Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Der alte Prager jüdische Friedhof
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 127 - 128 (sequence 5)
- Language
- German
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127 Josef Winternitz: Der alte Prager jüdische Friedhoi. 128 barer Gestalt rankt und sprosst alles in den üppigen Farben der Phantasie um dieses Grabmal. Aber eine Sage ist darunter, die beständig kommt und gar nicht weichen will. Es ist jene Sage, die uns erzählt,, wie der Rabbi, der Meister der Kabbala, auf Kaiser Rudolf IL Geheiss die Patriarchen heraufbeschworen hat und Jakobs Söhne Von der Moldau weht des Abends Kühle herüber und lässt die wirren Zweige der alten Hoiundrrbäume wie im Schlafe sich bewegen, und es huschen deien phantastische Schatten über das Chaos der Grabsteine, als wären es d e Geister der Verstorbenen, die des Rabbi Zauberspruch heraufzwingt aus ihren Gräbern. Wie im Halbtraum sehe ich den flüchtigen Naphtali, wie er dahinja^t und fliegt, selbst über die Gräber der Seinen ... es ist ja der flüchtende Ahasver! Auf wen ich. warte? Auf Deinen Löwen. Juda' Ich möchte ihn schon sehen, wie er im Vollbewusstsein seiner Kraft seine Glieder reckt und streckt. Und ich horche mit klopfendem Herzen hinaus in die Nacht, die mich umgibt, auf den sich erhebenden Donner Deiner Stimme, die sich wieder majestätisch über all den am Erdenstaube klebenden Völkern erhebt. — — Vergeblich mein Horchen in die Nacht. Ich höre nichts. Ich sehe nichts. So komm denn Du! Dan! Wo bist Du, Dan! ... Es sticht die Schlange den Fuss der sie tritt .. . .. Ich möchte Dan sehen, der, wenn ihm Untergang droht, wenigstens den Feind mitreisst in den Tod .. . Es rührt sich nichts. Ich sehe nichts. Schwarz und schwärzer wird's. Düster rauschen die Bäume über den Gräbern. Traurig und matt blickt der Mond hervor zwischen den Wolken Da kommt etwas müde geschlichen und streckt sich sterbensmatt vor mir nieder. Es ist Jisachar. Jisachar, der abgetriebene Esel, das geduldig für andere arbeitende und dafür misshandelte Lasttier. Sohn Jakobs, was muss man Dir angetan haben, dass Du daran verzweifelst, anderswo Ruhe zu finden als auf den Friedhofe! Während ich Judas Löwen erwarte —-- Während ich Dan verzweifelt rufe —-- Bricht Jisachar zusammen — auf dem Friedhofe. GOTT, WELT UND MENSCH IM JUEDISCHEN SPRICHWORT. Von Binjambl Segel. (Nachdruck verboten.) Mit Gott soll man anheben. * * * Gott ist einer, ausser ihm ist keiner. * * * Gott ist einer, was er macht, sieht (begreilt) keiner. * "Wir haben einen guten Gott. * * * Der alte Gott lebt. * * * Gott ist ein guter Wirt. * * * Gott weiss, was er tut. * * * Was Gott tut, ist gewiss gut. * * * Von Gott verlangt man keine Erklärungen. Gegen Gott erhebt man keine Einwände. Gott ist gerecht und seine Wege sind gerecht. * * * An Gott hat noch nie jemand verloren. * * * Der beste Handel ist mit Gott. Das beste ist, aus Gottes Hand seine Nahrung zu erhalten. * * * Mit dem lieben Herrgott darf man nicht spassen. * * Ueber Gott darf man sich nicht ärgern. * * * Was Gott einmal zugeschworen, das geht nimmer verloren. Aus einem verbreiteten Yolksliede. * *