Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Gestalten der Bibel in der bildenden Kunst
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 57 - 58 (sequence 4)
- Language
- German
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57 Dr. G. Kutna: Die Gestalten der Bibel in der bildenden Kunst. 58 zum erstenmal der Mensch dem Menschen, der Mann dem Weibe. Es sind die Anfänge der deutschen Kunst, keine Kenntnis des Körpers, keine überzeugende Körperlichkeit, haltlos in den Verhältnissen und unbeholfen in der Technik. Und doch ist das Dasein dieses Paares von köstlicher Frische, und solche naive Freude belebt ihr Gebaren, dass wir von einer holden Täuschung überzeugt werden und alle Unterschiede von Wahrheit und Schein vergessen sind. Was aber in solchem Falle bei dem Menschen späterer Zeit und Kultur so unmittelbar überzeugend einwirkt, die menschlich nahe Beziehung zu der eigenen seelischen Lebendigkeit, das war im alten Israel der ganzen Welt biblischer Ereignisse und Personen gegenüber vorhanden. Dort waren es Fragen aus den Tiefen des Gemütes, denen mit der Erzählung geantwortet ward, und intime Stimmungen des ganzen Volkes erkannte man wieder, die in solcher Erzählung Form gewonnen hatten. Daher die lächelnd schöne und ergreifend tiefe Poesie,' in welche die Bibel diese Stimmungen gekleidet. Nun aber war manche dieser Stimmungen alt geworden und dem Leben entrückt, die Form, die geblieben war, hatte keine Zeugungskraft, und „jede Form, auch die gefühlteste, hat etwas Unwahres". Was einst die Herzen bewegt, war zu einem unverstandenen Nachklang geworden — der Lieder einer verschollenen Zeit. Darum heischt kein Volksbedürfnis von der Kunst, dass sie den Stoff gestalte; oder es verlangt die Gestaltung mit einer Verschiebung des Motivs und einer Umbildung des Gehaltes wie seiner Formung. Während die Bibel oft ohne jede Tendenz erzählt, nur um der dichtenden Volksseele die Sprache zu leihen, sucht die Auslegung einer späteren Zeit und Kunst, Heilswahrheiten und Erkenntnisse herauszuwinden. Nebenbedeutungen und Anspielungen werden hineingelegt, die einer völlig verschiedenen Gedankensphäre entstammen, und das reale Ereignis wird in Zusammenhänge hineingezwungen, die nur in einer bestimmten komplizierten Begriffswelt vorhanden sind. Dadurch bekommen die Personen die Blässe des Unwirklichen, die Ereignisse den Charakter der Gegenwartslosigkeit. Es fehlt ihnen aller unmittelbare Drang des Lebens, aller Gegendruck innerer Triebe. So schweben sie vorbei wie farblose Allegorien, ohne Leben und lebendige Kraft. Nun haben sie für die Kunst nicht mehr die überzeugende Gewalt des Daseins, nicht die dynamische Einwirkung des Wirklichen und — wonach die Kunst am meisten verlangt — keine sinnliche Unmittelbarkeit. Aber dies entspricht den Zwecken der Kirche. Nicht Dasein und Leben soll dargestellt werden, sondern nur die Heilsbedeutung dieses Daseins. „Die Malerei wird deshalb in den Kirchen angewendet, damit die, welche Geschriebenes nicht verstehen, wenigstens an den Wänden sehen und lesen, was sie in den Büchern nicht lesen können" (Gregor der Grosse). Nicht von Leben und Menschen der Bibel soll dem Volke erzählt werden, es soll „die Tugenden derer kennen lernen, die dem wahren Gott auf die rechte Weise gedient haben". (Ein zweiter Artikel folgt.) Kreischt nur und zischt Und spritzt euern Hästergiscbi Zu mir empor! Umsonst! Rein bleibt mein Ohr, Und rein empfängt's Den Ruf des fieils, Der durch die Gleiten dröhnt Und still und stark Xn meinem Kerzen {Uidert önt, Wien. Hbasver an seine üdidersacber. Vergebens euer Grinsen Xn Uebermut und tUabn, Ihr reicht ja nicht einmal Hn meinen Bart hinan! fjoeb über euch fliegt mein Blich fHnaus in die Zeit Und holt mir dort Die ganze, die grosse, Die leuchtende 6wigkeft\ Und zerrt nur da unten, Soviel ihr wollt, — Ihr seid eine (Helle nur, Die mir entgegenrollt, Ich teil' sie mit sicherem Schritt, Und schwillt sie auch manchmal %Zu reissendem Strom, Jülich reisst sie nimmer mit! Ich steure aufrecht und einsam Xn kühler f äbrmannsrub, Durch euer Gewirr und Gewoge Dem Hände der Renschen zu! JVIatbias Heben