdigkeit für Danzig und Umgegend bilden. Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50 (Luxusausgabe Mark 7,—)» für das Ausland Mark 4,— Luxusausgabe Mark 8,—). für Russland ganzjährlich 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. _____^ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen___ . _ Reiches unter No. 5785a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. ' " ^~ Anzeigen 50 Pfennig die vier gespaltene Petitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: LEO WINZ, Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary Sc Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & Garleb, Berlin W. 3ü.

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