Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Gestalten der Bibel in der bildenden Kunst
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 53 - 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2583875-2583918-2583920-2589671--03593-2589739- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
53 Dr. G. Kutna: Die Gestalten der Bibel in der bildenden Kunst. 54 ,if> fv •'r».,rv. \» •: JF - '■■ **Sti * "• i I / > , \> / \ . *V*!\ U •* „; ' -s«c*;.- ^r^. \' / " ' ^- -f # * \ -> « . 3*®& iJil 4; '^ftyigFA i53J t::W 'S ' i m i% 11 *m m\ *$&->\ t-Är ürÄ k->v. sie um die Seelen der Menschen, und mannigfach und reich sind die Schicksale ihrer Wanderung. Es sind nur Erlebnisse eines kleinen Volkes, in einer Zeit beginnender Erkenntnis gesammelt, und doch konnte die Bibel hinziehen über die AVeite der Erde zu den Völkern und Zeiten, um ihnen Antwort zu geben auf ihre Fragen, ihrem Bitten und Verlangen Antwort und Trost. Denn es war fromme Unbefangenheit und andachtsvolle Bejahung des Lebens, was sich in dem Buche aussprach, und dies ist "Wahrheit beim Menschen wie bei der Blume der Duft. Kindlich schlicht und tief weise war das Buch in Gehalt und Form — wie alle reine Menschlichkeit. AVie eng begrenzt der Lebenskreis auch war, in dem es entstanden, es durfte Aussprüche tun über die AVeit und ihre Rätsel, über AVerden, Sein und Ewigkeit. Aber die Zeiten änderten sich, und mit den Zeiten Sprache und Denken. Die AVeit wurde grösser, die Geschichte reicher, und die Kulturkreise entwickelten ihren individuellen Charakter. Da musste die Bibel sich der Wandlung fügen. Sie redete ja in der Sprache eines fernen Landes, in Bildern und Aus drucksformen ferner Zeiten und fremden Lebens. Die Berichte waren Teile verschiedenen Gewebes und eingefügt zu einer neuen Einheit. Was dort in der Ferne die Herzen gedichtet und die Augen erschaut, das sollte der Gegenwart Sinn geben und der Zukunft Hoffnung. In den Berichten von AVanderungen der Väter, in den Erzählungen von ihrem Leben, ihrer Liebe und ihrem Leide ward ein Geisteshauch verspürt, der Wahrheit und Richtschnur sein sollte der lebendigen Stunde. Was dort ferne die Brunnen erzählen, die Bäume flüstern und die Sagen raunen, das war den Völkern gegenwärtig geworden und wuchs in sie hinein als Inhalt ( 1 { >\ .4V - y&är-^ ' '■ ■ " - <• ' , f , •••'rf-'"'" ** ■::J /■><" /'■/:■ ' \ \ ' ' V ' ■ ■ ■ 1 4'C* , ' * yi i ' *V ■ ■ (^l * X;?•• v l"j l' i:'-':f V/ilf^i ); i: m,* St"'' *'-": i""<h'>* '■- / ■ v y*** ^i<- Jk Vft-'.- § ['vRf. < .' H ■ I 7.., (! i B * j ^W&Ji'r.Vi..'-"i. :'■ ) *.|) Ii Q-^r.^ 3t. '■ LLO IJOROVITZ. FIG. VII. THORA-SCHILD MIT JAD. (/um Artikel r Syiuigogale Kunst".) LEO HOROVITZ. FIG. VIII. SILBERNER THORA-SCHILD. (Zum Artikel „Synagogale Kunst".) und Höhe des eigenen Lebens. Und bei allem Wandel dieses Lebens, seiner Inhalte und seiner Höhen, immer sollte das Buch die Menschen und ihre Sehnsucht verstehen, und immer sollten die Menschen das Buch und seine Wahrheiten verstehen. So prägte allemal die Gegenwart den Geist des Buches um und gab ihm den Charakter und die Wertungen der eigenen Zeit. Es musste das schlicht Menschliche dieses Geistes in dem Zwange jener Wandlungen sich biegen und formen, von dogmatischer Versteinerung bis zu rationalistischer Willkür und mystischer Anarchie. Und was das Buch in dem Wandel des Lebens erfahren, das prägt sich in der Kunst aus, der Blüte des Lebens. Was die Geistesströmungen der Geschichte ihm gegeben und genommen, das setzte sie um in die sinnenwahre Lebendigkeit der Anschauung. Wie hier mit den Gestalten der Bibel, so ging es ja mit allem Inhalt, der in der Kunst zur Darstellung kam; so ging es der Landschaft, dem Menschen und allen Erscheinungen des Lebens. Die Kunst fand immer geistige Mächte auf ihrem Wege, denen sie dienen musste. Der rein künstlerische Trieb musste zurücktreten und konnte nur auf Umwegen einige Geltung erlangen, weil stärkere Kulturbedürfnisse nach Befriedigung verlangten. Solange das Geistesleben sich vornehmlich in den Grenzen