Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Die makkabäische Eroberung im Lichte der Ausgrabungen
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 757 - 758 (sequence 4)
- Language
- German
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757 Die makkabäische Eroberung im Lichte der Ausgrabungen. 75S Eingangs in die Stadt hatte, Nur dem Gouverneur konnte ein solches Gebäude zur Verfügung stehen. 6. Demzufolge werden wir unwiderstehlich zu dem Hause geführt, das Simon sich nach der Eroberung von Gezer dort erbaute, bezw. zweckgemäss umbaute. Das Ergebnis dieser Sehlusskette lautet also, um es kurz zu sagen: In dem fragwürdigen Hause liegt die 1. Makkab. 13, 48 genannte Burg des Makkabäers Simon vor. Zu dieser Annahme stimmt der ganze Ortsbefund vortrefflich. Die Lücke in der Stadtmauer ist durch Simons Belagerungsmaschinen gebrochen: zu der Aufstellung des „Widders" bot die erhöhte Fläche draussen vor der Stadtmauer eine einzig günstige Gelegenheit. In die Bresche wurde nach der Eroberung als eine Art von Zitadelle Simons Palast hineingebaut, das Baumaterial lieferten die umherliegenden Mauertrümmer. Also kein Kreuzfahrerschloss, sondern eine Makkabäerresidenz! so lautete die neu gewonnene Hypothese. Liess sich für die Hypothese ein Tatsachenbeweis erbringen? Die Durchstöberung der einzelnen Räume in dem Hause brachte keinerlei Funde, sondern nur die Gewissheit, dass das Gebäude bis aufs äusserste durchplündert und dann zerstört worden sei. Das entscheidende Zeugnis lieferte fast zufällig — ein Stein, der neben der Aussenmauer lag und einer Fellachin durch seine seltsamen Zeichen auffiel. Die Zeichen erwiesen sich dem Forscher als eine unleserliche Inschrift in griechischer Sprache: endlich entzifferte Macalister folgendes Bruchstück eines schlechten Hexameters: „Pampra [sagt:] Simons Palast möge Feuer fressen". Das war ein Fluch. Wie sollen wir uns den Fluch auf einem Baustein erklären? — Der jüdische Eroberer reinigt die Stadt von den heidnischen Greueln. Die dort ansässigen Heiden und heidnisch Gesinnten müssen, zähneknirschend die Götzenbilder zur Vernichtung herausgeben. Pampra, ein Anhänger der Syrer, vermag Zorn und Hass nicht in seinem Innern zu begraben; da zu offenem Widerstand nicht die Zeit ist, greift er zu heidnischer Zauberei. Er nimmt den Kalkstein, kritzelt seinen Fluch hinein, und der Plan gelingt: Der Stein wird in das Haus vermauert, und Simon steht unter dem verderbenbringenden Zauberwort, das die Mauern seines Palastes bergen. Dieser bekritzelte Baustein ist das erste zeitgeschichtliche Zeugnis aus der Zeit der Makkabäer über einen ihrer Fürsten. Es ist ein interessantes Dokument, um so interessanter durch die Entdeckung der Simonsburg, die mit seiner Hilfe von dem unsicheren Boden der Wahrscheinlichkeit auf den sicheren Boden der Tatsachen gestellt worden ist. Trotz der gründlichen Verwüstung liess sich in dem Palast noch eine eigentümliche Badeanlage aus Kalksteinziegeln nachweisen; es fanden sich Eäume für Schwimmbad und Dusche, und eine Köhrenleitung: diente dazu, das gebrauchte Wasser abzuführen; ausserdem wurden noch sieben Bassins mitsamt einem Badeofen ausgegraben. Ob die Stadt in jener Zeit auf länger jüdisch gewesen ist, erscheint sehr fraglich, da schon unter Simons Nachfolger Gezer wieder als eine syrische Stadt erwähnt wird. Bei dieser Rückeroberung haben dann die Syrer so vandalisch in dem Palaste gehaust, dass nicht mehr als ein vermauertes Steinchen übrig blieb, um von den früheren Bewohnern zu künden. Aber auch die syrische Herrschaft hat nicht lange gewährt; gut hundert Jahre später ist die uralte Stadt in einen verödeten, wüsten Trümmerhaufen gewandelt. Eberhard - Zarrentin. L. PASTERNAK Nach dem Progrom. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) ZEICHNUNG.