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Ost und West · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 39 - 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Die Astralbilder im poetischen Schrifttum des Alten Testamentes
Date
1904-01-01
Page
Seite 39 - 40 (sequence 4)
Language
German
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39 Prof. Dr. theol. et ph.il. Aug. Wünsche: Die Astralbilder im poetischen Schrifttum des Alten Testamentes. 40 Stellen vor. Jahves Erscheinen zu Gericht wird von Habakuk also geschildert: Und ein Glanz gleich dem Lichte wird sein, Und Strahlen gehen ihm zur Seite. (Hab. 3, 4.) In den letzten Worten Davids wird ein gerechter Herrscher in seiner Glück und Freude bringenden Wirkung mit dem lichte verglichen. Wer über Menschen herrscht gerecht, Herrscht in der Furcht Gottes, Der ist wie das Licht des Morgens, Wenn die Sonne aufstrahlt, Am Morgen wolkenlos. Wenn vom Glänze nach Regen junges Grün aus der Erde sprosst. (2. Sam. 23, 3b. 4.) Während der Weg der Frevler der Finsternis, gleicht der Weg der Gerechten dem hellen Lichte. Und der Gerechten Pfad erglänzt gleich dem Lichte, Das*fortgehend heller wird bis zum vollen Tage. (Spr. 4, 18.) In der Messiaszeit wird sich das Licht der himmlischen Lichtspender steigern: Und es wird sein das Licht des Mondes wie das Licht der Sonne Und das Licht der Sonne wird sich versiebenfachen. (Jes. 30, 26.) Durch das Licht werden die Tageszeiten bestimmt. Der Mittag ist die Zeit, wo die Erde der hellste Lichtglanz erfüllt. Dem zweiten Jesaia dient der Mittag darum als wirksamer Vergleich zur Verdeutlichung des Hochpunktes des Glückes Israels im messianischen Zeitalter nach langer Unglückszeit. Und erstrahlen wird in der Finsternis dein Licht, Und deine Dunkelheit gleich dem hellen Mittag. (Jes. 58, 10.) Ein Sänger ermahnt die Frommen, auf Jahve zu vertrauen und ihm alle Sorgenlast und allen Herzenskummer anheimzustellen, da er ihre verkannte Gerechtigkeit ans helle Tageslicht treten lassen wird. Und hervorführen wird er gleich dem Licht deine Gerechtigkeit Und dein Recht gleich dem hellen Mittag. (Ps. 37; 6.) Nach Zophars erster Rede wird dem, der sein Herz au Jahve richtet und sich schuldfrei und makellos hält, wirkliches Lebensglück zu teil. Und mehr als Mittagshelle erhebt sich die Lebenszeit. Und mag es finster sein, wie Morgen wird es sein. (Hi. 11, 17.) Unter den optischen Phänomenen kommen für unseren Zweck nur die am Osthimmel feurig erstrahlende Morgenröte und der Regenbogen in Betracht. Während bei den Indern und Griechen die Morgenröte als ein göttliches Wesen erscheint, wird sie von den Dichtern des Alten Testaments nur personifiziert, indem ihr Flügel (Ps. 139, 9) und Wimpern zugeschrieben werden. In der bildlichen Verwendung versinnbildlicht Hosea durch sie die frohe Zuversicht, dass Jahve für Israel einen Tag des Heils heraufführen werde. Daher die Aufforderung: Lasst uns erkennen, lasst uns trachten, Jahve zu erkennen, Gleich der Morgenröte wird er hervortreten. (Hos. 6, 3.) Von dem Glückszustande des neuen Israel in der messianischen Zeit in seinem aufstrahlenden Hervorbrechen heisst es im zweiten Jesaia: Alsdann wird hervorbrechen gleich der Morgenröte dein Licht Und deine Genesung wird eilends aufsprossen. (Jes. 58, 9.) In einem Brautliede wird die Geliebte mit den Worten eingeführt: Wer ist, die herabblickt gleich der Morgenröte? (Hohesl. 6, 10) Unter den zahlreichen Merkmalen des Krokodils in der Hiobschilderung werden auch die Augen hervorgehoben und mit den Wimpern der Morgenröte verglichen. Sein Niessen erstrahlet Licht Und seine Augen sind wie der Morgenröte Wimpern. (Hi. 41, 10.) Das Bild bezieht sich entweder auf die farbigstrahlende Bindehaut der Augen des Krokodils, oder vielleicht sachrichtiger auf den „metallisch glänzenden Fleck auf der inneren Fläche der Farbenhaut (Choroidea)". Nach allen Beobachtungen üben die Augen des Krokodils auf das Wasser einen rötlichen Reflex aus. Tatsache ist, dass die Hieroglyphe für Morgenanbruch in zwei Krokodilsaugen besteht. Vergl. Horus 1, 68 und Delitzsch, Das Buch Hiob z. St. S. 495. Die anmutige Erscheinung des Regenbogens, der sich immer dann am Himmel zeigt, wenn die Sonnenstrahlen durch den zerrissenen Wolkenschleier hervorbrechen, gilt dem Israeliten als ein Zeichen der Versöhnung Gottes mit dem Menschen. Mit Bewunderung und frommem Dankgefühl blickte er daher zu ihm empor. Dem Propheten Ezechiel wird die Erscheinung zum Symbol des Abglanzes der unmittelbaren Gottesherrlichkeit; sie deutet ihm an, dass Jahve seinem Volke seine Gnade wieder zuwenden und ihm ein Helfer in der Not sein wolle (Ezech. 1, 28). .

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