Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Eines jungen Schriftstellers Chanukafest
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 41 - 42 (sequence 1)
- Language
- German
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41 42 EINES JUNGEN SCHRIFTSTELLERS CHANUKAFEST. (Aus-dem jüdischen.) Von J. L. Pcrez. (Nachdruck verboten.) ) In der Redaktion •habe ich Vorschuss genommen und dafür einen Chanuka - Beitrag versprochen. Just zum siebenten LichÜein. Dem „geistlichen" Redakteur musste ich nach altem Brauch einen Handschlag darauf geben, der zweite, der literarische nämlich, begnügte sich mit meinem Schriftsteller - Ehrenwort. Damit es recht ernst aussehe, blinzelte ich mit «den Augen, und der Kassierer machte sich bald daran, mir die Summe aufzuzählen. Ich bekam einen ganzen Kaufen Kupfermünzen. Nun muss ich schreiben. Da ist nämlich ein Restaurateur, der nicht länger , als einen Monat warten will. Dann gibt es noch -eine Logiswirtin, eine dicke, böse Frau, die •das Teegeben einstellt, sobald sie nicht zum Termin bezahlt kriegt. Marie freilich, das Dienstmädchen mit •den zerzausten Haaren, bringt mir dann im Verborgenen weiter den Tee. Sie hegt für mich eine tiefe Zuneigung voller Ehrerbietung. Sie meint, ich müsste wohl als Schriftsteller auf seiten ihrer Klasse stehen, denn die, welche auf seiten der Klasse ihrer Brotgeberin stehen, wühlen heutzutage im Golde. Einmal, vor Tagesanbruch, schlich sie sich in mein Zimmer und bot mir mit Tränen in den Augen ein kleines Darlehen für den Mietzins j^iiy^v ::-v - y.'-r^"/ . •■- LEO HOROVITZ. FIG. II. CHANÜKALEUCHTER. (Zum Artikel „Synagogale Kunst".) an. Doch ich war noch nicht so tief gesunken, Ich küsste sie gerührt, sie bebte in meinen Armen, aber das Geld — Gott allein weiss, welch einer starken Versuchung ich widerstand! — das Geld nahm ich nicht an; sie schob es heimlich unter mein Kopfkissen, ich fand's und gab es ihr wieder. Nein, ich bin noch nicht so weit . . . Aber wie lange vermag der Mensch einer Versuchung Trotz zu bieten! Es gilt also diesmal, Wort zu halten. Die dicke Logis wirtin versteht keinen Spass. Gestern nahm sie mir wieder einmal den Schlüssel. „Ich verzichte auf den ausstehenden Mietzins, aber macht euch nur auf die Sohlen." Ich erklärte ihr, sie sei zwar vollkommen im Rechte, aber jetzt müsse sie Gnade vor Recht walten lassen, sie müsse mir erlauben, in Frieden die Chanuka- Lichter anzuzünden .... Sie gab nach. Der harte Ausdruck verschwand von ihrem Gesicht und in ihren Augen leuchtete eine Art Zärtlichkeit auf. „Na, nur noch diesmal.u Dann brummte sie leise: „Eine jüdische Seele kann man doch nie abschätzen.44 Sie erlaubte mir sogar, ein Scheit Holz aus der Küche zu holen, um die Kerzchen zu befestigen. Gewiss macht sie sich Hoffnung auf einen Anteil an dem