Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Das jüdische Sprichwörterbuch
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 759 - 760 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
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759 760 DAS JUEDISCHE SPRICHWOERTERBUCH. Von Dr. B. Rohatyn, Krakau. Nachdruck verboten. Endlich haben wir es. Es war höchste Zeit, dass es kam. Der Titel, den es führt, lautet freilich viel bescheidener.*) „Jüdische Sprichwörter". Zweite Auflage! Wo war denn die erste? Das erfahren wir aus der Vorrede. Die erste Auflage, das waren zwei magere, dünoe Heftchen, die vor 18 oder 19 Jahren als Sonderabdruck aus einer Warschauer jüdischen Zeitschrift erschienen, äusserst dürftig ausgestattet, dafür aber reichlich mit Druckfehlern versehen, das Material weder nach stofflichen noch nach lexikalischen Gesichtspunkten geordnet, sondern einfach alphabetisch nach den Anfangswörtern derSprichwörter, ohne Erklärung oder Hinweis. Und hier ein stattlicher Band von beinahe 800 Seiten Lexi^onformat, beiläufig 4000 Sprichwörter enthaltend, herrlichgedruckt undausgestattet, eine förmliche Au^enweide.Ein unübersehbarer Reichtum von folkloristischem Material zur Erklärung und Beleuchtung der nach einer festen Regel streng und darum sehr übersichtlich peordnetenSprichwörter. Es wird dem Leser ziemlich schwer, dieses Buch für die zweite Auflage jener zwei SANDOR JARAY HOLZSCHNITT. Phrync. (Zum Artikel „Ausstellung'jüdischer Künstler".) *) Ignaz Bernstein. Jüdische Sprichwörter, gesammelt und erklärt. Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage, mit gegenüberstehender Transkription, Index und Glossar. Warschau 1908. In Kommission bei J. Kaufmann in Frankfurt a.M. Gedruckt bei Josef Fischer in Krakau. Heftchen zu halten, die eher als ein schüchterner Versuch, eine Skizze zu diesem gross augelegten Werke erscheinen. Doch das hat der Leser mit dem Verfasser auszumachen. Dem Rezensenten liegt es ob, Form und Inhalt des Buches zu untersuchen, und daiüber Bericht zu erstatten. Was nun zunächst in die Augen fällt, das ist die splendide, aber zugleich vornehme schlichte Ausstattung des Werkes. In typographischer Beziehung hat es — man muss schon sagen: leider! — schlechthin seinesgleichen nicht. Man sieht, dass der Verfasser mit wahrer väterlicher Liebe sein G-eisteskind ausgerüstet hat, um es in die weite Welt zu entlassen. Und dem tadellosen äusseren Gewände entspricht auch die, ich möchte sagen, innere Korrektheit, die man nicht auf den ersten Blick wahrnimmt, nämlich die nahezu vollkommene Freiheit von Druckfehlern. Ich habe einige Wochen über dem Buche gehockt, aber es ist mir nicht gelungen, einen rechten Druckfehler zu entdecken. Es mag vielleicht seltsam erscheinen, dass hier diese Dinge betont werden, aber wenn man bedenkt, in welch ärmlicher Ausstattung jüdische Bücher im allgemeinen auf den Markt erscheiuen, und wie verwahrlost die Korrektur, besonders der Bücher in hebräischer Sprache, auch der besten, ist, dass es den aufmerksamen Leser direkt verletzt, so muss man förmlich mit Neid auf dieses Sprichwörterbuch blicken. Es will nur ein Volksbuch sein und tritt mit jenem ausgesuchten Respekt vor den Leser hin, den man wohl von einer guten Erziehung und einem guten Geschmack fordern darf. Ich muss mit Bedauern konstatieren, dass mir nur äusserst wenige jüdische Bücher bekannt sind — in jüdischer Sprache schon gar keines — die sich auch nur halb so sauber und tadellos repräsentieren. Eingerichtet ist das Werk nach Schlagwörtern. Die Sprichwörter sind nach dem in ihnen vorkommenden HauptbegrifF, der ihnen Signatur und Charakter gibt, gruppiert. Innerlalb einer jeden Gruppe sind die Sprichwörter alphabetisch geordnet und mit fortlaufenden Zahlen versehen. Am oberen und am unteren Rand eiuer jeden Kolonne sind die addierten Gesamtzahlen registriert. Das ergibt eine grosse Bequemlichkeit, die den Wert des Buches sowohl als Lektüre, wie als Nachschlagewerk bedeutend erhöht. Wer wissen will, wie das jüdische Sprichwort über Gott, Mensch, Mann, Weib, Leben, Tod und dergleichen denkt, findet hier alle Sprichwörter, die sich auf jeden der genannten Begriffe als Hauptinhalt beziehen, fein säuberlich aneinandergereiht, sodass sie ein interessantes Kapitel bilden. Wer aber ein bestimmtes, ihm bekanntes Sprichwort linden will, der braucht nur zu überlegen, welches Wort darin den Hauptbegriff bildet, dies ist das Schlagwort und in der unter diesem Schlagworte vereinigten Gruppe ist das Gesuchte leicht zu finden. Nun enthält aber ein Sprichwort neben